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Kommentar Die Inbetriebnahme des Kraftwerks Datteln 4 ist kaum zu vermitteln – aber vernünftig

Der Ärger der Klimaschützer über das Kohlenkraftwerk von Uniper ist programmiert. Trotzdem ist sein Betrieb unter einer Bedingung vertretbar.
3 Kommentare
Datteln 4 soll nun doch noch ans Netz gehen. Quelle: Christian Burkert/laif
Neubau des Kraftwerks Datteln 4

Datteln 4 soll nun doch noch ans Netz gehen.

(Foto: Christian Burkert/laif)

Muss man das verstehen? Deutschland beschließt den Ausstieg aus der Kohleverstromung, im kommenden Jahr wird aber ein nagelneues Kohlekraftwerk ans Netz gehen. Der Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes erlaubt es Betreiber Uniper, das Pannenkraftwerk Datteln 4, dessen Fertigstellung sich durch Klagen und Baumängel ein Jahrzehnt verzögert hat, doch noch in Betrieb zu nehmen.

Ärger mit Umwelt- und Klimaschützern über diese Entscheidung ist programmiert und verständlich. In der Öffentlichkeit ist das auch kaum zu vermitteln.

Trotzdem ist die Inbetriebnahme unter einer Bedingung vertretbar: Es darf sich nichts am geplanten Kohleausstieg ändern. Er muss genauso entschlossen und zügig vorangetrieben werden, wie er von der Kohlekommission vorgegeben wurde. Wenn Datteln 4 ans Netz geht, müssen ältere Anlagen eben umso schneller abgeschaltet werden. Und das ist offenbar auch geplant.

Letztlich hätte das Aus für Datteln 4 zwar eine hohe Symbolkraft. Die wäre aber teuer erkauft. Die Anlage ist nach all den Pannen fast fertiggestellt.

Uniper hat alle nötigen Genehmigungen vorliegen. Das Unternehmen hätte einen hohen Anspruch auf Schadensersatz – zumindest würde ein jahrelanger Rechtsstreit drohen.

Zudem wird Datteln 4 zwar Kohlestrom produzieren und dabei große Mengen des klimaschädlichen CO2 ausstoßen. Die Anlage ist aber effizienter als viele anderen Anlagen. Wenn im Gegenzug alte Kraftwerke schneller abgeschaltet werden, ist das für die Klimabilanz sogar positiv.

Symbole sind wichtig, wenn große Projekte durchgesetzt werden. Das Aus für Datteln 4 wäre so ein Symbol für den Kohleausstieg. Sie dürfen aber nicht um jeden Preis durchgesetzt werden.

Beim Kohleausstieg steht schließlich noch ein anderes Symbol zur Debatte: der Schutz des Hambacher Forstes vor den Braunkohlebaggern von RWE. Da ergibt Symbolpolitik Sinn – aber auch das wird nicht einfach.

Mehr: Trotz aller Ankündigungen der internationalen Politik sind die Klimaziele in Gefahr. Wenn die Weltgemeinschaft einfach so weitermacht, wird es düster.

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3 Kommentare zu "Kommentar: Die Inbetriebnahme des Kraftwerks Datteln 4 ist kaum zu vermitteln – aber vernünftig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Kohleausstieg? Der Atomausstieg, Der Windradausstieg da Naturschutzklagen .... aber immer mehr Stromverbrauch. Das ist Grüne Politik a la grüne Jugend die die Welt untergehen sieht.

    Bis 2030 wird die Welt 25% mehr Menschen haben nähmlich 10 Mrd und verbraucht mehr Energie die durch Kernkraft und 1000 Kohlekraftwerke gedeckt wird.

    China ist Alles. Der größte PV Markt und Windstromproduzent aber auch der größte Luftverschmutzer (26%) vor USA(16%), Indien, Russland folgen dann Deutschland mit 2%. Unsere 2% macht China in 24 Monaten wieder wett.

    Gut dass wenigstens die Grünen wissen dass die Welt in 8 Jahren untergeht. Dann sollten wir uns vorbereiten und jetzt leben als gäbe es kein Morgen.



  • - Forstetzung -

    Bitte schreiben Sie doch einmal, welche Kraftwerke Sie errichten wollen, um MEHR Züge anzutreiben (wenn tatsächlich nämlich MEHR Menschen auf die Bahn umsteigen würden!
    Ob Sie so denken weiß ich nicht, aber ich sage Ihnen, wie die "Klimaschützer" in ihrer kognitiven Dissonanz vermutlich denken: in Deutschland die "bösen" Kraftwerke abschalten, aber dafür etwa aus Frankreich Atomstrom und aus Polen Kohlestrom importieren!!

  • @ Jürgen Flauger

    Das einzig Vernünftige an Ihrem Kommentar ist das de facto UNTER VORBEHALT ausgesprochene "aber vernünftig."
    Das mag ich eben nicht an den meisten Journalisten hierzulande: die WINDELWEICHEN Formulierungen (vermutlich, um den "Klimaschützern" nicht allzu heftig auf die Füße zu treten; das könnte ja dann evtl. zu einem "Shitstorm" führen).
    Die noch mildeste hier angebrachte - ideologiefreie - Formulierung wäre dagegen: eine Nicht-Inbetriebnahme von Datteln 4 wäre bar jeder Vernunft und komplett irre.
    Warum das so ist, habe ich gestern hier geschrieben:

    "Die wirtschaftszerstörerischen "Klimaschützer" wollen doch, wenn ich richtig liege, deutlich mehr Menschen vom Auto zum Umstieg auf die Bahn bewegen. Ich verfolge deren Ergüsse nicht mehr regelmäßig, weil ich auf meine eigene Gesundheit achte, aber die wollen glaube ich ja auch die Bahntickets quersubventionieren.
    Dummerweise benötigt die Bahn zum Fahren entweder Strom oder Diesel (= gaaaanz böse!).
    Und ich habe bis jetzt noch keinen ICE gesehen, der mit Windmühlen oder Solarpaneelen auf dem Dach angetrieben wird. Und Datteln 4 soll nun einmal Strom vor allem für das Bahnnetz produzieren.
    Kognitive Dissonanz der Grünen: leistungsfähiges Stromnetz der Bahn zerstören und Diesel dämonisieren, aber gleichzeitig mehr Menschen zum Bahnfahren "bewegen" wollen. ;-)
    Was müsste man also IDEOLOGIEFREI in Deutschland tun, um einmal Infrastruktur / flächendeckende Ladestationen für E-Mobilität möglich zu machen und der Bahn gleichzeitig ein leistungsfähiges Stromnetz zur Verfügung zu stellen??
    Einmal die Bagger rausholen und wieder das abbauen, was es in Deutschland genug gibt, nämlich Steinkohle, und gleichzeitig ein paar neue AKW´s errichten - und das für die Züge der Bahn ziemlich zügig..."
    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/kohleausstieg-pannenkraftwerk-datteln-4-soll-doch-noch-ans-netz-gehen/25218166.html