Kommentar Die Macht der Ratingagenturen schwindet

Die Auswirkungen der Herabstufung von Frankreich und acht weiteren Euro-Ländern dürften sich in Grenzen halten. Wahrscheinlich hat die Macht der gefürchteten Ratingagenturen ihren Höhepunkt bereits überschritten.
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Frank Wiebe
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Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Die Herabstufung von Frankreich durch die Ratingagentur S&P ist für Europa nicht ungefährlich. Gerade haben schwache Länder wie Italien und Spanien wieder etwas mehr Vertrauen bei den Investoren gefunden, da kommt so eine schlechte Nachricht dazwischen. Aber der Effekt dürfte begrenzt bleiben. Wahrscheinlich hat die gefürchtete Macht der Ratingagenturen ihren Höhepunkt schon überschritten.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Denn Märkte und Politiker haben sich daran gewöhnt, sich selbst ein Urteil zu bilden, zumal gerade in der Euro-Krise die Agenturen ja auch unterschiedlich agieren. Außerdem kommt S&P in zweifacher Hinsicht zu spät, und das wird auch an den Märkten so wahrgenommen. Denn es hat sich längst ein Renditeunterschied zwischen Deutschland und Frankreich herausgebildet, der schon zwei verschiedene Bonitätsklassen markiert hat - lange vor der Ratingherabsetzung. Zum zweiten aber machen die Europäer ja gerade zaghafte Fortschritte bei der Bewältigung der Krise, was von den Märkten durchaus honoriert wird. Man hat also nicht den Eindruck, dass S&P den Märkten die Richtung weist, sondern ihnen bestenfalls hinterherläuft.

Was ist nun mit Deutschland? Bisher scheint unser Rating ungefährdet zu sein, aber das muss ja nicht immer so bleiben, wenn sich über immer größere Rettungskonstruktionen das Volumen der Bürgschaften für schwache Euro-Staaten immer weiter erhöht. Die Frage ist allerdings, ob eine Ratingherabstufung für Deutschland viel ändern würde. Schließlich haben die Investoren nur wenig Alternativen. Wer eine möglichst sichere Anlage sucht, der kann nur das wählen, was vergleichsweise am sichersten ist. Daran ändert auch eine Ratingnote nichts. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass die Macht der Agenturen schwindet.

Die Bonitätsprüfer von S&P hatten die Noten für langfristige Anleihen von gleich neun Euroländern herabgesetzt. Frankreich und Österreich verloren ihre Bestnote AAA, wurden um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Auch das Rating für die Bonität Italiens und Spaniens verschlechterte sich. Die Schuldverschreibungen von Portugal rutschten auf Ramschniveau. Betroffen von einer Herabstufung waren auch Malta, die Slowakei und Slowenien. Deutschland behielt hingegen seine Spitzenbewertung.

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104 Kommentare zu "Kommentar: Die Macht der Ratingagenturen schwindet"

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  • Ist hier schon wieder Weihnachten und Langeweile angesagt Herr Wiebe?!;) Beispielweise können Sie bei Amazon von S&P 2012 Analysen der 50 stärksten Unernehmen für 3$ erwerben. Insbesondere die japanische Presse macht dafür Werbung.

  • @rmx9

    Halt zwei alte Männer auf einer Parkbank (auf das Zurechtschminken des einen haben wir verzichtet, um keine Proteste wegen Rassismus zu provozieren), die sich ein wenig austauschen.

    Was die Bücher betrifft, spannend finde ich ja eher, was er 1919 gelesen hat und weniger die Bücher, die er sich dann zurechtgeklaut hat - es sei denn, er hat die Bücher von seinem Thule Mentor geerbt.

    Danke für den Lesetipp!

  • @silikonbrueste

    ist das Silikon schon geplatzt und die Blut-Hirnschranke überwunden? Das wäre eine Erklärung für diese Forderung

  • Das ist politisch gedacht und nicht nur "finanztechnisch" und aus diesem Grund auch realitätsangenäherter als Bertrachtungen der Art, die die Arbeit der amerikanischen Ratingargenturen ausschließlich aus dem Blickwinkel einer neutralen und objektiven Handreichung für Anlageentscheidungen sehen.

    Otte hat schon recht. Es herrscht transatlantischer Währungskrieg und man sollte Strategie und angewandte Taktik von Fall zu Fall genau studieren.

  • Wie ist es moeglich dass die amerikanischen Ratingagenturen noch immer so wichtig sind. Es waren diese Ratingagenturen die durch ihre Bestnote fuer Ramschkredite auf dem amerikanischen Immobilienmarkt die seit fuenf Jahren schwelende Finanzkrise losgetreten haben. Waere das umgekehrt der Fall gewesen und haetten europaeische Institute auf dem europaeischen Markt Investitionen so desastroes bewertet, wuerden bereits Flugzeugtraeger im Mittelmeer kreuzen, um der Forderung Nachdruck zu verleihen diese Institute aus dem Verkehr zu ziehen. Die Tatsache dass sie nach wie vor so viel Einfluss haben kann nur politisch begruendet werden.

    Der schlafende Baer des US Schuldenberges darf unter keinen Umstaenden aus seinem Winterschlaf aufgeweckt werden. Die politischen Aktionen der Ratingagenturen sollen dabei helfen. Europa ist der Prügelknabe fuer die verfehlte Geldmarktpolitik der Fed. Fuenfhundert Millionen Europaeer muessen jetzt den Preis dafuer bezahlen, weil ihre korrupten Politiker einfach blind den Lobbyisten in die neoliberale Globalisationsfalle gefolgt sind. Zauberlehrling Wulff verkoerpert die europaeische Version dieser Politik wie kaum ein anderer. Er hat fleissig von seinem Meister gelernt, und wir alle muessen uns jetzt fuerchten dass wir den Zauber nicht mehr los werden.

  • was zur Zeit abgeht ist ja schon erstaunlich,aber auch nicht überraschend.Denn der Dollar muss ja unbedingt Weltleitwährung bleiben,verliert Er diesen Status wäre Amerika in kurzer Zeiteine weitere Dritte Weltwas die meisten aber vergessen es sind nicht mal die Amerikaner die mit dem Feuer spielen,sondern die Engländer.
    Die die Jahunderte lang marodierend durch die Welt zogen,die City of London hält die Fäden in der Hand.England hat einen Fuß in der Tür von der Eu,spielt aber nach deren eigenen Regeln.Wer von den anderen Mitgliedsländer kann sich das schon leisten?Würde man England aus der Eu rauswerfen,wäre die Hölle los dann wären über kurz oder lang sämtliche Aussenstände an Finanzen fällig.Also stehen Wir in Geiselhaft,ist so wie immer schon gewesen man könnte auch sagen moderner Kolonialismus.
    Für die jetztige Eu müssten neue Reformen her,solche die schnell und wirksam greifen.Ohne das irgendwelchen Ratingagenturen noch zeit bleibt darauf zu reagieren.Gemeinsam könnte man das schaffen wenn man sich dann auch mal mit dem Gedanken spielt, sich mit den Russen wirtschaftlich zu verbünden.Russland wurde in den letzten 20 Jahren immer offener,sicher leigt da noch einiges im argen aber man muss auch bedenken der Westen ist um keinen Deut besser.Amerika ist herunter gewirtschaftet bis zum geht nicht mehr,der Dollar hat nur noch den Wert des Altpapiers.Die Staatsverschuldung ist schon Astronomisch,und imer mehr liebäugeln mit dem Euro als neue Weltleitwährung.Deshalb kommt auch der rundumschlag der Ratingagenturen.
    Die Glaubwürdigkeit ist das eine aber Tatsache ist das es nur ein Versuch ist, Europa in die Knie zu zwingen um den euro zu schwächen.Böse Zungen würden sagen es ist eine Kriegserklärung an das Europa,und Wirtschaft ist Handel und Handel ist eine art Krieg.

  • Sie Träumer: Seit Ratingagenturen um ihre Wirkung wissen dürfte Ihe Einsichtsebene eigentlich als obsolet gelten.
    Da wird auch nichts "herausgequetscht", da sieht man was kommen wird.
    Bedenken Sie bitte: auch bei S&P gibt es so etwas wie riskhandbooks.

    Daß man darin eher aus Langeweile zu blättern scheint macht vieles nicht eben schlüssiger...

  • Ratingagenturen kommentieren nur wirtschaftliche Ent-
    wicklungen, so daß davon ausgegangen werden kann, daß
    das Eurosystem faul ist und nicht die Ratingagenturen.
    Für Uneinsichtige wie die EU-Bankrotteure, die nicht
    erkennen, daß eine Währung die nicht floaten kann und
    deshalb zum Scheitern verurteilt ist, sollte man keine
    Nachsicht haben.
    Um das Letzte aus dem BRD Steuerzahler herauszuquet-
    schen werden die eifrigen Eurofahnenschwenker wahr-
    scheinlich, wenn alle Mittel versagen, zur Eurozwangs-
    anleihe greifen.

  • @hardy rapid
    Ihr seit schon merkwürdige Vögel. Womit sich Leute beschäftigen und ihre Zeit verplempern, kaum zu glauben.
    Versucht es doch mal damit.
    Thimothy W.Ryback, Hitlers Bücher,Seine Bibliothek sein Denken
    Der Typ hat doch tatsächlich 16000 Bücher in seiner privaten Biliothek gehabt. Hat er die auch alle gelesen?

  • Highlights: Lüttwitz auf dem Klo, Adolf Antritt bei Pabst und Noskes tränenreich im Arm von Ebert.

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