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Kommentar Die Neuregelung der Organspende war längst überfällig

Gesundheitsminister Jens Spahn macht sich für eine Widerspruchslösung bei der Organspende stark. Der Bundestag sollte ihm dabei folgen
03.09.2018 - 16:46 Uhr Kommentieren
Bei der Entscheidung, Organspender zu werden müssen verschiedene Fragen abgewogen werden. Spahn hat sich nun klar positioniert. Quelle: dpa
Ein ethisches Dilemma

Bei der Entscheidung, Organspender zu werden müssen verschiedene Fragen abgewogen werden. Spahn hat sich nun klar positioniert.

(Foto: dpa)

Mehr als 10. 000 Schwerkranke stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt ein Patient, der mit einem passenden Organ hätte weiterleben können. Zugleich ist die Spendebereitschaft hierzulande so niedrig wie in kaum einem anderen europäischen Land.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat daraus den richtigen Schluss gezogen, dass sich dringend etwas ändern muss bei der Organspende. Geht es nach ihm, werden die Deutschen künftig explizit widersprechen müssen, wenn sie nach ihrem Tod nicht spenden wollen. Wie bei allen Gewissensfragen stellt sich auch bei der Organspende ein ethisches Dilemma.

Auf der einen Seite stehen vor allem das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper, aber auch religiöse Überzeugungen. Auf der anderen Seite geht es um die Verantwortung, vom Tode bedrohten Menschen zu helfen. Eine Hilfe, auf die wohl jeder hoffen würde, wenn er selbst auf ein Spenderorgan angewiesen wäre.

Spahn sagte der „Bild“-Zeitung, er sei lange „hin und her gerissen“ gewesen, bis er sich zu der Unterstützung für die Widerspruchslösung durchgerungen habe. Bisher sind Organentnahmen in Deutschland nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt. Doch die vom Minister gewünschten Änderungen sind maßvoll. Es wird keine „Pflicht“ zur Organspende geben, wie die „Bild“ ihr Interview mit Spahn übertitelte.

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    Zwar sollen alle Bürger automatisch als Spender registriert werden, jeder kann zu Lebzeiten aber widersprechen. Anders als bei der Zustimmungslösung ist der Anreiz für die Menschen damit viel größer, sich mit dem wichtigen Thema Organspende auseinanderzusetzen.

    Und nach dem Tod haben die Angehörigen das letzte Wort, ehe es zu einer Organentnahme kommt. Kritiker der Widerspruchslösung wenden ein, dass die Probleme mit mehr Transparenz und besseren Organisationsabläufen in den Kliniken behoben werden könnten. Richtig ist, dass die Spendenbereitschaft der Deutschen durch Skandale um einzelne Transplantationszentren gelitten haben dürfte.

    Genauso richtig ist, dass gerade auch in kleinen Krankenhäusern die Möglichkeiten für die Organspende verbessert werden müssen. Spahn hat dafür in der vergangenen Woche einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Wenn die Zahl der Organspender in Deutschland spürbar steigen soll, dann muss sich die Politik aber auch die Grundsatzfrage stellen.

    Der Gesundheitsminister hat sich klar positioniert. Zuständig für das Gesetzgebungsverfahren bei heiklen ethischen Themen ist der Bundestag. Es ist zu hoffen, dass bei einer Gewissensentscheidung im Parlament eine Mehrheit der Abgeordneten dem Beispiel von Spahn folgt.

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