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Kommentar Die Märkte misstrauen der Fed – zu Unrecht

Anleger fürchten, dass die US-Notenbank mit ihren Zinserhöhungen die Konjunktur abwürgt. Aber es muss nicht so weit kommen.
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Fed: Warum die Märkte der US-Notenbank zu Unrecht misstrauen  Quelle: dpa
US-Notenbank in Washington

Die Fed muss ihre Geldpolitik flexibler gestalten. Das sind die Investoren nicht mehr gewohnt.

(Foto: dpa)

Es ist schon merkwürdig: Die US-Konjunktur brummt, zugleich werden die Anleger immer nervöser. Die Arbeitslosigkeit in den USA liegt bei 3,7 Prozent – so niedrig wie zuletzt in den 60er-Jahren.

In der Stadt New York ist sie mit vier Prozent so niedrig wie nie zuvor. John Williams, der Chef der New Yorker Niederlassung der US-Notenbank (Fed) und einer der wichtigsten Geldpolitiker der USA, hat noch am Dienstag ein sehr freundliches Bild der US-Wirtschaft gemalt: Es brummt, zugleich ist der Inflationsdruck aber nur verhalten zu spüren. Die Amerikaner sprechen von einer „Goldilocks-Economy“ – in Anlehnung an ein Märchen, in dem ein Brei vorkommt, der nicht zu heiß und nicht zu kalt ist.

An demselben Dienstag ließen die Anleger die Kurse in New York um rund drei Prozent abschmieren, was die Stimmung rund um den Globus erst einmal vermiest hat. Offenbar glauben sie nicht mehr an das Goldilocks-Märchen. Die Frage ist nur: Ist ihnen der Brei zu heiß oder zu kalt? Darauf gibt es zwei verschiedene Antworten.

Nach einer Version hat US-Präsident Donald Trump mit seiner Steuerreform und der daraus folgenden Staatsverschuldung lediglich ein Strohfeuer verursacht, das bald ausgebrannt sein wird. Der Brei ist also am Ende zu kalt. Die Fed aber, so die weitverbreitete Befürchtung, unterschätzt dieses Risiko, erhöht die Zinsen zu schnell weiter und würgt die Konjunktur ab.

Nach der zweiten Version hat Trump die Wirtschaft so sehr angetrieben, dass sie überhitzt – der Brei wird zu heiß. Das treibt die Inflation hoch und zwingt die Fed, gegenzusteuern und die Konjunktur abzuwürgen. In beiden Versionen kommt ein großes Misstrauen zum Ausdruck.

Einmal gegenüber der Politik von Trump, zusätzlich genährt durch den belastenden Handelsstreit, den er angezettelt hat und mit beständig neuen Wendungen und Drehungen immer weiter inszeniert, um damit vor allem sich selbst in Szene zu setzen. Das Misstrauen gegenüber der Fed belastet die Kurse aber noch mehr. Nach Version eins macht sie einen vermeidbaren Fehler und würgt die Konjunktur ab.

Nach Version zwei wird sie dazu gezwungen – was letztlich auf dasselbe hinausläuft. Die gute Nachricht ist: Es muss nicht so kommen. Die Fed hat relativ gute Chancen, große Fehler zu vermeiden. Zu Version eins: Wenn die wirtschaftlichen Kräfte erlahmen, wird die Notenbank entsprechend reagieren und die Zinsen weniger stark erhöhen.

Aber auch wenn die zweite Variante eintrifft und Überhitzung droht, hat sie noch Spielraum. Die Inflation hat in den USA zwar angezogen, der Druck ist aber noch nicht sehr hoch. Die Fed dürfte im Zweifel außerdem für eine Weile Preissteigerungen von etwas mehr als dem angestrebten Ziel von zwei Prozent tolerieren, wenn sie es für richtig hält, die Konjunktur nicht allzu sehr zu bremsen.

In der US-Notenbank ist die Ansicht relativ verbreitet, dass das Ziel eine Weile auch übertroffen werden darf, wenn die Inflation vorher lange Zeit niedriger als erwünscht war. Die Geldpolitiker werden auf die Inflationserwartungen schauen, die sie regelmäßig bei den Verbrauchern abfragen, und erst richtig nervös werden, wenn die steigen sollten.

Die Fed hat also gute Chancen, richtig zu reagieren. Und sie wird von Leuten geführt, die recht pragmatisch sind. Warum als das große Misstrauen? Einmal spielt sicher eine Rolle, dass die Konjunktur schon so lange so gut läuft und die Aktien parallel bis vor Kurzem immer weiter gestiegen sind. Der Gedanke liegt nahe, dass das nicht ewig anhalten kann.

Hinzu kommt aber, dass die Fed die Art ihrer Geldpolitik ändert. Die Anleger sind seit zehn Jahren klare Ansagen gewohnt, wo es langgeht. Zwar haben die Fed-Chefs Ben Bernanke, Janet Yellen und jetzt Jerome Powell immer betont, ihre Entscheidungen seien von den wirtschaftlichen Daten abhängig. Doch zugleich gab es doch übergreifende Trends.

Zuerst hat die Fed alles mobilisiert, um nach der Finanzkrise die angeschlagene Konjunktur zu retten. Danach ist sie energisch darangegangen, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Jetzt ist sie am Ziel: Die Inflation ist da, wo sie hin soll, die Konjunktur läuft, die Arbeitslosigkeit ist niedrig – und das alles bei einer neutralen Geldpolitik.

Damit gibt es keinen großen Trend mehr, aber auch keine Unterstützung, auf die sich Investoren verlassen können. Die Fed wird viel kurzatmiger ihre Geldpolitik immer wieder an die neuesten Daten anpassen. Längerfristige Prognosen wird sie zwar auch künftig veröffentlichen, aber sie wird sich viel weniger festlegen, wo es langgeht.

Die Investoren sind dieses flexible Regime nicht mehr gewohnt. Das verunsichert. Aber eigentlich ist es doch eine gute Voraussetzung dafür, größere Fehler zu vermeiden. Möglicherweise werden die Märkte für längere Zeit dieses Regime widerspiegeln: unberechenbarer, mitunter richtungslos wirken.

Wahrscheinlich werden die Kurse auch ein Ende des Booms, das ja doch mal kommen muss, vorwegnehmen. Aber ein Absturz folgt nicht zwangsläufig.

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