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Kommentar Die Opec zerlegt sich selbst – das ist eine Chance für die deutsche Wirtschaft

Wegen der Opec-Blockade fürchten viele Analysten kurzfristig steigende Preise. Doch ein Kartell, das sich selbst schwächt, kann Ölimporteuren wie Deutschland nur recht sein.
06.07.2021 - 12:28 Uhr Kommentieren
Die Mitglieder des Ölkartells erhöhen die Ölproduktion deutlich. Quelle: Reuters
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Die Mitglieder des Ölkartells erhöhen die Ölproduktion deutlich.

(Foto: Reuters)

Zürich Für kurze Zeit sah es so aus, also könnte kein anderer Akteur am Ölmarkt die Marktmacht des Opec-Kartells eindämmen. Die 23 Mitgliedstaaten der erweiterten Opec-plus-Allianz zogen – gezeichnet vom Ölpreiscrash im März 2020 – an einem Strang. Und die US-Schieferölindustrie kam trotz der Preisrally nicht zu alter Stärke zurück. Doch nun steht die Wiederaufstieg der Opec infrage – und der Grund ist das Kartell selbst.

Für die deutsche Wirtschaft ist der Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, der die Opec seit fast einer Woche lähmt, eine Chance. Zwar fürchten viele Analysten kurzfristig einen deutlichen Anstieg der Ölpreise, der die Inflation im Euro-Raum weiter anheizt.

Doch der dürfte sich als kurzlebig erweisen. Von einem Kartell, das sich selbst zerlegt und die mühsam erkämpfte Macht über den Ölmarkt aufs Spiel setzt, profitieren mittelfristig besonders Länder, die auf Ölimporte angewiesenen sind.

Ein Blick auf die wichtigsten Streitpunkte, die Abu Dhabi und Riad entzweien, zeigt, wieso die Ölpreisrally auf ihren Höhepunkt zugehen dürfte. Die Saudis wollen die Ölförderung vorsichtig und Schrittweise erhöhen. Außerdem wollen sie die künstliche Verknappung der Ölmärkte bis Ende 2022 fortführen – und dabei monatlich über die Förderquoten entscheiden. Das Ziel dahinter ist klar: Riad will den engen Zugriff auf den Ölmarkt behalten.

Doch Abu Dhabi zieht nicht mehr mit: Die Emirate fordern eine Anpassung der Berechnungsgrundlage für die Förderquoten – ein technokratischer Ausdruck für die Forderung, mehr Öl produzieren zu dürfen. Auch akzeptiert das Land nicht, dass Saudi-Arabien noch eineinhalb Jahre lang die eigene Ölproduktion mitbestimmen darf. Selbst wenn der Streit gelöst wird und die Opec zu einer gemeinsamen Politik zurückkehrt: Die Fliehkräfte sind kaum noch aufzuhalten.

Die hohen Ölpreise dürften auch Opec-Staaten wie den Irak oder Nigeria in Versuchung führen, mehr zu produzieren, als sie eigentlich dürften. Solange die Blockade anhält, wird es der saudische Energieminister schwer haben, die Schummler zur Ordnung zu rufen. Daher spricht viel dafür, dass in den kommenden Monaten mehr Öl als gedacht den Weg auf den Markt findet – und die Preise wieder zu sinken beginnen.

Und noch einen langfristigen Vorteil hat der Opec-Streit: Er führt Europa vor Augen, wie abhängig die hiesige Wirtschaft von einem in sich zerstrittenen Autokraten-Klub ist. Ein weiteres gutes Argument dafür, die Energiewende mit Kraft voranzutreiben.

Mehr: Opec-Streit eskaliert: Verhandlungen abgebrochen – Ölpreise steigen.

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