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Kommentar Die Leitzinsen in der Türkei werden niedrig bleiben

Die türkische Zentralbank legt den Leitzins für die nächsten Wochen fest. Staatschef Erdogan, der maßgeblichen Einfluss auf die Notenbank hat, will so die verschuldeten Konzerne entlasten.
21.10.2020 - 17:19 Uhr Kommentieren
Die zweistellige Inflation im Land setzt den Kurs der türkischen Währung stark unter Druck. Quelle: Reuters
Lira-Noten in einer Wechselstube in Istanbul

Die zweistellige Inflation im Land setzt den Kurs der türkischen Währung stark unter Druck.

(Foto: Reuters)

Es genügen vier Wörter, um die Strategie der türkischen Zentralbank aus Anlegersicht zu beurteilen: Schön wäre es gewesen! Es geht – natürlich – um die Leitzinsen.

Am morgigen Donnerstag steht die nächste Entscheidung der Geldpolitiker aus Ankara an. Nach einem unerwarteten Anstieg um zwei Prozentpunkte auf 10,25 Prozent vor gut einem Monat rechnet dieses Mal allerdings niemand mit einer weiteren Erhöhung.

Analysten und Anleger werden nicht müde, die Türkei zu einem höheren Leitzins zu ermuntern. Schließlich hat die Lira alleine in diesem Jahr fast ein Drittel an Wert verloren, und die Inflation ist seit Jahren zweistellig. Trotzdem dürften die Leitzinsen niedrig bleiben.

Denn für eine weitere Erhöhung gibt es derzeit kaum einen Anlass. Zum einen dürften eine zweite Covid-19-Infektionswelle und drastischere Gegenmaßnahmen den Inflationsdruck etwas abmildern. Die Zentralbank muss also nicht unbedingt mit hohen Zinsen gegensteuern.

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    Zudem halten sich im letzten Jahresquartal türkische Unternehmen mit Preissteigerungen häufig zurück. Der Grund: Zum Jahreswechsel werden in der Türkei die meisten Tarifverträge neu verhandelt. Hohe Preise würden den Gewerkschaften den Anlass geben, höhere Löhne zu verlangen. Darauf verzichten die Unternehmen lieber.

    Wichtig ist überdies ein Blick in die USA. Denn Schwellenländer wie die Türkei orientieren sich bei ihren geldpolitischen Entscheidungen am dortigen Leitzinsniveau. Dabei gilt: Wenn der US-Arbeitsmarkt schwach läuft – was augenblicklich der Fall ist –, freuen sich die Geldpolitiker in Ankara.

    Denn dann hält die US-Notenbank die eigenen Zinsen zumeist niedrig – und die türkische Zentralbank muss nicht nachziehen. Weil die Regierung unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan weiter auf Konsum setzt, wären höhere Leitzinsen ohnehin kontraproduktiv.

    Politischer Einfluss auf die Notenbank

    Mit einem stabilen Leitzinsniveau will der mächtige Staatschef, der maßgeblichen Einfluss auf die Zentralbank ausübt, wohl auch die verschuldeten Konzerne im Land entlasten. Das klingt zunächst paradox. Denn verliert die Lira weiter an Wert, verteuern sich die Auslandsschulden der Unternehmen.

    Doch immer mehr Firmen verhandeln aktuell mit ihren Kreditgebern über eine Restrukturierung ihrer Darlehen zu günstigeren Konditionen. Droht ansonsten die Zahlungsunfähigkeit, sind viele Banken aus Eigeninteresse zu Zugeständnissen bereit. Je günstiger die Leitzinsen sind, desto besser ist das Umfeld für solche Restrukturierungsverhandlungen.

    Präsident Erdogan wird wissen, auf wen er in geldpolitischen Dingen hören will. Analysten zählen ganz sicher nicht dazu.

    Mehr: Die Notenbanken von Russland und der Türkei haben jahrelang tonnenweise Gold gekauft, um ihre Währungen zu stützen. Der Erfolg dieser Strategie ist gering.

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