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Flugzeug nach dem Start

Die Basis vieler bilateraler Abkommen ist die Chicago Convention von 1944.

(Foto: dpa)

Kommentar Die Luftfahrt leidet unter veralteten Regeln

Der Brexit bereitet den Airlines massive Probleme. Das zeigt: Es ist höchste Zeit, die archaischen Regelwerke für die Luftfahrt zu reformieren.
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Für Außenstehende ist es nicht mehr zu verstehen: Einerseits ist die Luftfahrt ein so globales Geschäft wie kaum ein anderes. Andererseits ist es bestimmt durch ein hochkomplexes Regelwerk aus nationalen und bilateralen Vorgaben, die die Branche wie ein Korsett einschnüren.

Der nahende Brexit und die Probleme, die Airlines mit den Folgen des EU-Austritts Großbritanniens haben, führen erneut vor Augen, wie archaisch das gesamte System Luftfahrt ist.

Ein paar Fakten zeigen, was nicht stimmt: Weltweit gibt es sage und schreibe rund 3.500 bilaterale Abkommen für den Luftverkehr. Und: Basis vieler ist die sogenannte Chicago Convention. Die wurde 1944 verabschiedet, um den Verkehr zwischen zwei Staaten zu regulieren. Airlines, die außerhalb ihres Heimatlandes ein Drehkreuz betreiben und von dort zahlreiche andere Länder ansteuern, gab es damals noch nicht.

Die fehlende Modernisierung des Regelwerks erschwert auch die Modernisierung der gesamten Branche. Das zeigte sich jüngst bei Airlinepleiten wie der von Air Berlin. Bei der Verwertung herrschte Hektik, weil wegen der gesetzlichen Vorgaben wichtige Verkehrsrechte verloren gingen. Das provozierte Chaos, wie das Hin und Her um die Air-Berlin-Tochter Niki zeigte. Kartellrecht und Luftfahrtrecht prallten hier brutal aufeinander.

Zudem gilt: Wo Regeln Hürden schaffen, wird versucht, diese zu umgehen, was aber neuen Ärger provoziert. Der Streit zwischen den US-Airlines und den aggressiv wachsenden Golf-Anbietern wie Emirates oder Qatar Airways um Subventionen schien geschlichtet. Doch nun gibt es wieder Stress. Die Fluggesellschaften in den USA beklagen, dass Qatar Absprachen umgeht, weil man über die italienische Beteiligung Air Italy in den USA aktiv ist.

Der jüngste Beleg für ein aus der Zeit gefallenes System ist der Brexit. Dass eine spanische Airline wie Iberia ihre Verkehrsrechte innerhalb der EU verlieren könnte, weil sie zur britisch-spanischen Holding IAG gehört, darf nicht sein. Weltweit schließen sich Firmen zusammen. Warum sollen im Luftverkehr andere Regeln gelten, ausgerechnet in einer Branche, die mehr als andere auf Größenvorteile angewiesen ist?

Es steht zu befürchten, dass sich auch nach dem Brexit wenig an der Situation ändern wird. Wo anfangen, wo aufhören bei der Reform der historisch gewachsenen Komplexität?

Doch vielleicht führt das Chaos des EU-Ausstiegs bei den politisch Verantwortlichen zumindest zu einer Erkenntnis: Die Airlines sind heute weitaus wettbewerbsfähiger als vor 60 oder 70 Jahren. Sie brauchen nicht mehr so viel Schutz und Protektionismus. Das wäre immerhin ein Anfang.

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