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Kommentar Die Milliardenstrafen in den USA sind ein Denkzettel für die Pharmakonzerne

Johnson & Johnson soll nach einem Medikamentenskandal acht Milliarden Dollar zahlen. Die schlechte Stimmung haben die Pharmakonzerne selbst erzeugt.
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Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Nebenwirkungen des Antipsychotikums Risperdal verschwiegen zu haben, die angeblich zu unerwünschten Brustvergrößerungen bei männlichen Patienten führen. Quelle: Reuters
Gebäude von Johnson & Johnson in Kalifornien

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Nebenwirkungen des Antipsychotikums Risperdal verschwiegen zu haben, die angeblich zu unerwünschten Brustvergrößerungen bei männlichen Patienten führen.

(Foto: Reuters)

Acht Milliarden Dollar. So viel soll der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson bezahlen, weil das Psychopharmakon Risperdal bei einem Jungen angeblich die Brüste wachsen ließ. Die Summe hat eine Gerichtsjury verhängt. Sie wird in der nächsten Instanz sicherlich reduziert. Aber das Urteil zeigt: Das Stimmungsbarometer schlägt in den USA klar gegen die großen Pharmaunternehmen aus. Und das haben sie sich selbst zuzuschreiben.

Die extrem hohen Summen, die die Geschworenen manchmal von Unternehmen verlangen, bestehen größtenteils aus „punitive damages“. Das sind Strafzusatzzahlungen, die auf den eigentlichen Schadensersatz obendrauf kommen. Sie sollen so abschreckend sein, dass Unternehmen ihr Verhalten nicht wiederholen.

Bayer kann davon ein Lied singen. Es ist bei den Glyphosat-Fällen ebenfalls in der ersten Instanz schon zu Millionen- und sogar Milliardenstrafen verurteilt worden. Für Johnson & Johnson ist es bereits das zweite Milliardenurteil innerhalb von zwei Jahren: In Missouri hatte eine Jury 22 Frauen eine Entschädigung von insgesamt 4,7 Milliarden Dollar zugesprochen, weil sie durch Babypuder von J&J Eierstockkrebs bekommen haben sollen.

Ganz offensichtlich sind viele Amerikaner der Meinung, dass Big Pharma einen Denkzettel verdient hat. Und da haben sie nicht ganz unrecht. Vor allem bei dem Umgang mit Opioiden haben gleich mehrere Hersteller gezeigt, dass sie den Profit vor das Wohl der Menschen stellen.

Pharmaunternehmen wie Purdue haben die starken Schmerzmittel aggressiv vermarktet und das Suchtpotenzial bei den Ärzten wider besseres Wissen heruntergespielt. Damit haben sie in den USA eine Drogenepidemie ausgelöst, an der allein im vergangenen Jahr 68.000 Menschen starben.

Es ist diese Profitgier wider besseres Wissen, die Juroren im Hinterkopf haben, wenn sie milliardenschwere Denkzettel verteilen. Bisher haben sich die Unternehmen schließlich kaum abschrecken lassen.

Mehr: Der nächste US-Prozess um die Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters wird vertagt. Die Zeichen zwischen Bayer und den Klägern stehen auf Einigung.

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