Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die neue Gefahr im Netz sind Fakenews von den Liebsten

Netzwerke kämpfen gegen Fakenews zu Corona. Sie verbreiten sich aber wie das Virus. Die neue Strategie von Facebook offenbart dabei Schwächen.
18.03.2020 - 03:46 Uhr Kommentieren
Facebook will künftig zusammen mit Twitter, Reddit, Googles YouTube und Microsofts LinkedIn gegen Fakenews vorgehen. Quelle: AFP
Soziales Netzwerk

Facebook will künftig zusammen mit Twitter, Reddit, Googles YouTube und Microsofts LinkedIn gegen Fakenews vorgehen.

(Foto: AFP)

Die gute Nachricht zuerst: Die Anbieter sozialer Netzwerke übernehmen in der Coronakrise endlich Verantwortung. Das gilt für den Kurznachrichtendienst Twitter, Googles Videoplattform Youtube und für Facebook. Sie haben verstanden, dass ihre Plattformen nicht zum Schlachtfeld für Informationskriege werden dürfen. Algorithmen haben schädliche Inhalte oft begünstigt. Jetzt manipulieren sie den Nachrichtenfluss im besten Sinne.

Informationen von Gesundheitsorganisationen werden von den Internetunternehmen in Umlauf gebracht. Fragwürdige Inhalte werden gebremst, manche Falschinformationen gelöscht. Dabei helfen unabhängige Faktenprüfer und Hinweise von Gesundheitsorganisationen. Das Ideal einer informierten Weltgemeinschaft rückt damit näher. Geprüfte Nachrichten bekommen einen algorithmischen Vorsprung im Netz – und das in einem historischen Moment.

Wohl nie zuvor waren die digitalen Medien so bedeutend wie jetzt. Einerseits, weil Information im Kampf gegen das neuartige Coronavirus so wichtig ist. Andererseits, weil soziale Netzwerke helfen können, die Isolation auszuhalten. Viele Menschen suchen derzeit Rat und Halt im Netz. Und die Netzwerke müssen im eigenen Interesse dafür sorgen, dass sie beides auch finden. Sie wollen sich dabei künftig auch gegenseitig helfen.

Zwar bekommen Politiker kein Redeverbot, wenn sie Corona einen Schwindel nennen. Aber der Glaubenssatz von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg könnte aufgehen: Menschen erkennen, wenn etwa US-Präsident Donald Trump Unsinn erzählt und können sich eine Meinung bilden. Denn Menschen erleben nun täglich selbst, dass nicht er, sondern die Wissenschaft mit ihren Einschätzungen richtig lag – anders als bei der Klimadebatte.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Sache auf Englisch besser funktioniert als auf anderen Sprachen. Medien berichten etwa über verbreitete Corona-Gerüchte auf Facebook in Rumänien. Und wenn deutsche Nutzer bei der Suchanfrage „Corona“ von Facebook auf die englischsprachige Seite der US-Gesundheitsbehörde verwiesen werden, wirft das die Frage auf, wie erfolgreich und ernstgemeint der Informationsversuch wirklich ist.

    Damit zur schlechten Nachricht: Trotz des Engagements der Plattformbetreiber verbreiten sich im Verborgenen weiter Fakenews. Ob in kleineren Ländern oder in kleineren Kreisen. Sie kommen oft daher als Tipps von Bekannten, über WhatsApp-Nachrichten, Nachrichten im Facebook-Messenger und über die Gruppen auf Facebook. Damit stellt Corona insbesondere die neue Strategie des Facebook-Konzerns auf die Probe und offenbart ihre Schwächen.

    Private Foren entpuppen sich als Problem

    Erst im vergangenen Jahr hat Facebook seine Gruppen stark beworben. Gemeint sind kleinere Räume, in denen sich Menschen etwa über Haustiere und Hobbys austauschen. Die Kommunikation auf Facebook soll privater werden. Und genau das entpuppt sich nun als Problem.

    Zwar empfiehlt Facebook Corona-Gruppen nicht aktiv weiter. Und es schränkt die Verbreitung von Gruppen ein, in denen wiederholt Falschnachrichten ausgetauscht werden. Aber die Räume bleiben und sind Brutkästen für Falschinformationen: In Foren, in denen sich Gleichgesinnte gegenseitig bestätigen wollen, fallen Mitglieder schneller auf Gerüchte rein.

    Gleichzeitig sind diese für Journalisten kaum zu entdecken. Was über Corona alles an Unsinn und gefährlichen Fakenews erzählt wurde, werden wir vielleicht nie erfahren.

    Ähnliches gilt für Kettenbriefe über die Nachrichtendienste Messenger und das verschlüsselte WhatsApp. Menschen vertrauen Freunden und Verwandten, aber auch die verbreiten Fehlinformationen weiter. Das zeigen zahlreiche Texte und Sprachnachrichten, die nun kursieren – von irreführenden Selbsttests, über Ladenschließungen bis zu Horror-Zuständen am Hamburger Uniklinikum. All das stimmt nicht.

    Gewissermaßen verbreiten sich die Fakenews wie das Virus unter denen, die sich am nächsten sind. Was Facebook dagegen bisher unternimmt, hilft nicht. Beispielsweise können Nutzer WhatsApp-Nachrichten nur an fünf Personen oder Gruppen gleichzeitig weiterleiten. Nacheinander geht aber mehr. Auch klärt Facebook auf, wie man Falschnachrichten erkennt, allerdings bloß irgendwo auf einer Facebookseite, der nur 0,37 Prozent der Nutzer folgen. Das ist viel zu wenig.

    Natürlich offenbart sich ein Dilemma. Menschen wollen privat kommunizieren und nicht überwacht werden. Facebook soll und darf nicht prüfen, ob innerhalb von Familien Unsinn erzählt wird und Tanten oder Onkel als Lügner darstellen.

    Aber heutzutage geraten private Nachrichten und Massenkommunikation durcheinander. Eine Gruppe mit bis zu 256 Personen ist kein privater Raum mehr und ein Kettenbrief ist nicht privat. Zu keiner Zeit in der Weltgeschichte hätte eine einzelne Person ein Gerücht so schnell verbreiten können. Da muss nachgebessert werden.

    Facebook könnte die Warnung gleich an jeden Kettenbrief anheften und ihre Verbreitung wirklich limitieren – das ginge auch ohne Einblick in die konkreten Inhalte. Sonst können im schlimmsten Fall schon bei Corona Panik und Plünderungen die Folge sein.

    Mehr: Wie der Facebook-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei den Nutzern Vertrauen zurückzugewinnen will.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Die neue Gefahr im Netz sind Fakenews von den Liebsten
    0 Kommentare zu "Kommentar: Die neue Gefahr im Netz sind Fakenews von den Liebsten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%