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Kommentar Die Märkte normalisieren sich nach einem Jahrzehnt voller Klagen über anomale Zustände

Inflation, Renditen, Schulden: An den Kapitalmärkten herrscht Verwirrung. Dabei bewegt sich vieles genau in die richtige Richtung. Doch natürlich bleiben Risiken.
20.05.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Die Normalisierung der Aktienmärkte ist in Teilbereichen wahrscheinlich mit Kurseinbrüchen verbunden. Quelle: dpa
Börsenhändler in Frankfurt

Die Normalisierung der Aktienmärkte ist in Teilbereichen wahrscheinlich mit Kurseinbrüchen verbunden.

(Foto: dpa)

Die Inflation steigt: Das löst gerade in Deutschland fast immer Alarm aus. Die Zinsen steigen, genauer gesagt, die Renditen am Anleihemarkt: Das verunsichert die Investoren. Die Regierungen verschulden sich immer höher: Das führt zu heftigen Diskussionen über Schuldenbremsen, solide Finanzpolitik – und über künftig noch höhere Inflation.

Das alles löst Sorgen aus, schafft Verunsicherung. So komplex, wie die Mechanismen auf den Kapitalmärkten sind, verwundert das nicht. Zumal die Corona-Pandemie eine Ausnahmesituation geschaffen hat mit zuerst Panik, dann traumhafter Erholung, gewaltigen Rettungspaketen und einem Aufweichen der Tabulinien zwischen Geld- und Finanzpolitik.

Hier sei trotzdem eine optimistische These gewagt: Alles wird gut. Letztlich erleben wir nur die Normalisierung der Märkte nach einem Jahrzehnt voller Klagen über anomale Zustände.

Die Inflation steigt

Daran haben die großen Notenbanken seit der Finanzkrise mehr oder minder erfolglos gearbeitet. Sie wollen Preissteigerungen von rund zwei Prozent, um etwas Puffer zu haben, bevor die Preise sinken. Und um mehr Spielraum für ihre klassische Zinspolitik zu bekommen. Kritiker haben der Europäischen Zentralbank (EZB) immer wieder ihre unkonventionellen Maßnahmen angekreidet, vor allem die Käufe von Staatsanleihen.

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    Sollte sich eine dauerhaft etwas höhere Inflation etablieren, was im Euro-Raum noch nicht ausgemacht ist, dann wären die Notenbanker glücklich und eher in der Lage, auf Instrumente jenseits der klassischen Zinspolitik zu verzichten.

    Die Renditen steigen

    Die Finanzbranche schimpft seit Jahren über niedrige Zinsen – jetzt ist Abhilfe in Sicht. Ähnliches gilt für die Investoren – vom Kleinsparer bis zum Pensionsfonds. Außerdem schaffen höhere Renditen ein gesünderes Fundament für den gesamten Kapitalmarkt: Wenn es für Zinspapiere keine Zinsen mehr gibt, sind sinnvolle Bewertungen für Aktien kaum noch möglich, die Kurse verlieren den Anker.

    Quelle: Kostas Koufogiorgos für Handelsblatt
    Karikatur
    (Foto: Kostas Koufogiorgos für Handelsblatt)

    Für private Anleger ist, anders als für die Geldhäuser, der Realzins entscheidend, bei dem die Inflation vom Nominalzins abgezogen wird. Aber selbst hier ist vorsichtiger Optimismus angebracht. Denn letztlich ist für den Realzins ausschlaggebend, ob für den Bedarf der Sparer genug rentable Investitionen vorhanden sind – jahrelang war das nicht der Fall. Mit den staatlichen Ausgabeprogrammen, die auch privatwirtschaftliche Investitionen anregen, wird das Problem zumindest gelindert.

    Hinzu kommt: Auch die viel beklagten Produktionsengpässe in einigen Branchen, die zum Anstieg der Inflation beitragen, dürften Investitionen nach sich ziehen.

    Die Staatsschulden steigen

    Aus Schulden werden zumindest zum Teil Investitionen, das ist eine gute Nachricht. Hinzu kommt: Gerade in der Euro-Zone gibt es offensichtlich einen Mangel an als sicher geltenden Staatsanleihen, sogenannten Safe Assets. Die Bundesregierung ist der einzige größere Lieferant.

    Wegen dieses Mangels sind die Kurse der deutschen Staatsanleihen so gestiegen und die Renditen ins Minus gedrückt worden. Mit höheren Schulden, vielleicht unter einer künftig grüner gefärbten Bundesregierung, plus mehr ebenfalls als sicher geltenden Anleihen auf europäischer Ebene wird der Mangel an Safe Assets zwar nicht behoben, aber gelindert.

    So weit, so optimistisch. Heißt das, dass keinerlei Gefahren aus dem Post-Corona-Mix an den Kapitalmärkten drohen? Das zu behaupten wäre kein Optimismus, sondern Dummheit. Risiken gibt es an den Kapitalmärkten immer, es ist ja gerade ihre Funktion, sie aufzunehmen und in die Hände derjenigen Investoren zu verlagern, die sie tragen können.

    Die Normalisierung der Aktienmärkte ist in Teilbereichen wahrscheinlich mit Kurseinbrüchen verbunden. Eine allzu sorglose Geldpolitik könnte, eher in den USA als Europa, der Inflation zu viel Spielraum geben und später zu einer allzu abrupten Bremsaktion führen.

    Großzügige Finanzhilfen auf europäischer Ebene oder das Versprechen, den Klimawandel endlich wirksam zu bekämpfen, könnten zu einer Finanzpolitik führen, die den Überblick verliert. Zu viel Wählerbeglückung birgt zudem die Gefahr, dass zu wenig Geld langfristig sinnvoll investiert wird.

    Nur: Gerade weil so viel über diese Risiken geredet wird, gibt es auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht übersehen werden. Worauf es jetzt ankommt, ist, die richtigen Diskussionen zu führen, statt hektisch auf kurzfristige Veränderungen zu reagieren.

    Wenn die Inflation, wie seit Langem prognostiziert, vor allem wegen vorübergehender Effekte steigt, muss deswegen nicht gleich die Geldpolitik geändert werden. Solange staatliche Hilfen vor allem den Ausfall privater Nachfrage kompensieren, droht keine Inflation. Unterbliebene notwendige Investitionen können die schlimmste Art von Schulden sein.

    Mehr: US-Währungshüter bereiten Boden für Debatte über weniger Konjunkturhilfen

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Märkte normalisieren sich nach einem Jahrzehnt voller Klagen über anomale Zustände"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Toll geschrieben. Trotzdem frage ich mich, warum sie die Inflation nicht mal ein wenig realistischer berechnen?
      Wir wiederholen seit Jahren diese Fantasiezahl und orientieren uns an Ihr. Die Inflation von Immobilienpreisen und Mieten ist massiv. Wer da von keiner oder einer temporären Inflation spricht.... wie soll man diese Person bezeichnen? Zeit für ein open Innovation, big data Inflations-Index.
      Überspitzt gesagt, wird doch aktuell eine Mehrheit enteignet, damit Scheinfirmen entspannt weiter existieren können. Und die Inflation ist kein Problem. Das soll langfristig gut gehen, das Vertrauen in die Wirtschaft oder den Staat stärken?

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