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Kommentar Die Krisenkanzlerin ist zurück und fährt auf Sicht

Während Macron vom Krieg spricht und Trump orientierungslos agiert, regiert Merkel unaufgeregt das Land. Ob das reicht, um die Krise zu meistern?
17.03.2020 - 16:48 Uhr 4 Kommentare
Die Bundeskanzlerin reagiert in der laufen Krise besonnen. Quelle: REUTERS
Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin reagiert in der laufen Krise besonnen.

(Foto: REUTERS)

Wer zum Jahreswechsel prognostiziert hätte, Angela Merkel stehe ihr größte Bewährungsprobe noch bevor, wäre verspottet worden. Alles drehte sich in Berlin um die Frage, ob die Kanzlerin vorzeitig abdanken solle, damit die Union die nächste Wahl gewinnt. Viele Beobachter waren auch erstaunt, dass sie sich in den letzten Monaten auf vielen politischen Feldern fast vollständig zurückgenommen hatte.

In den ersten Wochen der Coronakrise wirkte Merkel seltsam zögerlich. Sie ließ ihrem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Vortritt bei der Regierungserklärung zur Corona-Krise, während ihre Amtskollegen in Europa wie Sebastian Kurz aus Österreich oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schon längst die Bekämpfung der Pandemie zur Chefsache erklärten.

Später kommunizierte die Kanzlerin auch noch schlecht. Seit sie nicht mehr Parteivorsitzende der CDU ist, hatte man öfter den Eindruck, dass sie bei politischen Fragen in geschlossenen Sitzungen Erklärungen abgab, die dann auf umschlungenen Wegen ihren Weg nach draußen fanden. Pressekonferenzen, die Merkel in ihrer Amtszeit immer ungern zu innenpolitischen Themen abgehalten hat, wurden eh zur Mangelware.

Als die offenbar von ihr intern geäußerte Aussage, 60 bis 70 Prozent der Deutschen könnten sich mit dem Virus infizieren auch in europäischen Ländern Wellen schlug, konnte sie wohl nicht mehr anders und stellte sich der Presse.

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    Seitdem ist die Krisenkanzlerin zurück. So wie es ihre Art ist, weicht sie nicht von den Sprechzetteln ab und verlautbart die Beschlüsse, die sie etwa mit den Regierungschefs der Länder erarbeitet hat.

    Eine Ära voller Krisen

    Merkels Ära war geprägt von vielen unterschiedlichen umwälzenden Ereignissen. Sie wird sich als Krisenkanzlerin in die Geschichtsbücher schreiben. Da gab es Hochwasserkatastrophen, die Finanzkrise rund um die Pleite der Lehman-Bank und im Anschluss gleich die Schuldenkrise, in der Griechenland im Zentrum stand. Später folgte die Flüchtlingskrise, die bis heute nachwirkt und die Bevölkerung umtreibt.

    In all diesen Jahren fand Merkel ihre Botschaft. Während der Griechenlandkrise sagte Merkel: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. Die Deutschen werden auch ihre Garantie nicht vergessen, als sie in der Finanzkrise versprach: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein.“ In der Flüchtlingskrise ist der Satz in Stein gemeißelt: „Wir schaffen das“ genauso wie ihre emotionale Aussage: „Dann ist das nicht mein Land“.

    „Europa ist entschlossen, dieser Krise gemeinsam zu begegnen“

    In der Coronakrise sicherte Merkel den Bürgern zu: „Wir sind gewillt alles zu tun, was notwendig ist“. Das wurde als Anleihe am Spruch des früheren EZB-Präsidenten Draghi gewertet: „Whatever it takes“.

    Merkel hat bislang jede Krise politisch überlebt. Manche haben sie sogar gestärkt. Nach der Rettungsaktion für Griechenland führte sie die Union bei der Bundestagswahl beinahe zur absoluten Mehrheit.

    Bei der Flüchtlingskrise sah das anders aus. Die Union fuhr ihr historisch schlechtestes Ergebnis ein und Merkel bekam mit Ach und Krach ihre dritte Große Koalition hin. Heute, nach zwei Jahren an der Regierung, in der oft Orientierungslosigkeit herrschte, bekommen nun Union und SPD wieder Wind unter die Flügel. Vor allem Finanzminister Olaf Scholz und Gesundheitsminister Spahn profilieren sich in der Ausnahmesituation als Krisenmanager.

    Merkel ordnet täglich die Lage neu ein

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gibt gemeinsam mit Merkel den Takt vor. Sollte Deutschland glimpflich durch die Pandemie kommen, dürfte sich das in positiven Umfragen für die Große Koalition niederschlagen. Wenn es anders läuft, werden Schuldige gesucht. Das ist aber alles noch weit weit weg.

    Merkel hat in fast allen Krisen probiert, die anderen europäischen Mitgliedsstaaten und Hauptstädte einzubinden. Das hat mal gut geklappt wie bei Griechenland. Mal weniger gut wie bei der Verteilung der Flüchtlinge.

    Hier verweigerten sich die Osteuropäer. Wie jetzt die Kooperation läuft, ist noch nicht ausgemacht. Schaut man sich die Grenzschließungen, Exportverbote und sonstigen nationalen Alleingänge auf dem Kontinent an, ist noch Luft nach oben, was das koordinierte Vorgehen in Europa betrifft. Der Nationalstaat feiert in der Coronakrise ein Comeback. In der Zeit nach der Pandemie wird sicherlich darüber gesprochen werden.

    Die Kanzlerin hat sich einen persönlichen Mechanismus in allen Krisen zugelegt und der heißt: „Auf Sicht fahren“. Sie befindet sich nicht wie Frankreichs Präsident im Kriegszustand und agiert auch nicht so orientierungslos wie Donald Trump. Merkel ordnet täglich die Lage neu ein und reagiert darauf mit wuchtigen Entscheidungen. Aber ob selbst das zu wenig ist, weiß heute niemand. Bislang ist es so, dass ihre Regierung nahezu im Tagesrhythmus den Kampf verschärft.

    Wieder geht Merkel Schritt für Schritt voran. Das wird sie auch nicht mehr ändern. Bei all ihren anderen Herausforderungen hatte die Bundeskanzlerin immerhin wenigstens etwas mehr Zeit: Diesmal geht es in ungeahnter Geschwindigkeit voran.

    Mehr: Die aktuellen Entwicklungen zur Coronakrise im Newsblog.

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    4 Kommentare zu "Kommentar: Die Krisenkanzlerin ist zurück und fährt auf Sicht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Aus meiner Sicht löste die Kanzlerin auch Krisen aus, durch verfehlte Energiepolitik oder auch Flüchtlingspolitik. Sie wurde oft sinnvoll kritisiert von vielen Staatsoberhäuptern aus aller Welt - sie ignorierte die Einwände.
      Deutschland geht es heute nicht gut, weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich, die Radikalen an den Rändern erstarken.
      Der aktuelle Aktionismus ist nicht unbedingt der richtige Weg! Doch er wird als alternativlos dargestellt. England geht einen anderen Weg, dort geht man davon aus, dass sich quasi alle infizieren und gegen Ende des Jahres immun sind. Wenn dann der Winter kommt, sind alle gestärkt.
      Ob der englische Weg der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Jedoch sollte man bedenken, dass Menschen ohne Symptome andere bis zu 14 Tage anstecken können. Insofern muss man davon ausgehen, dass sehr viel mehr Menschen infiziert sind, so dass dermaßen massive Eingriffe in die Grundrechte des Menschen wohl nicht gerechtfertigt sind.
      Klar ist aber auch, dass Kranke, Alte und Gefährdete geschützt werden müssen. Ob dann der Kindergarten zu schließen ist?

    • Ob dies der falscheWeg gewesen ist, werden wir wahrscheinlich nie klären können.

    • Wir haben unter Kanzlerin Merkel keine "Regierung" sondern eine "Reagierung" - es ist noch nicht ausgemacht, ob angemessen oder zu spät reagiert wird. "Wer zu spät kommt, den bestraft ... in diesem Fall der Wähler".
      Wir werden 2021 sehen, ob bis dahin genügend "Opium fürs Volk" produziert wurde.

    • ... ich war nie eine CDU Wählerin, bis Angela Merkel unsere Kanzlerin wurde! Ich möchte mich bedanken für Ihre Stärke, Umsicht und die zahlreichen anderen herausragenden Eigenschaften die Frau Merkel zu einem echten Leader mit Herz und Verstand. Es ist ein Amt, dass gerade in Zeiten wie diesen schwer zu tragen ist. Ich bin froh zu wissen, dass Sie Frau Merkel unser Land regieren - Danke !

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