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Kommentar Die Politik verliert sich im Lockdown-Labyrinth: Dabei gibt es positive Zeichen

Rufe nach strengeren Corona-Maßnahmen werden laut. Schon kommende Woche könnten diese beschlossen werden. Doch die Akzeptanz in der Bevölkerung schwindet. Kein Wunder.
15.01.2021 - 08:30 Uhr 6 Kommentare
Trotz geschlossener Geschäfte: Der Lockdown bringt bislang nicht die erhoffte Wirkung. Quelle: dpa
Lockdown in Berlin

Trotz geschlossener Geschäfte: Der Lockdown bringt bislang nicht die erhoffte Wirkung.

(Foto: dpa)

Verlässliche Daten zum aktuellen Infektionsgeschehen hat das Robert Koch-Institut (RKI) nicht. Behördenchef Lothar Wieler ruft dennoch schon nach härteren Corona-Maßnahmen. Wieler steht mit dieser Forderung nicht allein da. Bund und Länder könnten bei ihren nächsten Beratungen – möglicherweise schon in der kommenden Woche – das Vorgehen noch einmal verschärfen. Deutschland verirrt sich zunehmend im Labyrinth des Lockdowns.

Der Preis dieser Politik: Die Akzeptanz der Maßnahmen schwindet. Nicht so sehr in den Umfragen, wo viele Bürger ihre Zustimmung kundtun – vielleicht auch deshalb, weil das gegenwärtig eine sozial sehr erwünschte Haltung ist.

Doch im Alltag nehmen es viele Menschen weniger genau. Die Mobilitätsdaten vom RKI geben deutliche Hinweise darauf, dass die Bevölkerung den Lockdown nicht in dem Maße wie im Frühjahr mitträgt. Was bei den bisweilen schwer nachvollziehbaren und überdies ständig wechselnden Vorschriften auch wenig überraschend ist.

Mediziner benutzen den Begriff „Adhärenz“, um zu beschreiben, ob Patienten therapeutische Empfehlungen wie die Einnahme von Arzneimitteln oder Änderungen des Lebensstils umsetzen. Eine Erkenntnis der Gesundheitspsychologie ist, dass sich Verhaltensänderungen nicht mit immer schärferen Vorgaben, Drohungen oder Angstszenarien erzwingen lassen.

Wirksamer sind planbare und verständliche Anweisungen. Ein noch strengerer Lockdown wird als Therapie gegen das Infektionsgeschehen wenig bringen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Dazu kommt, dass die Ordnungsbehörden schon beim aktuell geltenden Maßnahmenkatalog ein Vollzugsdefizit haben.

Eine valide Datenbasis ist nötig

Epidemiologische Modellierer berechnen regelmäßig bedrohliche Zukunftsszenarien. Doch statt sich auf immer neue Prognosen zu beziehen, sollten sich die politisch Verantwortlichen zunächst eine valide Datenbasis für die aktuelle Lage verschaffen.

Seit Ende Oktober liegen die täglich gemeldeten Neuinfektionen im Mittel bei 20.000, ein exponentielles Wachstum jedenfalls scheint es nicht zu geben. Einen spürbaren Rückgang der Fälle aber auch nicht.

Genaue Erkenntnisse, wie die Lockdown-Kaskade gewirkt hat, fehlen. Beim Infektionsgeschehen tappt man seit Ende Dezember im Dunkeln. Meldeverzögerungen und Feiertage werden als Gründe angeführt.

Unklar ist, wie weit die gefürchtete britische Virusmutation schon verbreitet ist. Denn erst jetzt sollen Labore stärker nach den Mutationen suchen. Einen positiven Indikator gibt es aber: Seit Beginn des Monats ist die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen um etwa zehn Prozent zurückgegangen.

Mehr: RKI-Chef Wieler fordert schärferen Lockdown

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6 Kommentare zu "Kommentar: Die Politik verliert sich im Lockdown-Labyrinth: Dabei gibt es positive Zeichen"

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  • hatte noch was vergessen:

    Dieser schwachsinnige Inzidenzwert von 50 wurde willkürlich festgesetzt, weil man davon ausging (?), dass bei diesem Grenzwert die vorsinntflutlich arbeitenden Gesundheitsämter dann in die Lage versetzt wären, die Infektionswege nachzuvollziehen.

    In der Wirtschaft hätte man die Gesundheitsämter durch Digitalisierung u.ä. um den Faktor 10 leistungsfähiger gemacht, wie in anderen Ländern durchaus üblich.
    Der Sommer wurde verschlafen. Vielleicht hätte das 10 rd. Euro oder so gekostet, aber unsere Regierung gibt dafür lieber 300 und mehr Milliarden Euro für sog. Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft und Menschen aus., wenn sie denn mal ausgezahlt würden.

    Einfach ein Trauerspiel.
    Wegen alledem schwindet das Vertrauen in Frau Merkel und ihren Mitläufern, denn die kritischen Geister hat sie in den Jahren ihrer Regentschaft "weggemobbt" - auch vor langen Jahren Herrn Merz.

    Hoffentlich werden wir vernünftig und gucken auf Leistungen und nicht auf Laberei.

    So - jetzt habe ich fertig und wünsche ein schönes Wochenende - auch vielleicht beim Rodeln

  • Es kann aber auch schlichtweg daran liegen, dass die Maßnahmen offensichtlich nicht tragen, die unqualifizierten "Ziele" zu erreichen.
    Immer mehr Bürger verstehen mit ihrem gesunden Menschenverstand, dass durch einen nicht zugelassenen PCR-Test ohne Angabe des cT-Wertes positiv Getestete nichts über die Infektionsanzahl gesagt werden kann.
    Jeder Interessierte kann selbst recherchieren, dass wir keine Übersterblichkeit haben (bewegt sich innerhalb der jährlichen Schwankungsbreiten).
    Jeder kennt die Tatsache, dass die Belegung der Intensivbetten im Winter immer angespannt ist.
    Es gibt statistisch in der sog. Pandemie keine Grippe-Tote mehr.
    Die Sterblichkeit von Atemwegserkrankungen (zu denen auch Corona gehört) geht zurück.

    Warum wird nicht kommuniziert, wieviel Menschen DURCH den Corona-Virus in seinen normal entstehenden Mutationen gestorben sind. Die Hysterischen Aussagen hätten schnell ihr Ende.

    Es gibt immer noch keinen Schutz für alte und vorbelastete Menschen in Pflegeheimen - und schon gar nicht in der Nähe der tschechischen Grenze, wo die Werte sehr viel schlimmer sind als bei uns.

    Es gibt immer noch keine verlässlichen Reportingstrukturen - warum nicht ?

    Es hat wenig mit Psychologie zu tun als mit der Tatsache, dass sich viele Menschen einfach für dumm verkauft fühlen. Weiterhin ist die eigentliche Katastrophe, wie unqualifiziert das Risikomanagement abläuft.

    In der freien Wirtschaft würde jeder Controller und Entscheider schon längst entlassen.
    Irgendwann rächt sich eben, wenn wichtige Positionen ständig nach Parteidünkel statt Kompetenz besetzt werden.

  • Herzlichen Dank für Ihren treffenden Kommentar zu dem immer wieder gern hervorgekramten Schreckgespenst der exponentiellen Entwicklung. Das einzige, was gefühlt in dieser Pandämie exponentiell ansteigt, ist die Präsenz von Herrn Lauterbach in Fernseh-Talkrunden. Bei den Fallzahlen beobachten wir jedenfalls nirgendwo auf der Welt über einen längeren Zeitraum eine exponentielle Entwicklung, und zwar völlig egal, ob nationale Regierungen exzessive Lockdown-Maßnahmen beschließen oder nicht. Das wissen wir spätestens seit der NBER-Studie von Andrew Atkeson et al. aus dem August 2020.

  • Es gibt sehr gute Informatonen über den Infektions-Bestand, Bettenauslastung, historischen Verlauf u.a. (z.B. beim ZDF). Aber wo sind die Informationen darüber WIE sich die Betreffenden infiziert haben, wie die feingranularen Muster/Cluster aussehen? Wozu habe ich überall Zettelchen mit meinen Adressdaten und Uhrzeiten ausgefüllt?

  • Ich trage alles gelassen mit - auch wenn jetzt komplette Ausgangssperren kommen. Meine Akzeptanz ist zwar mittlerweile fast bei 0 angekommen, jedoch sehe ich mich hier in Eigenverantwortung. Das fehlt leider in Deutschland (wahrscheinlich auch in jedem anderen Land). Für vieles bräuchte es keine dummen Regeln wenn die Bürger es von vornherein selbstständig und gewissenhaft umsetzen würden.

    Was macht die Politik in der Pandemie? Sich treffen, viel blabla und am Ende nur mehr Verbote. Selber handeln, wozu? Wo ist die große Unterstützung für Pflegekräfte, gescheite Konzept für Pflegeheime, Service für die Ältere Bevölkerung (Einkaufsservice z.B.), wo sind temporäre Corona "Lazarette" (Messehallen stehen leer!), wo sind die versprochenen Hilfen für das Bildungssystem? Also wenn ich meinen Job so machen würde - wäre ich schon raus aus dem Haus!

  • Eigentlich bin ich kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber vielleicht wollen die handelnden Politiker gar keine Zahlen und Fakten erheben? Es würde dann ganz schnell offenbar werden, dass die seit November geltenden und im Dezember verschärften Maßnahmen nicht wirken, mithin die Strategie der permanenten Verschärfung der Maßnahmen falsch ist. Wo ist unsere "Wissenschaftler-Kanzlerin"? Sie sollte doch wissen, dass die Voraussetzung für rationales Handeln evidenzbasierte Erkenntnisse sind.
    Ihr neuestes Lieblingsthema: Die "britische Mutante". Bisher gibt es nur Vermutungen über eine mögliche höhere Infektiösität, aber keine belastbaren empirische Erkenntnisse. Auch weiß bisher keiner ob der Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit der neuen Variante schwerer oder leichter ist. Es fällt jedenfalls auf, dass laut DIVI-Intensivregister die Belegung der Intensivierten seit 10 Tagen rückläufig ist. Aber in Deutschland weiß man ja nicht einmal, wie verbreitet die "britische Virusvariante" ist, denn es wird nur jeder 900. Test darauf untersucht, in UK jeder 20. Interessant ist auch, dass zwar in Irland eine starke Zunahme der Infektionen gemeldet wird, ähnlich in Schweden, aber in beiden Ländern eine niedrige (Irland) bzw, zurückgehende (Schweden) Zahl der Todesfälle.
    Wo sind die Herrn Droste, Kekule und Streeck, die mehr Aufklärung geben könnten? Fürchten sie den Konflikt mit der Politik?

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