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Kommentar Die Kooperation von VW und Ford ist Chance und Herausforderung zugleich

VW und Ford folgen mit ihrer Kooperation einem Trend. Das bringt den Partnern viele Vorteile. Doch nicht wenige Unternehmen scheitern daran.
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VW und Ford streben eine Kooperation an und wollen gemeinsam Transporter und Pick-ups verkaufen. Quelle: dpa
Jim Hackett (l.) und Herbert Diess (r.)

VW und Ford streben eine Kooperation an und wollen gemeinsam Transporter und Pick-ups verkaufen.

(Foto: dpa)

Das Mekka der alten Automobilwelt ist Bühne für die gemeinsame Zukunft von Volkswagen und Ford. Auf der Automesse in Detroit marschierten die Konzernchefs Herbert Diess und Jim Hackett am Dienstag Seite an Seite durch die Hallen und sandten damit eine Botschaft in die Welt: „Seht her, wir werden die Herausforderungen in unserer Branche gemeinsam angehen!“

Erste, wenn auch noch zarte Details ihrer Kooperation gaben sie preis. VW und Ford wollen gemeinsam Transporter und Pick-ups verkaufen, bald soll auch die Zusammenarbeit bei E-Mobilität und autonomem Fahren besiegelt werden.

Zwei traditionelle Rivalen im automobilen Massengeschäft rücken zusammen. Sie sorgen damit nicht nur in der Branche für Aufsehen, sondern belegen einen generellen Trend in der Unternehmenswelt: Kooperationen haben in der modernen Ökonomie einen herausragenden Stellenwert. Getrieben von den großen technologischen Herausforderungen tun sich in vielen Branchen Firmen zusammen.

Es ist ein richtiger Schritt für die Unternehmen, aber zugleich eine gewaltige Herausforderung, an der nicht wenige scheitern. Die Wirtschaft erlebt schon seit einigen Jahren den Schwenk zu einer neuen Ära der Kooperation.

Großkonzerne suchen die Nähe zu Start-ups, Industriefirmen tun sich untereinander und mit den Tech-Giganten aus dem Silicon Valley zusammen. Es entstehen Ökosysteme aus Partnerschaften, die Lebensraum für neue Ideen bilden und den Beteiligten einen Konkurrenzvorsprung sichern sollen.

Die Mehrzahl der Kooperationen von Firmen versandet über die Jahre.

Die Treiber dabei sind klar: Zum einen verschwinden im Zuge der Digitalisierung Branchengrenzen und damit auch bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle. Die Autoindustrie liefert dafür ein viel bemühtes, aber sehr treffendes Beispiel.

Wenn man das Auto der Zukunft als Datenmaschine betrachtet, die autonom fahren soll, dann sind nicht mehr nur traditionelle Autohersteller im Spiel, sondern auch große Technologiefirmen wie Google und Co. Dazu kommt: Der technologische Wandel verläuft in vielen Branchen mit rasender Geschwindigkeit. Unternehmen erkennen, dass ihnen Zeit und Mittel fehlen, um die nötige Expertise für die Transformation selbst aufzubauen.

Sie werden gebremst von überkommenen Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen, mit denen sie nicht genügend Antworten auf die aktuellen Herausforderungen finden. Deswegen schmiegen sie sich an Start-ups, die den Konzernen per exklusiver Partnerschaft bei der Suche nach Innovationen helfen sollen. Den jungen Unternehmen wiederum winkt der Zugang zu den Kunden der Konzerne sowie deren Infrastruktur.

Auch bei Kooperationen großer Unternehmen ist es ein Geben und Nehmen. Weil sie milliardenhohe Investments in Technologien stemmen müssen, suchen sie sich starke Partner, mit denen sie Entwicklungsarbeit und Kosten teilen können – so, wie es jetzt VW und Ford vorhaben.

Die angekündigte Allianz der beiden Autohersteller liefert aber auch einen Hinweis darauf, dass die moderne Netzwerk-Ökonomie zwar auf dem Papier vielversprechend, aber schwierig umzusetzen ist.

VW und Ford haben sich trotz monatelanger Gespräche noch nicht darauf einigen können, wie weit der Partner ins jeweils Allerheiligste vorgelassen wird – bei VW ist dies die Elektromobilitätsplattform, bei Ford die Technologie fürs autonome Fahren. Es ist eine sensible Frage, ob man das exklusive Wissen in einer Partnerschaft wirklich teilen will.

Die Furcht vor dem Abfluss von Know-how ist nur ein Grund dafür, dass viele Kooperationen nicht funktionieren. Die Mehrzahl von ihnen, so zeigen Studien, stirbt leise, versandet über die Jahre, weil es bei gutem Willen und schönen Worten geblieben ist. Schuld daran sind in vielen Fällen kulturelle Unterschiede der Firmen, die gemeinsames Arbeiten auf Vertrauensbasis erschweren oder unmöglich machen.

Dies kommt in Partnerschaften noch mehr zum Tragen als bei Übernahmen, wo letztlich ja immer einer das Sagen hat. Bei Kooperationen hingegen gibt es ständigen Abstimmungsbedarf und Interessenausgleich.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting sieht es als kritischen Punkt, dass es in Firmenpartnerschaften eine klare „Governance“ geben muss, also feste Regeln für die Zusammenarbeit und klare Zuständigkeiten auch in Führungsfragen. Dass dies nicht trivial ist, zeigt die viel gepriesene Allianz der Autobauer Renault und Nissan. Garant des Erfolgs war dort bislang ein einzelner Manager.

Jetzt, wo Carlos Ghosn in Haft sitzt, beklagen die Beteiligten, dass eine Struktur fehlt. Ganz offensichtlich war Ghosn der alleinige Garant für eine langfristige Basis. Ohne Frage: Wir erleben eine Phase der Veränderung, in der viele Unternehmen in allen Branchen ohne Partnerschaften kaum auskommen werden.

Niemand sollte sich aber blenden lassen. Kooperationen sind wackelige Konstrukte, die ständig gepflegt werden müssen. Das ist kein Nebenjob.

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