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Kommentar Die Länder müssen für die Schulen mehr Mut zeigen – und ihn dort auch zulassen

Nach den Lockerungsschritten fehlt für Eltern, Schüler und Lehrer eine Perspektive für den Unterricht. Das Schulsystem benötigt konkrete Ansagen des Kultusministeriums.
04.05.2020 - 20:32 Uhr Kommentieren
Schulen, Lehrer, Eltern und Kinder hangeln sich von Woche zu Woche und warten auf Ansagen der Politik. Quelle: dpa
Hamburger Schulkind mit Atemmaske

Schulen, Lehrer, Eltern und Kinder hangeln sich von Woche zu Woche und warten auf Ansagen der Politik.

(Foto: dpa)

Diesen Mittwoch bespricht die Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten die nächsten Lockerungsschritte aus dem Corona-Lockdown. Dabei sollen auch endlich Entscheidungen für die Schulen fallen, hat Angela Merkel versprochen.

Das ist überfällig. Die Kultusminister haben schon vergangene Woche einen Plan für Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen vorgelegt – die Regierungschefs hatten aber wohl Besseres zu tun, als sich damit zu beschäftigten. Und selbst wenn sie den Plan nun absegnen, werden Schüler, Eltern und Lehrer noch sehr lange mit Chaos und fehlender Perspektive leben müssen.

Denn das Konzept ist noch sehr vage – und die Erfahrung aus den vergangenen Wochen gibt keinen Anlass zur Hoffnung auf schnelle Besserung. Für die meisten Schüler, vor allem für die jüngeren, wird es fürs Erste beim defizitären „Homeschooling“ bleiben.

Das heißt, die Kluft zwischen Bildungsbürgerkindern und denen, die nicht das Glück haben, zu Hause gefördert zu werden, wird wachsen. Daran ändern auch die 500 Millionen Euro nichts, die der Bund kurzfristig für „Digitales“ zur Verfügung stellt. Denn schon das Geld aus dem Digitalpakt kommt nur in Kleinstbeträgen dort an, wo es fehlt.

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    Und der finanzielle Aspekt ist nur einer unter vielen: Mitte März haben die Länder die Schulen geschlossen. Jetzt, gut sieben Wochen später, gibt es noch immer keine überzeugenden Konzepte für die flächendeckende schrittweise Öffnung. Das schadet den Schülern und nervt viele Eltern.

    Das zentrale Problem sind auch nicht die Unterschiede zwischen den Ländern. Das kennen alle Beteiligten. Das Problem ist neben der fehlenden Perspektive das Durcheinander innerhalb der Länder und der Schulen.

    Grundschullehrer haben Kontakt zu Schülern „verloren“

    Natürlich gibt es viele engagierte Lehrer. Die haben in einem Kraftakt Onlineunterricht organisiert – nachdem sie sich das nötige Know-how selbst beigebracht haben. Und es gibt sogar Schulen wie etwa in Mecklenburg, die mithilfe eines Sponsors jetzt einfach mal anfangen, allen Schülern zweimal pro Woche einen freiwilligen Coronatest anzubieten, um früher unterrichten zu können. Das sind ambitionierte Pioniere, die es auch im Schulwesen gibt.

    Aber: Die wenigen Umfragen und die vielen Einzelberichte zeigen zugleich ein desaströses Durcheinander, massive Defizite, fehlende Verantwortung und Desinteresse. Da gibt es Grundschullehrer, die sagen, sie hätten den Kontakt zu einem nennenswerten Teil der Schüler „verloren“.

    Das ist beängstigend und unverständlich zugleich, denn jeder Lehrer müsste zumindest Telefonnummern der Eltern haben. Da gibt es massenhaft Berichte von Eltern, die aufgefordert werden, Arbeitsblätter in der Schule abzuholen. Mütter, die per Rad Unterlagen an andere Eltern verteilen, weil die Lehrer dazu nicht in der Lage oder nicht willens sind. Das ist gut für die ganz wenigen, die keinen E-Mail-Zugang und keinen Drucker zu Hause haben. Aber es ist keine Entschuldigung, der großen Masse die Unterlagen nicht auch zu mailen.

    Es ist unbestritten, dass viele Schulplattformen nicht oder nicht richtig funktionieren. Doch wenn sich dann genervte Lehrer mit frei zugänglichen Programmen behelfen, werden sie schnell ausgebremst, weil das nicht den Datenschutzregeln entspricht.

    Selbst WhatsApp-Gruppen von Lehrern und Schülern sind oft verboten – findige Pädagogen schicken die Info dann an einen Schüler, der sie privat weiterverbreitet. Das ist absurd.

    Und seien wir ehrlich: Wie in jedem Unternehmen ist natürlich auch unter Lehrern ein Teil der Belegschaft geneigt, die Sondersituation zur Maximierung des privaten Vorteils, etwa der Freizeit, zu nutzen. Anders als in der Wirtschaft drohen ihnen aber kaum negative Konsequenzen.

    Konkrete Perspektiven lassen auf sich warten

    Das ist kein Lehrerbashing, sondern Realität, und es wäre heuchlerisch, drum herumzureden. Denn die Leidtragenden sind Eltern und Schüler, von denen viele im Coronajahr noch weiter zurückfallen werden. Deutschland hat eines der selektivsten Schulwesen der Welt, das wird sich durch das Virus noch verschlimmern.

    Natürlich tragen auch einzelne Eltern zur Komplizierung der Lage bei: Die einen klagen auf Beschulung ihrer Kinder, die anderen versuchen, auf dem Rechtsweg zu erreichen, dass ihre Kinder möglichst lange nicht zurück in die Schule müssen.

    Das Schlimmste aber ist, dass niemand eine konkrete Perspektive hat, weder Eltern noch Schüler, noch Lehrer. Alle hangeln sich von Woche zu Woche und warten auf Ansagen der Politik. Wenn diese kommen, sind sie vage: Man plane vor dem Sommer „zumindest zeitweise Präsenzunterricht“ für alle Schüler, hieß es diese Woche in der Mitteilung eines Kultusministeriums. Oder es werden nebulös Kurse für die versprochen, „die in den vergangenen Wochen weder digital noch analog erreicht wurden“.

    Stattdessen müsste es heißen: Wir planen die konkreten Schritte A, B und C zum Zeitpunkt X, Y und Z. Wir organisieren Samstagsunterricht und nutzen die Sommerferien für Nachhilfe. Und wenn sich die Pandemie doch wieder verschlimmert, steuern wir selbstverständlich um. Doch zu solch konkreten Ansagen fehlt den Ministern offenbar der Mut.

    Mehr: Kultusminister: Kein regulärer Schulbetrieb vor den Sommerferien.

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