Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die Impfstoffentwicklung ist nicht Sputnik in der Spritze

Russland ist eine große Forschernation, ein Corona-Vakzin kann es durchaus entwickeln. Nur ist es falsch, die Forschung als Wettlauf zu betrachten.
13.08.2020 - 19:02 Uhr Kommentieren
Der entwickelte Impfstoff ist ein Experimentierfeld – zulasten des Gesundheitspersonals. Quelle: dpa
Russisches Zentrum für Epidemiologie

Der entwickelte Impfstoff ist ein Experimentierfeld – zulasten des Gesundheitspersonals.

(Foto: dpa)

An Russland muss man einfach glauben – so lautet ein altbekanntes Sprichwort. Es fällt natürlich schwer, dem Folge zu leisten angesichts einer Führung im Kreml, die regelmäßig die Lüge als politisches Mittel einsetzt. Und in Medizinfragen ist Glauben allein sicher auch kein probates Mittel.

So wäre es natürlich absolut richtig gewesen, wenn Russland seinen Corona-Impfstoff vor der Zulassung vollumfänglich getestet hätte. Dies hatten auch russische Ärzte verlangt. Denn wie soll eine Medizinerin guten Gewissens und unter Wahrung ihres hippokratischen Eides jemandem den Impfstoff „Sputnik V“ spitzen, wenn sie von seiner Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht überzeugt sein kann?

Der aus rein politischen Motiven vorpreschende Präsident Wladimir Putin stellt die ohnehin wegen der Corona-Pandemie mit vielen Toten in den eigenen Reihen wie auch ihren Patienten gebeutelten Ärztinnen und Pflegerinnen eine schlimme Gewissensfrage: Das „Sputnik V“-Risiko eingehen oder abwarten?

So darf man nicht mit Menschen der Heilberufe und auch nicht mit Kranken und Besorgten umgehen. Aber der russischen Staatsführung waren die eigenen Bürger schon immer egal – ob dem Zar, einem Generalsekretär oder eben dem Präsidenten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Allerdings sind auch die Verächtlichmachung und der Generalverdacht, unter den Russland jetzt wieder reflexartig gestellt wird, völlig unangebracht. Das Riesenreich hat nicht nur mit dem Sputnik 1957 den ersten Satelliten ins All geschossen und betreibt die einzige funktionierende Weltraumstation. Russland ist generell eine große und traditionsreiche Forschungsnation – auch in der Medizin.

    Transparenz und Kooperation gefragt

    Zwar hat Putins repressiver Führungsstil sehr viele und gerade die gut ausgebildeten jungen Russen außer Landes getrieben. Doch noch immer sind unter russischen Forschungsinstituten, Universitäten und Kliniken einige mit globaler Bedeutung. Es ist völlig falsch, Russland die Fähigkeit abzusprechen, zügig einen Corona-Impfstoff zu entwickeln. Da darf man an Russland ruhig glauben.

    Fatal ist aber, dass der Kreml sich mit der weltweit ersten Zulassung eines Corona-Vakzins nun wieder in einen Sputnik-Rausch bewegen will: Wir sind die Ersten, die Besten, die Stärksten. Das hat schon im Wettlauf um den Weltraum nur für einige Jahre Vorsprung gereicht.

    Am Ende ist die Sowjetunion auch an dieser Mentalität und den daraus entstandenen horrenden Kosten zerborsten. Wichtig ist jetzt nicht Kritik an Russland, sondern Transparenz seitens Moskaus und Kooperation aus Richtung des Westens – denn es geht gemeinsam gegen eine weltweite Pandemie.

    Mehr: „Sputnik-Moment“? Russland lässt weltweit ersten Corona-Impfstoff zu

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Die Impfstoffentwicklung ist nicht Sputnik in der Spritze
    0 Kommentare zu "Kommentar: Die Impfstoffentwicklung ist nicht Sputnik in der Spritze"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%