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Kommentar Die Lügen-Affäre des „Spiegel“ trifft den gesamten Journalismus

Jahrelang täuschte ein Reporter des Nachrichtenmagazins die Öffentlichkeit. Die „Spiegel“-Redaktion tut das einzig Richtige – und klärt auf.
5 Kommentare
Lügen-Affäre des „Spiegel“ trifft den gesamten Journalismus Quelle: imago/Lars Berg
„Spiegel “-Gebäude in Hamburg

Die Redaktion hat das einzig Richtige getan: Die Lügen des Journalisten aufgeklärt.

(Foto: imago/Lars Berg)

Unter den Werbebotschaften deutscher Firmen hat der „Spiegel“ einen Claim der dümmeren Sorte: „Keine Angst vor der Wahrheit“. Man fürchtet heute eher Fake News, Lügen-PR, Wahlmanipulationen oder Trump, aber doch nicht die Wahrheit. Im Gegenteil. Je mehr sie bedroht wird, umso höher steigt ihr Marktwert.

Manchmal tut Wahrheit aber eben weh. Seit Mittwoch gilt das auch und vor allem für das Hamburger Nachrichtenmagazin selbst, das den größten Betrugsfall seiner eigenen über siebzigjährigen Geschichte offenbaren musste: Über Jahre hat der junge Reporter Claas Relotius in seinen zigfach preisgekrönten Geschichten offenbar getrickst oder komplett gelogen.

Das hat der „Spiegel“ nach intensiven Recherchen nun selbst publik gemacht. Und nicht nur deshalb gibt es keinerlei Grund für Häme, auch wenn sich jetzt einige in ihren „Lügenpresse“-Klischees bestätigt fühlen werden. Die Redaktion tut das einzig Richtige: Sie klärt auf.

„Sagen, was ist“, brachte das einst „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein auf den Punkt. Augstein ging für dieses Ideal 1962 im Kampf mit dem damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß sogar ins Gefängnis. Diese „Spiegel-Affäre“ war für die deutsche Nachkriegs-Demokratie wahrscheinlich wichtiger als manche Wahl.

Und auch die nunmehr zweite große „Spiegel“-Affäre dürfte weit über das Verlagshaus an der Hamburger Ericusspitze hinaus Wellen schlagen. Weil klassische Medien heute ohnehin vielerorts unter Manipulationsverdacht stehen. Und weil sie natürlich Druck ausgesetzt sind – vor allem ökonomischem.

Selbst der geständige Relotius will Druck gespürt haben. Erfolgsdruck. Aber sorry, das dürfte ein Märchen sein wie leider viele seiner Storys, denn gerade „Spiegel“-Kollegen haben Dank komfortabelster Arbeitsbedingungen noch die größten Freiheiten.

Auch die Freiheit, mal ohne Story nach Hause zu kommen. Es wird Zeit, dass wir über die reden, die weit weniger geschützt ihren Job machen. Keine Angst vor der Wahrheit!

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5 Kommentare zu "Kommentar: Die Lügen-Affäre des „Spiegel“ trifft den gesamten Journalismus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Korrektur:
    artificai intelligence als Informationstechnologie, gemeint ist natürlich "artificial intelligence".

  • In einem großen Bericht über China vom Mai diesen Jahres wird artificai intelligence als Informationstechnologie übersetzt. Und nuclear fusion wird als Energitechnik aufgeführt in dieser Liste der 10 wichtigsten Staatsziele.
    Die grünen Parteimitglieder unter den Spiegeljournalisten wollen ihren schutzlosen Lesern nicht allzuviele Schrecken bereiten.
    Andererseits sind natürlich (Klima-)katastrophen immer "good news".
    Wir (Deutschland) werden ernten, was unsere Journalisten gesäht haben.

  • Altes Gesetz des Lebens - "jeder erntet, was er säht".

    Wenn nun eine gesamte Zunft sich darin gefällt, willkürlich zu Diffamieren und manipulativ zu Indoktrinieren (wie bspw. mit gefakten preisgekrönten Reportagen) - dann werden diese Personen wie auch Institutionen eben auch ernten, diffamiert und fremdbestimmt zu werden.

    Aber natürlich haben wir Zeit - derartige Wirkungsspiralen entfalten sich gerne mal erst über die Jahre hinweg

  • Hier wird es sich sehr einfach gemacht mit der Aussage, nicht der Spiegel habe Fake News publiziert sondern es wäre nur der junge Reporter Claas Relotius gewesen.
    Was gedruck wird entscheidet der Spiegel und nicht irgend ein Reporter. Somit ist der Spiegel für die publizierten Fake News verantwortlich und sonst niemand.
    Die Aussage, dass der Spiegel hier selbst tätig geworden ist, ist ebenso falsch. Die Kreise, auch beim Spiegel, die sich über die gefakten Artikel gewundert haben ließ dem Spiegel keine andere Wahl.
    Aufklärung durch den Spiegel über die gefakten Artikel fehlanzeige. Hier müßten alle Artikel aufgelistet werden die falsch waren oder im Verdacht stehen gefälscht zu sein. Nur so kann sich die Öffentlichkeit über das wahre Ausmaß ein Bild machen. Betroffene können prüfen ob sie durch die gefakten Artikel geschädigt wurden und ihr Recht geltend machen.
    Der Spiegel hetzt gerne über andere und spielt den Saubermann und sitzt selber bis zum Hals in der Jauche.
    Der Spiegel strickt wie üblich an einer Legende, dass er selbst der Geschädigte sei.
    Aufklärung Fehlanzeige. Die Vertuschung fängt gerade erst an. Das Wort von der "Lügenpresse" kann jetzt zumindest beim Spiegel niemand widersprechen. Denke aber, dies war nur die Spitze des Eisbergs. Hoffe die ehrliche Presse läßt sich vom Spiegel nicht abspeisen sondern hackt hier bis zur völligen Aufklärung nach.

  • Für Häme gibt es keinen Grund?! Gegenüber dem Journalisten empfinde ich keine Häme.
    Über die Anderen, die ihm einen Preis verliehen haben, werde ich mir über Weihnachten aber schon mal Einen abgrinsen.