Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die offenen Fragen für eine Sparkassen-Zentralbank sollten schnell geklärt werden

Sparkassenpräsident Schleweis treibt die Konsolidierung im öffentlichen Finanzsektor voran. Es ist ein riskanter, aber richtiger Schritt.
Kommentieren
Dass eine Fusion von Helaba und Deka, die in Frankfurt nur wenige Minuten voneinander entfernt liegen, betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre, bezweifelt kaum jemand. Quelle: dpa
Sparkasse

Dass eine Fusion von Helaba und Deka, die in Frankfurt nur wenige Minuten voneinander entfernt liegen, betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre, bezweifelt kaum jemand.

(Foto: dpa)

Helmut Schleweis ist ein Überzeugungstäter. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) glaubt, dass es eine Konsolidierung unter den öffentlich-rechtlichen Spitzeninstituten geben muss, um den Sektor zukunftsfähig zu machen. Diese Analyse ist richtig.

Zusammen könnten die Landesbanken und der Fondsanbieter Deka ihre Kosten senken und die immer höheren Aufwendungen für IT und Regulatorik gemeinsam stemmen. Sie könnten sich mehr Auslandsstandorte leisten. Und sie könnten mehr Geld in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle und in neue Technologie investieren.

Dass es in den vergangenen Jahren trotzdem nur in Notsituationen zu Veränderungen kam, ist paradox, aber erklärbar. Ein Grund sind die unterschiedlichen Beteiligungsverhältnisse. Bei manchen der fünf großen öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute geben die Bundesländer den Ton an, bei anderen die Sparkassen.

Auch die Sparkassen in den verschiedenen Regionen verfolgen unterschiedliche Ziele. Das führt häufig dazu, dass jeder für seine Einzelinteressen kämpft – und dabei das große Ganze aus dem Blick verliert.

Das Ausbleiben einer umfassenden Konsolidierung ist aber auch auf fehlenden Mut zurückzuführen. Manche DSGV-Präsidenten scheuten sich in der Vergangenheit, das unpopuläre Thema anzupacken, weil sie niemandem auf die Füße treten und so die eigene Wiederwahl gefährden wollten. Bei Schleweis, der in diesem Sommer seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, ist dies anders. Er geht ins Risiko – und das ist gut so.

Vorentscheidung könnte schon bald fallen

Als ersten Schritt für eine Neuaufstellung des öffentlich-rechtlichen Sektors hat Schleweis nun eine Fusion der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit dem Wertpapierhaus Deka vorgeschlagen. Er stellt damit die entscheidende Frage: Ist der Sparkassensektor bereit zu Veränderungen? Oder behalten die Verhinderer und Bedenkenträger die Oberhand?

Eine Vorentscheidung könnte Anfang Dezember fallen, wenn sich die Kontrollgremien von Deka und Helaba mit dem Thema befassen. Sie sollten den Vorständen beider Institute den Auftrag erteilen, eine Fusion auszuloten. Denn eine „vertiefte Zusammenarbeit“, die laut der offiziellen Sprachregelung lediglich geprüft werden soll, würde keinem der Beteiligten wirklich weiterhelfen.

Spannend wird vor allem sein, wie sich die Sparkassenvertreter aus Baden-Württemberg im Deka-Verwaltungsrat verhalten. Sie hatten sich in der Vergangenheit gegen eine Fusion von Deka und Helaba ausgesprochen, weil sie nicht wollten, dass ein großer Konkurrent für die Stuttgarter LBBW entsteht.

Diese Position sollten die Institute aufgeben. Gerade im aktuellen Umfeld, in dem alle Banken wegen Niedrigzinsen, der Konjunkturabkühlung und des harten Wettbewerbs unter Druck stehen, müssen gruppeninterne Machtspielchen hintangestellt werden. Darüber hinaus misst sich die LBBW jeden Tag mit einer Vielzahl von starken Wettbewerbern – ob einer davon aus der eigenen Gruppe kommt oder nicht, sollte zweitrangig sein.

Dass eine Fusion von Helaba und Deka, die in Frankfurt nur wenige Minuten voneinander entfernt liegen, betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre, bezweifelt kaum jemand. Durch eine Verschmelzung würde zudem ein Nukleus für eine Sparkassenzentralbank geschaffen. Im Idealfall entsteht eine Sogwirkung, die irgendwann auch bei den Eignern der BayernLB und der LBBW zum Umdenken führt. Sie könnten ihre Banken als Ganzes in ein Zentralinstitut einbringen – oder auch nur einzelne Geschäftsbereiche.

Viele offene Fragen und Bedenken

Aktuell ist es aber schwer vorstellbar, wie die Sparkassen kurzfristig genug Geld aufbringen sollen, um die Länder Bayern und Baden-Württemberg aus der BayernLB beziehungsweise aus der LBBW herauszukaufen. Zudem stehen beide Institute aktuell vergleichsweise stabil da. Die Landesregierungen werden deshalb vorerst kein Interesse haben, eine Fusion auf den Weg zu bringen.

Auch sonst gibt es auf dem Weg zu einer Sparkassenzentralbank noch viele offene Fragen und Bedenken, die ernst genommen werden müssen. Einige Sparkassen fürchten etwa, dass in Frankfurt perspektivisch eine Müllhalde entstehen könnte, die künftig alle öffentlich-rechtlichen Problemfälle aufnimmt. Das muss auf jeden Fall verhindert werden.

Stattdessen müssen die wesentlichen Akteure ein schlüssiges Geschäftsmodell entwickeln und mögliche Klumpenrisiken abbauen. Klar sein muss zudem, dass sich ein Zentralinstitut nicht ausschließlich darauf beschränken kann, die Wünsche der Sparkassen zu erfüllen – es muss auch auskömmliche Gewinne erzielen.

Alle Beteiligten sollten sich bemühen, die offenen Fragen zu klären, und sie nicht als Ausrede benutzen, um nichts zu tun und am Status quo festzuhalten. Denn dann wäre es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis das nächste öffentlich-rechtliche Institut Probleme bekommt.

Mehr: Sparkassenpräsident Schleweis kämpft für eine XXL-Bank – Lesen Sie hier seine Erklärungen im Interview

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Die offenen Fragen für eine Sparkassen-Zentralbank sollten schnell geklärt werden

0 Kommentare zu "Kommentar: Die offenen Fragen für eine Sparkassen-Zentralbank sollten schnell geklärt werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.