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Kommentar Die neuen Grünen-Wähler könnten schnell wieder weg sein

Die Grünen zeigen sich auf ihrem Parteitag in Bielefeld zielorientiert. Doch ohne Programm abseits der Klimakrise könnte das Umfragehoch schnell vorbei sein.
Update: 17.11.2019 - 18:22 Uhr 1 Kommentar
Vom Grünen-Parteitag in Bielefeld geht ein klares Signal aus: Seht her, wir wollen regieren. Quelle: dpa
Annalena Baerbock und Robert Habeck

Vom Grünen-Parteitag in Bielefeld geht ein klares Signal aus: Seht her, wir wollen regieren.

(Foto: dpa)

Mit der K-Frage haben es die Grünen nicht eilig. Eine Entscheidung über eine mögliche Kanzlerkandidatur stehe jetzt nicht an, so lautet ihr Kommentar dazu auch weiterhin.
Zu Recht. Aus welchem Grund sollten die Grünen ihre gut funktionierende Doppelspitze sprengen? Zumal in einer Situation, in der noch gar nicht klar ist, ob sie die Zustimmung der Wähler bis zu den nächsten Bundestagswahlen halten können. In einer Umfrage sind die Grünen erstmals seit Langem wieder unter 20 Prozent gerutscht.

Der Parteitag am Wochenende war da die passende Gelegenheit, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Mit einem mit Rekordwerten wiedergewählten Spitzenduo, einem Rund-um-Paket zur Stabilisierung des Wohnungsmarkts und klaren Signalen an Wirtschaft und Markt, eher Freund denn Feind zu sein.

20 Jahre nach ihrem Parteitag in Bielefeld, als es in der Frage der Nato-Beteiligung am Kosovokrieg um den ersten Realitätscheck ging, senden die Grünen abermals eine Botschaft aus Bielefeld: Wir wollen regieren. Und das mit einem Realismus, den sie sich früher nur unter großer Quälerei abringen konnten. Wenn die Basis ausscheren wollte, wurde sie von Baerbock und Habeck eingefangen; einzig beim CO2-Preis und bei der Schuldenbremse mussten sie Zugeständnisse machen.

Das Signal sollte stimmen, das Signal einer geeinten, progressiven Partei, die willens und fähig ist, drängende Probleme anzupacken – auch jenseits der Klimakrise. Nicht jeder Satz ihres Programms muss jedem gefallen. Doch eine überzogene, realitätsfremde Politik kann man ihnen nicht mehr vorwerfen. Und: Sie öffnen sich den Themen.

So verstehen sich die Grünen schon jetzt als Regierung im Wartestand, doch Vorsicht: All diejenigen, die für die Grünen bislang nur aus Unzufriedenheit mit anderen Parteien stimmen würden, die können auch schnell wieder weg sein. Jetzt geht es für die Partei darum, Wähler über ihre Kernklientel hinaus von sich und ihren Konzepten wirklich zu überzeugen.

Mehr: Annalena Baerbock fährt bei ihrer Wiederwahl ein Rekordergebnis ein. Das zeigt: Sie ist mehr als nur „die Frau an Roberts Seite“.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Die neuen Grünen-Wähler könnten schnell wieder weg sein"

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  • Es sei an die Aussage von Jürgen Trittin, dem damaligen Vorsitzenden der Grünen im Jahre 2004 erinnert. Er versprach uns den Weg zur erneuerbaren Energie für eine Kugel Eis! Ich unterstelle ihm keine Täuschungsabsicht aber sehr wohl ungenügenden Realitätssinn. So ist es auch bei der Bundespolitik, speziell bei der Energiepolitik der Grünen heute. Sie gleicht Potemkinschen Dörfern, was sie bedauerlicherweise selbst gar nicht wahrnehmen. In Zeiten des Rausches um Greta und Fridays for Future mag man damit bemerkenswerte Zustimmung bekommen, das wird aber "schnell wieder weg sein" wenn der Rausch ausgeschlafen und uns die Realität eingeholt hat.