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Kommentar Die Lufthansa hat keine Zeit für Tarifgeplänkel

Die Airline-Gruppe wird die Krise nur meistern können, wenn es dem Management und den Arbeitnehmern gelingt, einen großen Solidarpakt zu schließen.
21.09.2020 - 12:57 Uhr 1 Kommentar
Projekt Ocean: Lufthansa hat keine Zeit für Tarifgeplänkel Quelle: dpa
Leitwerk eines Lufthansa-Jets

Der Konzern steckt in der bisher schwersten Krise seiner Geschichte.

(Foto: dpa)

Die Erkenntnis ist nicht neu in der Luftfahrt: Wenn man seine Kosten im Griff behalten will, sollte man alle paar Jahre einen neuen Flugbetrieb starten, um die teuren Tarifverträge in den etablierten Flugbetrieben zu umgehen, die über die Jahre gewachsen sind. Die Lufthansa-Spitze versucht sich gerade erneut darin, diese Strategie umzusetzen.

Gemeint ist das Projekt „Ocean“ – eine Plattform, mit der touristische Verkehre auf der Mittel- und Langstrecke von den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München angeboten werden sollen. Das Management der vor Corona größten Airline-Gruppe in Europa sieht in diesem Vorhaben kein Tarifthema, will es folglich nicht mit den Arbeitnehmervertretern diskutieren.

Auf dem Papier mag das stimmen. Am Ende übernimmt die neue Plattform Verkehre, die es schon bisher gab – nämlich bei Eurowings. Es sollen auch weitgehend die gleichen Flugzeuge und Piloten zum Einsatz kommen – und das zu Bedingungen, wie sie schon bisher existierten.

Das Problem: Mit „Ocean“ provoziert das Management die Tarifpartner, allen voran die Piloten. Und das in einer Zeit, in der das Unternehmen die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg meistern muss. Es ist eine brandgefährliche Provokation, denn es steht fest: Ohne einen großen Solidarpakt mit der Arbeitnehmerseite wird Lufthansa die aktuelle Situation kaum meistern können. Eine andere, immer wieder bestätigte Erkenntnis in der Luftfahrt lautet nämlich: Man kann eine Airline nicht dauerhaft gegen die eigene Mannschaft betreiben – schon gar nicht gegen die eigenen Piloten.

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    Soll die Lufthansa nach der Krise wieder den Platz einnehmen können, den sie vor dem Beginn der Pandemie hatte, gibt es nur eine Möglichkeit: Alle – Management und Mitarbeitervertreter – müssen an einen Tisch, und dort muss der große Wurf gelingen. Lufthansa braucht ein komplett neues Tarifwerk, das die notwendige Flexibilität gibt, die Mitarbeiter dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden.

    Das wird nur gelingen, wenn man sich auf beiden Seiten von den überkommenen Denkmustern verabschiedet. Das Management muss lernen, die Arbeitnehmervertreter als Partner zu sehen und nicht als Gegner, die einen umzingeln und einengen wollen.

    Und die Gewerkschaften – allen voran die des fliegenden Personals – müssen damit aufhören, in jedem neuen Projekt des Unternehmens sofort ein trojanisches Pferd zu vermuten, mit dem alte Vereinbarungen unterlaufen werden sollen. So schwer es auch sein mag: Auch wertvolle Besitzstände wie etwa die Seniorität von Piloten – also die festgelegte Karriereleiter – gehören auf den Prüfstand. Es gilt, die Zukunft des Unternehmens und der Jobs zu sichern und nicht die eigene Macht.

    Mehr: Lufthansa vor einer Radikalkur.

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    1 Kommentar zu "Kommentar : Die Lufthansa hat keine Zeit für Tarifgeplänkel"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Ideale und das Machbare

      Das im Kommentar formulierte Wunschverhalten seitens Mitarbeiter und Unternehmensleitung bei der Lufthansa klingt absolut nachvollziehbar, gleich aber einer Idealvorstellung ähnlich einem mathematischen ökonomischen Modell. Das menschliche Austarieren zwischen Geben und Nehmen ist leider immer subjektiv beladen und kann ggf. mehr Zeit in Anspruch nehmen als man angesichts des Wettbewerbs hat.
      Ähnlich einem trägen Mutterschiff dessen Besatzung und Passagiere aus dem persönlichem Besitz Ballast ‚fair‘ abwerfen soll, kann es für den Kapitän mehr Sinn machen zunächst ein kleineres Beiboot zu Wasser zu lassen, um den richtigen Kurs zu erkunden zumal, wenn man nicht genau einschätzen kann wie gut sich die Konkurrenz schlägt.

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