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Kommentar Die Luftfahrt bewegt sich auf einen perfekten Sturm zu

Die Luftfahrtbranche bewegt sich auf eine Krise zu, deren Dimension bislang keiner erfasst. Ein wesentlicher Treiber ist die Branche selbst.
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Die Luftfahrtbranche steuert auf große Herausforderungen zu. Quelle: Reuters
Lufthansa-Flugzeuge

Die Luftfahrtbranche steuert auf große Herausforderungen zu.

(Foto: Reuters)

Die Luftfahrtindustrie ist traditionell eine mit starken wirtschaftlichen Ausschlägen. Viele der Faktoren, die die Nachfrage einer Fluggesellschaft beeinflussen, liegen außerhalb der Steuerungsmöglichkeiten des Managements: etwa Epidemien oder geopolitische Krisen. Grundsätzlich ist es deshalb erst einmal nichts Außergewöhnliches, wenn eine Airline ihre Prognose korrigiert.

Wenn allerdings eine etablierte Gesellschaft wie Lufthansa zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate die Investoren mit schlechten Nachrichten überrascht, ist das einen tieferen Blick wert. Der bringt zuerst die Erkenntnis: Es gab kein ungeplantes Ereignis wie etwa einen Terroranschlag, mit dem die überraschende Ad-hoc-Mitteilung von Lufthansa zu begründen wäre. Es scheint vielmehr eine schleichende, aber gleichwohl signifikante Verschlechterung der Geschäfte zu geben.

Das wiederum führt zu einer zweiten Erkenntnis: Die Prognosekorrektur der „Hansa“ ist der Vorbote einer Krise, deren Dimension bislang noch keiner überschaut. Die Luftfahrt – insbesondere die in Europa – bewegt sich auf einen perfekten Sturm zu. Perfekt ist dieser, weil er aus gleich mehreren Quellen gespeist wird.

Ein wesentlicher Treiber der sich ankündigenden Krise ist die Branche selbst. Besser gesagt die Unvernunft, die in der DNA der Industrie mittlerweile eingebaut zu sein scheint. Obwohl alle sehen und vor allem in den Bilanzen spüren, dass immer niedrigere Ticketpreise in den Abgrund führen, machen sie unverdrossen weiter. Nur so ließen sich die Überkapazitäten beseitigen und ließe sich die Konsolidierung vorantreiben, tönt etwa Ryanair-Chef Michael O’Leary.

Was der durchaus erfolgreiche irische Manager und seine Kollegen gern übersehen: Sie machen das Produkt Fliegen damit systematisch kaputt. Immer günstigere Tickets mögen die eine oder andere Airline, deren Existenzberechtigung sowieso infrage steht, aus dem Markt treiben. Aber der Preis, den die gesamte Branche dafür bezahlen wird, ist definitiv zu hoch. Denn der ruinöse Wettbewerb trifft auf zunehmend widrige Rahmenbedingungen.

Treibstoff, nach wie vor der größte Kostenblock einer Fluggesellschaft, hat sich seit Jahresbeginn verteuert. Die sich zuspitzende Lage im Iran hat den Ölpreis weiter steigen lassen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Die Frage ist, ob die Absicherungen beim Treibstoffpreis, die viele Airlines traditionell vornehmen, einen solchen Anstieg berücksichtigt haben.

Hinzu kommt der zweite große Kostenblock: das Personal. Viele Jahre konnte die Branche – vor allem das Billigsegment – auch deshalb so stark wachsen, weil das Personal knappgehalten wurde. Doch diese Zeiten sind vorbei. Auch bei Ryanair haben sich die Mitarbeiter organisiert und setzen sukzessive Tarifverträge durch.

Die Herausforderungen der Flugbranche

Es ist naheliegend, dass die Mitarbeiter in einer schweren Krise ihre Interessen durch eine schlagkräftige Vertretung eher noch stärker durchsetzen werden als bisher. Auch an dieser Front gibt es also keine Entspannung. Das starke Wachstum hat zudem die Infrastruktur am Boden und über den Wolken überfordert. Der Chaos-Sommer 2018 ist allen noch gut in Erinnerung.

Mit viel Energie versucht die Branche nun, eine Wiederholung zu vermeiden. Doch die Maßnahmen kosten Geld, kurz-, aber auch langfristig. Denn klar ist: Flughäfen und Flugsicherungen müssen ertüchtigt und modernisiert werden. Das kostet viel, finanziert üblicherweise über Gebühren, die die Airlines entrichten. Auch hier dürften die Rechnungen künftig höher ausfallen.

Nicht zu vergessen: Der Nachfrageboom hat indirekt auch das Thema Klimaschutz auf die Agenda gebracht. Spätestens seit der Europawahl ist klar, dass auf die Luftfahrt auch hier neue Belastungen zukommen werden – sei es in Form einer Kerosinbesteuerung, einer CO2-Abgabe oder einer europaweiten Ticketabgabe.

Die überraschende Gewinnwarnung von Lufthansa kann durchaus auch als bewusste Mahnung an die Politik interpretiert werden, hier bitte nicht zu übertreiben und die Branche nicht in massive Schwierigkeiten zu bringen. Um in diesem Umfeld überhaupt noch bestehen zu können, brauchen die Fluggesellschaften mehr denn je modernes und effizientes Gerät.

Auch das kostet Geld, sehr viel sogar. Die sich deutlich eintrübenden Aussichten für die Luftfahrt werden aber auch die Geldgeber skeptischer stimmen. Sie werden sehr genau hinschauen, wem sie Geld zu welchen Konditionen für neue Jets geben werden. Im Schnitt werden sich auch die Finanzierungskosten der Branche erhöhen.

Auch wenn vieles davon bekannt sein mag: In Summe wurden die Folgen all dieser Entwicklungen bislang noch nicht richtig bewertet. Doch allmählich scheinen die Investoren zu realisieren, dass da ein perfekter Sturm für die Luftfahrt im Anmarsch ist. Nicht nur die Lufthansa wurde am Montag an den Börsen für ihren „Fehltritt“ bestraft, sondern auch die ganze Branche.

Mehr: Die Lufthansa kämpft: Zu hoher Investitionsbedarf und zu niedrige Rentabilität drücken die Erträge. Das sind die großen Stärken und Schwächen von Europas größter Airline.

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