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Kommentar Die Märkte werden immer bizarrer

Neue Gelder fließen in praktisch alle Vermögenswerte. Bei Anlegern führt das zu teilweise absurden Investitionen.
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Bei so gut wie allen Vermögenswerten steigen die Kurse. Quelle: dpa
Bär und Bulle

Bei so gut wie allen Vermögenswerten steigen die Kurse.

(Foto: dpa)

Die Kurse steigen – überall. Aktien und Anleihen scheinen zu Selbstläufern geworden zu sein. Kaum jemand hätte das vor einem halben Jahr für möglich gehalten. Die Wende hat auch etwas mit der Nachfolgeregelung für Mario Draghi als EZB-Chef zu tun. Entscheidend aber war bereits seine Andeutung neuer geldpolitischer Lockerungen am 18. Juni. Tags drauf hatte Fed-Entscheider Jerome Powell ähnlich kommentiert.

Die Notenbanker machen klar, dass die Tiefstzinsen zementiert und neue Gelder zu erwarten sind, es keine Rückkehr zur alten Geldpolitik geben wird. Für Anleger bedeutet es neues Geld, das in praktisch alle Vermögenswerte fließen dürfte.

Diejenigen, die Angst vor einer Rezession haben, kaufen sogar Anleihen mit Minuszins. Nicht nur die lang laufenden Bundesanleihen, auch die Staatstitel aus Frankreich rentieren jetzt negativ. Die spanischen und portugiesischen Bonds rutschen Richtung null. Es ist eine bizarre Welt. Diese Käufer machen sogar noch Gewinne, weil die Kurse steigen.

Ein absurdes Beispiel: Der Kurs der gering verzinsten 100-jährigen Anleihe Österreichs hat binnen einen Jahres mehr als die Hälfte zugelegt. Langfristig sind solche Verwerfungen unhaltbar. Aber darüber denkt niemand nach. Solange die Musik spielt, muss man tanzen, scheinen die Käufer zu denken.

Die Kurse der Aktien steigen aus anderen Gründen. Hier erwarten die Käufer eine Stimulanz durch die Lockerungen. Sie sind außerdem endgültig sicher, dass die Notenbanker jede Konjunkturschwäche und jeden Börsenabschwung abfangen werden. Da kann ihrer Meinung nach gar nichts mehr passieren. Ein Freifahrschein für weitere Kursgewinne sozusagen. Und das nach einer bereits üppigen Halbjahresbilanz an den Börsen: Deutsche Aktien legten 20 Prozent zu, die Wall Street schaffte nach 16 Prozent plus gerade ein neues Hoch.

Noch weiter glauben die Edelmetallkäufer zu denken. Sie profitieren zwar vom weiteren Zinsschwund, der Gold als wertsichere Konkurrenzanlage attraktiver werden lässt. Doch die Fans pochen auch auf den Langfristeffekt der einlaufenden Gelder: höhere Geldentwertung. Da könnte Gold als klassischer Inflationsschutz einen Vorteil ausspielen. Der Preis hat seit Anfang Juni ein Zehntel gewonnen. So teuer war Gold seit sechs Jahren nicht.

Mehr: Investoren flüchten in sichere Anlagen – und zahlen nahezu jeden Preis für deutsche Staatspapiere. Das Ausmaß der Rally überrascht auch Experten.

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