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Kommentar Die Jahresanfangsrally ist schon beendet – und der Negativtrend wird anhalten

Der Dax geht nach einem guten Jahresstart wieder auf Tauchstation. Das ist verständlich, denn die Risiken an den Märkten sind nicht kleiner geworden.
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Die Investoren werden wieder skeptischer. Quelle: Colourbox.com
Bär und Bulle

Die Investoren werden wieder skeptischer.

(Foto: Colourbox.com)

What goes down, must come up. Nach dieser umgekehrten Börsenregel haben Anleger im Januar wieder viel Geld in die Aktienmärkte gesteckt. Nach dem fast 14-prozentigen Einbruch in den letzten drei Monaten des Jahres 2018 ist der Dax bis zum Donnerstag um 7,7 Prozent gestiegen. Einen so guten Jahresstart gab es seit vier Jahren nicht. Doch jetzt kippt die Stimmung wieder – und das ist auch richtig so.

Mit 2,7 Prozent hat der Dax am Donnerstag den größten Tagesverlust seit Anfang Dezember hingelegt. Am Freitag fällt er weiter und rutscht sogar unter die Marke von 11.000 Punkten. Zu erklären ist das mit einem kleinen Rückblick. Viel von der Jahresanfangsrally war schlicht dem schwachen Jahresende geschuldet. „Temporäre Gegenbewegung“ heißt das an der Börse.

Beflügelt wurde sie zudem durch – inzwischen wieder gedämpfte – Hoffnungen auf ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China und vor allem durch den Schwenk der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angedeutet, dass sie die Zinsen in diesem Jahr womöglich doch noch nicht anheben wird. Und die US-Notenbank (Fed) hat eine Pause im Zinserhöhungszyklus signalisiert.

Das stützte die Börsen. Viele Anleger hatten befürchtet, dass gerade die Fed zu weit vorprescht und angesichts der sich eintrübenden Konjunktur die Leitzinsen zu stark anhebt. Gleichzeitig hatten sich die Anleger gesorgt, dass die Fed ihre Bilanz zu stark verkleinert und den Märkten zu viel Geld entzieht.

Damit sich die Jahresanfangsrally jetzt fortsetzt, bräuchte es gute Nachrichten von Seiten der Konjunktur und der Unternehmen. Beides ist jedoch in der Breite nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die EU-Kommission hat gerade erst ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum auf 1,3 Prozent gesenkt. Im Herbst hatte sie noch ein Plus von 1,9 Prozent vorhergesagt. Auch Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex haben sich deutlich eingetrübt.

Das zeigt sich auch in der laufenden Bilanzsaison. Unternehmen wie Continental oder Henkel aus dem Dax, der Anlagenbauer Gea Group aus dem MDax und der Autozulieferers Leoni aus dem SDax haben Anleger bereits auf ein schwächeres Jahr eingestimmt. Die Folge waren teils zweistellige Kursverluste.

Auch die Analysten bei Banken haben ihre Gewinnschätzungen für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Vor drei Monaten rechneten sie für die Unternehmen im breiten Europa-Index Stoxx 600 noch mit einem Gewinnwachstum von 9,7 Prozent je Aktie. Jetzt sind es nur noch 7,6 Prozent. Im Dax erwarten die Banken im Schnitt zwar noch Gewinnsteigerungen von im Schnitt zehn Prozent. Aber auch hier waren die Analysten vor drei Monaten noch sehr viel optimistischer.

Das ändert die Bewertungen. Die auf der einen Seite gestiegenen Kurse und auf der anderen Seite sinkenden Gewinnerwartungen haben dazu geführt, dass die Aktienmärkte wieder deutlich teurer geworden sind. Der Dax wird inzwischen wieder mit dem 12,2-fachen seiner für das laufende Jahr erwarteten Gewinne bewertet und ist damit nicht mehr so günstig wie noch vor Monaten. Beim Stoxx 600 ist es ähnlich.

Gewinnerwartungen dürften noch weiter sinken

Gefährlich ist, dass die Gewinnerwartungen noch weiter sinken dürften. Denn die Konsensschätzungen der Analysten hinken der Realität oft hinterher, weil sie von den Erwartungen an die einzelnen Unternehmen ausgehen. Dafür warten die Analysten oft die ersten Indikationen der Unternehmen ab. Bis die Banken dann entsprechend ihre Prognosen ändern, dauert es.

Schneller geht es mit der Anpassung der Gewinnprognosen, wenn Aktienstrategen von der gesamtwirtschaftlichen Lage her schätzen, wie sich die Gewinne der Unternehmen entwickeln werden. Ausgehend von dieser Methode rechnet zum Beispiel Goldman Sachs für die Unternehmen im Stoxx 600 mit einer Gewinnsteigerung von im Schnitt nur vier Prozent. Die Bank of America Merrill Lynch fürchtet sogar eine Nullrunde bei den Gewinnsteigerungen.

Der gute Januar ist deshalb kein Zeichen für ein gutes Aktienjahr. Die Risiken an den Märkten sind nicht kleiner geworden, und Anleger sollten sich nicht von der Zwischenerholung blenden lassen.

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