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Kommentar Die Konstruktion bei Thyssen-Krupp ist fehlerhaft

Der Fall Thyssen-Krupp zeigt deutlich: Die Börse und gemeinnützige Stiftungen passen nicht zusammen. Die Interessenkonflikte sind schlichtweg zu groß.
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Der Konzern aus Essen steht vor alten Problemen. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Der Konzern aus Essen steht vor alten Problemen.

(Foto: dpa)

Stiftungsunternehmen gibt es in Deutschland zuhauf. Bosch, ZF Friedrichshafen und Carl Zeiss sind leuchtende Beispiele für den positiven Einfluss, den eine philanthropische Stiftung auf die Stabilität eines seit vielen Jahrzehnten existierenden Unternehmens haben kann. Das Gegenbeispiel dafür gibt derzeit Thyssen-Krupp ab: Schon lange darbt der Ruhrkonzern unter der Schuldenlast, die milliardenschwere Fehlinvestitionen in Nord- und Südamerika in die Bilanz gerissen haben.

Der Punkt, an dem es nicht mehr weitergehen kann wie bisher, ist schon lange erreicht. Dass sich Thyssen-Krupp zumindest in Teilen von seinem profitabelsten Geschäft, den Aufzügen, wird trennen müssen, gilt deshalb als ausgemacht. Unklar ist aber, was dann mit dem Rest des Unternehmens passiert: Können die anderen Sparten – also Stahl, Anlagen- und Marineschiffbau, Werkstoffhandel und Komponentenfertigung – auch ohne die regelmäßigen Zuwendungen von Elevator überleben? Daran gibt es Zweifel, sowohl im Management des Ruhrkonzerns als auch in Finanzkreisen.

Der neue Vorstand hat deshalb nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder wird die Aufzugssparte komplett verkauft, mit wohl desaströsen Folgen für den Rest des Konzerns. Oder die Ertragsperle wird nur teilweise veräußert. Das hätte den Vorteil, dass Thyssen-Krupp weiter von den stabilen Erträgen profitiert, die die Sparte jedes Jahr liefert. Aber auch den Nachteil, dass derzeit höchst ungewiss ist, ob es künftigen Managergenerationen gelingt, den Konzern nachhaltig zu stabilisieren.

Denn die Probleme, vor denen Thyssen-Krupp steht, sind alt. Viel Geld müsste investiert werden, um die notleidenden Geschäfte wieder auf solide Beine zu stellen. Allein die Stahlsparte dürfte in den kommenden Jahrzehnten Milliardeninvestitionen verschlingen, um ihre Produktionsprozesse im Einklang mit den EU-Klimazielen von Kohle auf CO2-freien Wasserstoff umzustellen. Das sichert Arbeitsplätze. Doch ob das am Ende auch für die Eigentümer die rentabelste Verwertung ihres Geldes ist, das ist zumindest fraglich.

Dass mit dem schwedischen Investmentfonds Cevian der zweitgrößte Aktionär deshalb auf einen Komplettverkauf und die Zahlung einer Sonderdividende drängt, ist nur verständlich. Warum sollte man auch gutes Geld ohne Not schlechtem hinterherwerfen? Und selbst die gemeinnützige Krupp-Stiftung scheint einem Komplettverkauf nicht mehr abgeneigt – immerhin hat sie den plötzlichen Rauswurf Kerkhoffs, der sich zuletzt mit aller Macht gegen einen solchen Schritt gestemmt hatte, mitgetragen und am Ende sogar aktiv gefördert.

Stiftung fehlt die Macht

Doch hier offenbart sich der Konstruktionsfehler, der dem letzten Firmenerben und Stifter, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, bei der Abfassung seines Testaments unterlaufen ist. Denn anders als etwa bei Bosch oder ZF handelt es sich bei Thyssen-Krupp inzwischen um ein börsennotiertes Unternehmen, an dem auch andere maßgebliche Akteure aus dem Kapitalmarkt beteiligt sind.

Das war bei der Gründung der Stiftung noch nicht der Fall. Damals, 1967, war sie noch zu 100 Prozent an der damaligen Friedrich Krupp AG beteiligt. Doch durch Fusionen und Kapitalerhöhungen wurde der Anteil der Stiftung stetig verwässert – und ist nunmehr auf rund 21 Prozent gesunken. Das ist bei Bosch, ZF und Carl Zeiss anders gelaufen: Hier halten die jeweiligen Stiftungen nach wie vor alle Anteile – und damit auch alle Fäden in der Hand.

Bei Thyssen-Krupp hingegen sind aus dem Machtverlust der Stiftung längst die erwartbaren Interessenkonflikte entstanden. Denn wenn ein Investmentfonds seine Arbeit richtig macht, hat er am Ende seinen Einsatz vervielfacht. Wenn hingegen eine gemeinnützige Unternehmensstiftung ihre Arbeit richtig macht, kann das langfristig zwar auch der Fall sein. Im Zweifel aber muss für die Stiftung die Rentabilität ihrer Beteiligung zurückstehen, wenn es darum geht, mit Investitionen die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu bewahren.

Das gilt auch für die Krupp-Stiftung. Doch wirkt es hier zunehmend so, als habe die Stiftungsvorsitzende Ursula Gather ihren Auftrag vergessen. Statt auf dem Höhepunkt des Machtkampfs klar Position gegen einen Komplettverkauf und die Zahlung einer Sonderdividende zu beziehen, schweigt die Villa Hügel. So war es auch schon im vergangenen Jahr, als Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Chefkontrolleur Ulrich Lehner auf Druck von Cevian plötzlich ihre Posten geräumt hatten.

Für die 160.000 Beschäftigten von Thyssen-Krupp bedeutet das ein großes Risiko. Denn setzt sich der Fonds mit seinen Forderungen durch, sieht der Ruhrkonzern seinem Ende entgegen. Übrig bleiben dürfte dann allein das Aufzugsgeschäft, wenngleich unter einem neuen Besitzer und wohl einem anderen Namen. Und eine Stiftung, die ihren Zweck verloren haben wird. So hatte sich Alfried Krupp von Bohlen und Halbach das sicher nicht vorgestellt.

Mehr: Neustart mit alter Strategie – Thyssen-Krupp soll mit einem neuen Plan wieder flott gemacht werden. Für die Ausarbeitung fehlt aber die Zeit.

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