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Kommentar Die Mächtigen haben noch nicht begriffen: Entweder wir besiegen das Virus gemeinsam oder gar nicht

Xis Rede und die Desinformationskampagne der von seiner Partei kontrollierten Medien sind Teil einer Doppelstrategie. Sie hat geopolitische und wirtschaftliche Gründe.
26.01.2021 - 16:46 Uhr Kommentieren
Ein Dialyse-Patient erhält den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer in einer Privatklinik in Frankreich. Quelle: dpa
Impfung

Ein Dialyse-Patient erhält den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer in einer Privatklinik in Frankreich.

(Foto: dpa)

Dass der chinesische Präsident Xi Jinping beim virtuellen World Economic Forum unwidersprochen für „gemeinsame Werte“ wie Rechtsstaat, Demokratie und Freiheit werben konnte, ist schon ein starkes Stück. Tritt der starke Mann Chinas doch genau jene Werte mit Füßen, wenn es ihm und seiner kommunistischen Partei in den Kram passt.

Dass Xi aber per Videobotschaft zum „gemeinsamen Kampf gegen die Pandemie“ aufrief und „gegenseitigen Respekt“ einforderte, während seine publizistischen Sprachrohre daheim eine Misstrauenskampagne gegen den von Biontech und Pfizer entwickelten Corona-Impfstoff anzettelten, dürfte selbst jene überraschen, die den Zynismus der Mächtigen in Peking gewohnt sind.

Das Sperrfeuer von Partei- und Staatsmedien gegen das Heilmittel aus dem Westen ist natürlich kein Zufall. Es kommt just zu dem Zeitpunkt, da Biontech zusammen mit dem chinesischen Unternehmen Fosun Pharma seinen Impfstoff zunächst in Hongkong und dann auch auf dem Festland Chinas anbieten will.

Chinesische Medien versuchen nun, geduldet von Xis Führungsriege in Peking, das Vakzin aus dem Westen schlechtzureden, und scheuen dabei auch vor bewussten Falschinformationen nicht zurück. Ziel der Propaganda ist es, dem chinesischen Impfstoffhersteller Sinovac lästige Konkurrenz vom Hals zu halten.

Impfstoff gegen den Nationalismus

Mit anderen Worten: Es geht hier um genau jenen Impfstoff-Nationalismus, den Xi auf der Davos-Plattform brandmarkte. Das Rennen um den Impfstoff ist eben auch ein Rennen um Geschäft, Ansehen und Einfluss. Man braucht kein chinesisches Sprichwort, um die Heuchelei in Xis Rede zu erkennen.

Dies ist durchaus keine Kleinigkeit, die sich als geopolitisches Fingerhakeln abtun ließe. Ohne Vertrauen in die Impfstoffe lässt sich die Pandemie nicht besiegen. Vertrauen aber muss auf Erkenntnissen der Wissenschaft basieren und lässt sich nicht durch Propaganda herstellen.

Xis Rede und die Desinformationskampagne der von seiner Partei kontrollierten Medien sind Teil einer Doppelstrategie, mit der China den Ausbruch der Pandemie in der chinesischen Provinz Wuhan vergessen machen und sich selbst als Pionier im Kampf gegen das Virus darstellen will.

Seht her, wir bieten unseren Impfstoff bereits in 150 Ländern an, prahlte Xi. Noch erreicht das von Sinovac entwickelte Vakzin jedoch die guten Werte von Biontech/Pfizer und Moderna nicht. Auch haben die Chinesen ihre Daten aus der Phase III der Entwicklung noch nicht auf den Tisch gelegt.

Die Welt täte gut daran, den unsinnigen Impfstoff-Nationalismus zu begraben und wirklich gemeinsam gegen die Pandemie zu kämpfen. Sonntagsreden wie die von Xi Jinping beim Weltwirtschaftsforum, zeigen nur, dass die Mächtigen noch nicht begriffen haben, was inzwischen jedes Schulkind weiß: Entweder wir besiegen das Virus gemeinsam oder gar nicht.

Mehr: „China wird sich weiter öffnen“ – Die unglaublichen Versprechen des Herrn Xi

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