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Kommentar Die nächsten Stunden entscheiden über das Schicksal Venezuelas

Im Land mit den größten Ölreserven der Welt brodelt es schon lange. Nachdem sich Oppositionsführer Guaidó zum Übergangspräsidenten erklärt hat, stehen sich Opposition und Regierung im Showdown gegenüber.
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Venezuela: Präsident Nicolás Maduro steht vor dem Aus Quelle: AFP/Getty Images
Guaidó-Anhänger in Caracas

Die Opposition ruft zu Protesten gegen Maduro auf.

(Foto: AFP/Getty Images)

Wie auch immer der Showdown um die Macht zwischen Nicolás Maduro und Juan Guaidó ausgeht - das Ende des chavistischen Regimes unter Führung des aktuellen Machthabers hat begonnen.

Der Coup des jungen und bis vor wenigen Wochen noch völlig unbekannten Jungpolitikers Guaidó, sich zum Interimspräsidenten zu erklären, hat das Regime kalt erwischt, seine Verletzlichkeit gezeigt und eine Dynamik ausgelöst, die Maduro kaum noch kontern oder kontrollieren kann. Zu groß ist die internationale Isolation, zu groß ist die Macht der Straße nach diesem Mittwoch, an dem Hunderttausende im ganzen Land dem Aufruf der Opposition gefolgt sind, gegen Maduro zu demonstrieren. Aber entscheidend wird sein, was die Militärs machen. Stellen sie sich auf die Seite der Opposition, ist der Präsident am Ende.

Vorerst sieht es danach aber nicht aus. Der mächtige Verteidigungsminister Vladimir Padrino verweigerte Guaidó die Anerkennung. Nun hat der linksnationalistische Präsident drei Möglichkeiten: Er kann Guaidó festnehmen lassen und damit einen Bürgerkrieg riskieren. Oder er kann auf die Opposition zugehen und einen geordneten Rückzug mit Neuwahlen verhandeln.

Oder er verlässt das Land – Russland, Türkei, China oder Kuba bieten sich als Exilländer an, zugegeben: Diese letzte ist die am wenigsten wahrscheinlichste Variante. Die kommenden Tage oder Stunden entscheiden über das weitere Schicksal des Ölstaates Venezuela.

Maduro hat immer ausgeschlossen, dass er friedlich von der Macht lässt. Bisher hat der Präsident in seinen sechs Jahren im Miraflores-Palast alle Attacken pariert, zuletzt im Sommer 2017, nach wochenlangen Protesten mit mehr als hundert Toten.

Drei entscheidende Dinge haben sich seitdem geändert. Zum einen hat die Opposition mit Guaidó ein frisches Gesicht und einen Politiker, der die Maduro-Gegner eint und der Bevölkerung Hoffnung gibt. Zum anderen ist der internationale Druck mit Sanktionen und Isolation nochmals deutlich gestiegen. Wichtiger aber noch ist, dass sogar die lange Jahre bedingungslosen Anhänger des Regimes nun die Nase voll haben und auf die Straße gehen.

Aber das vielleicht Entscheidende ist: Die wirtschaftliche und soziale Situation mit Inflation, fehlenden Lebensmitteln und Medikamenten hat zu Krankheiten, Tod und Hoffnungslosigkeit geführt. Die Lage ist so unfassbar dramatisch, dass die Menschen schlichtweg nur noch eines wollen: diese Regierung zum Teufel jagen.

Die Wirtschaft zerfällt schon lange. Zwar ist Venezuela das Land mit den weltweit höchsten nachgewiesenen Ölreserven, der Staatskonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) ist aber nicht in der Lage, diese zu fördern oder neue Felder zu erschließen. In den vergangenen Jahren fiel die Produktion von 3,5 Millionen Barrel pro Tag auf zuletzt etwa 1,0 Millionen Barrel. Dabei ist der Ölexport faktisch die einzige Devisenquelle des Landes. Fällt die ganz aus, fällt auch irgendwann das Regime.

In den vergangenen Wochen haben Russland und die Türkei die Regierung in Venezuela demonstrativ unterstützt und mit Milliardenkrediten und Nahrungsmittelhilfe neues Leben eingehaucht. Aus Moskau kehrte Maduro jüngst mit einer Zusage über frische Investitionen in Höhe von sechs Milliarden Dollar zurück. Das Geld soll vor allem die stetig fallende Förderung des Rohstoffs stoppen.

Nach Jahren der Polarisierung und des wirtschaftlichen und sozialen Niedergangs sitzt der Hass auf beiden Seiten tief, die Menschen sind verzweifelt, die Wirtschaft so sehr am Boden, dass selbst Experten kaum wissen, wie sie nach einem Regierungswechsel wieder in Gang kommen soll.

Juan Guaidó, der vor drei Wochen nur intimen Kennern der venezolanischen Politszene ein Begriff war, hat mit seinem Schritt ungeahnte Dynamik in den zuletzt eingeschlafenen Machtkampf zwischen Regierung und Opposition gebracht und schon mehr erreicht als all seine Vorgänger zusammen. Nun kann er als Messias oder Märtyrer enden.

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