Kommentar Die Krupp-Stiftung hat ihre Lehren aus der Causa Hiesinger gezogen

Die Krupp-Stiftung hat sich zu Thyssen-Krupp positioniert – gut so. Für die weitere Strategie braucht der Konzern einen Konsens zwischen Aktionären und Aufsichtsrat.
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Offenbar hat Ursula Gather verstanden, wofür sie von vielen Seiten harsch kritisiert wurde. Quelle: dpa
Ursula Gather (l-r), der Aufsichtsratsvorsitzende, Ulrich Lehner und der Ex-Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp, Heinrich Hiesinger

Offenbar hat Ursula Gather verstanden, wofür sie von vielen Seiten harsch kritisiert wurde.

(Foto: dpa)

DüsseldorfUnd sie bewegt sich doch: Am Freitag hat sich die Krupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Anteilseigner bei Thyssen-Krupp, nach langem Schweigen demonstrativ hinter den Vorstand und seine Strategie gestellt. „Der amtierende Vorstand genießt unser vollstes Vertrauen“, erklärte Stiftungschefin Ursula Gather nach einer außerordentlichen Sitzung des Kuratoriums. Endlich, möchte man sagen.

Denn bis sich Gather zu dieser Vertrauensbekundung durchrang, brauchte es erst einen heftigen Streit zwischen Aktionären, Aufsichtsrat und Vorstand über die weitere Strategie des Industriekonzerns. Zerschlagung oder gemächlicher Umbau? Dieser Glaubensfrage, an der sich vor allem die Geister der Arbeitnehmer und der Investoren scheiden, fiel am Ende Vorstandschef Heinrich Hiesinger zum Opfer.

Dass sich die Stiftung nun so deutlich hinter Hiesingers Nachfolger Guido Kerkhoff stellt, ist deshalb ein Fingerzeig: Offenbar hat Gather verstanden, wofür sie von vielen Seiten harsch kritisiert wurde. „Sie haben Hiesinger nicht so unterstützt, wie er es verdient hätte“, schrieben Thyssen-Krupp-Mitarbeiter in einem Brief. Am Ende blieb der Stiftung dann nichts anderes mehr übrig, als Bedauern über den Abgang auszudrücken.

Mit dem neuen Vorstandschef Guido Kerkhoff, der ebenfalls am Freitag vom Aufsichtsrat zum Interims-Chef ernannt wurde, soll alles anders werden. Es gelte jetzt, das Joint Venture mit Tata Steel konsequent umzusetzen und die übrigen Geschäftsbereiche des Konzerns zukunftsorientiert weiterzuentwickeln, hieß es von der Stiftung. Das bedeutet für den früheren Finanzchef Kerkhoff, der gemeinsam mit Hiesinger maßgeblich an dem Deal mit Tata beteiligt war: weiter so – erst einmal.

Denn trotz der Ernennung eines Interimschefs bleibt Thyssen-Krupp ein Konzern im Umbruch. Die Beteiligten – darunter Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, die Investmentfonds Cevian und Elliott, die Krupp-Stiftung und die Politik – verfolgen zum Teil immer noch unterschiedliche Ziele. Mehrmals ist der Streit schon eskaliert.

Bei der Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Hiesinger, der neue Wege beschreiten soll, dürften solche Animositäten hinderlich sein. Doch dass sich die Atmosphäre entspannt, kann man derzeit nur hoffen.

So hatte Lehner die Investoren Cevian und Elliott in einem Interview mit der „Zeit“ nach Hiesingers Rücktritt noch am Donnerstag heftig attackiert. „Gekaufte Stimmen auf der Hauptversammlung“, „Unwahrheiten in der Öffentlichkeit“, ja sogar „Psychoterror“ warf er ihnen vor. Dass mit Jens Tischendorf ein Vertreter von Cevian in Lehners Aufsichtsrat sitzt, dürfte die Stimmung dort eher nicht verbessern.

Die Lage bleibt gefährlich: Kann sich der Aufsichtsrat in den kommenden Wochen nicht auf eine gemeinsame Position einigen, dürfte Kerkhoffs Nachfolger in den gleichen Streit geraten, wegen dem Hiesinger zurücktrat. Zerschlagung oder gemächlicher Umbau? Die Glaubensfrage ist trotz der jüngsten Positionierung der Krupp-Stiftung noch nicht beantwortet.

Armin Laschet, der neben seinem Amt als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident auch einen Kuratoriumssitz in der Krupp-Stiftung hält, brachte es am Donnerstag nach einem Gespräch mit den Gewerkschaften auf den Punkt, als er sagte: „Alle Verantwortlichen müssen miteinander reden – sowohl die Krupp-Stiftung als auch die Gewerkschaften, der Vorstand, der Großaktionär Cevian und andere Beteiligte.“

Dahinter steckt die Erkenntnis: Nur gemeinsam können alle Parteien für Stabilität im Unternehmen sorgen. Dazu zählt auch der zweitgrößte Aktionär Cevian. Wenn das gelingt, hatte Hiesingers Abtritt noch etwas Gutes. Wenn nicht, dürfte es schwer werden, überhaupt einen Nachfolger zu finden.

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