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Kommentar Die Libra im Realitätscheck

Die digitale Währung Libra dient vor allem Facebooks Geschäftsinteressen. Einnahmen und Einfluss des Konzerns dürften wachsen. Was ist dran an Facebooks Versprechen?
25.06.2019 - 09:39 Uhr Kommentieren
2020 soll die Facebook-Kryptowährung Libra an den Start gehen. Quelle: Reuters
Libra

2020 soll die Facebook-Kryptowährung Libra an den Start gehen.

(Foto: Reuters)

Die Debatte ist in vollem Gange: Wie soll Libra, die Kryptowährung, die von Facebook maßgeblich entwickelt wird, reguliert werden? Und ist Libra mehr Chance oder mehr Gefahr für das Finanzsystem? Die Fragen lassen sich so einfach nicht beantworten.

Auch, weil viele Details von Facebook und den anderen Unternehmen des Libra-Konsortiums erst noch ausgearbeitet werden müssen. Doch bei der Suche nach Antworten sollte man nicht vergessen, dass Libra vor allem dazu dient, den Einfluss von Facebook weiter auszubauen. Auch wenn die Worte, die das größte soziale Netzwerk in seinem Konzeptpapier gewählt hat, wohlwollend und bisweilen sogar nobel klingen.

Denn ganz so uneigennützig, wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg tut, ist die Sache nicht. Mit den folgenden drei Mythen sollten wir aufräumen.

Erstens: Libra ist dezentral. Richtig ist, dass Facebooks Einfluss auf die Kryptowährung am Ende geringer sein wird, als viele zunächst angenommen haben. Facebook hatte eine führende Rolle bei der Entwicklung der Blockchain-Technologie, auf der Libra basieren wird, und bei der größeren Konzeption der Libra-Stiftung. Auch wird das Unternehmen bis zum Start weiter eine dominante Rolle bei der Ausarbeitung der Details einnehmen.

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    Das verschafft Facebook einen Vorteil. Zum offiziellen Start des Coins wird Facebook indes nur genauso viele Stimmrechte haben wie die übrigen Mitglieder der Stiftung, zu denen unter anderem die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard gehören, der Zahlungsdienstleister Paypal sowie die Fahrdienste Uber und Lyft.

    So will Facebook Kritikern zuvorkommen, die dem Netzwerk vorwerfen, es sei mit seinen 2,4 Milliarden Nutzern schon heute zu einflussreich. Doch es wäre falsch zu glauben, dass die Libra-Blockchain ähnlich dezentral organisiert ist wie die von Bitcoin oder Ethereum, den zwei größten Kryptowährungen.

    75 Prozent der Unternehmen und Organisationen, die bislang der Libra-Stiftung angehören, sind in den USA beheimatet, gut 40 Prozent haben ihre Zentrale in Kalifornien. Alle wichtigen Entscheidungen für die neue Kryptowährung mit globalem Anspruch werden daher vor allem aus der US-Perspektive getroffen.

    Macht Facebooks Kryptowährung „Libra“ bald dem Euro und dem Dollar Konkurrenz?

    Wer sich an der Stiftung beteiligen will, muss zudem zehn Millionen Dollar Eintrittsgebühr bezahlen. Die Eintrittsbarrieren abzubauen sei zwar Ziel der Libra-Stiftung, heißt es in dem vergangene Woche veröffentlichten Konzeptpapier. Doch damit könnte frühestens in fünf Jahren begonnen werden.

    Zweitens: Libra will all jenen helfen, die kein Bankkonto haben. Das Problem ist nicht von der Hand zu weisen: 1,7 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu Bankdienstleistungen, wie aus Zahlen der Weltbank hervorgeht. Also zahlen ausgerechnet die, die ohnehin wenig Einkommen haben, auch noch hohe Gebühren für Überweisungen und dafür, Schecks einzulösen.

    Fluch oder Segen für die Kryptobranche?

    Die Transaktionsgebühren bei Libra sollen verschwindend gering sein. Facebooks Kryptowährung könnte hier also durchaus Abhilfe schaffen. Doch all jenen zu helfen, die in den USA „Unbanked“ genannt werden, ist nicht das primäre Ziel, sondern vielmehr Mittel zum Zweck.

    Denn wer Libra verschicken und empfangen will, braucht eine entsprechende App und würde sich wahrscheinlich auch bei Facebook oder den Töchtern WhatsApp und Instagram registrieren. Facebook, das 2018 knapp 56 Milliarden Dollar Umsatz machte, würde das zu neuen Einnahmequellen verhelfen.

    Wenn der Libra-Token wie geplant gut bei den Nutzern ankommt, rechnet Barclays-Analyst Ross Sandler mit zusätzlichen Umsätzen von 19 Milliarden Dollar bis 2021. Dank Libra könnte Facebook eines Tages auch andere Finanzdienstleistungen wie Kredite und Versicherungen anbieten, glauben Analysten, und somit ein weiteres Wachstumsfeld erschließen.

    Zinsen gibt es bei Libra dagegen nicht. Das Netzwerk will ein separates Investment-Token an die Stiftungsmitglieder und andere professionelle Investoren ausgeben.

    Zinseinnahmen, die die Stiftung erhält, weil das Geld der Nutzer unter anderem in Staatsanleihen angelegt wird, werden lediglich an die Besitzer der Investment-Token verteilt, nachdem alle Kosten für die Stiftung gedeckt sind. Die Unbanked könnten mit Libra daher etwas bessergestellt werden als zuvor, doch ein Bankkonto mit Zinsen gibt es auch bei Facebook nicht.

    Drittens: Libra wird auch bei der Verbreitung anderer Kryptowährungen helfen. Ob Libra am Ende gut für die Kryptobranche ist, muss sich erst noch zeigen. Dafür spricht: Wenn Nutzer gute Erfahrungen mit Libra machen, könnte ihre Hemmschwelle für den Gebrauch anderer digitaler Währungen sinken. Doch der Kryptowelt sollte auch bewusst sein, dass Facebook einige Währungen überflüssig machen könnte. Wer einen Großteil seiner Zahlungen mit Libra abwickelt, wer braucht dann noch andere Kryptowährungen zum Bezahlen?

    Mehr: Bitcoin galt lange als die Vorzeige-Kryptowährung. Sie hat Menschen sowohl arm als auch reich gemacht – drei von ihnen teilen ihre Erfahrungen.

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