Kommentar Die Probleme der italienischen Banken sind bedrohlicher als die der griechischen

Italien gehört, anders als Griechenland, zu den wirtschaftlichen Schwergewichten im Euro-Raum. Gerade deshalb sind Großinvestoren doppelt vorsichtig.
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Die Angst vor einem Wiederaufflackern der Euro-Krise wird so schnell nicht verschwinden. Quelle: Reuters
Italiens Banken

Die Angst vor einem Wiederaufflackern der Euro-Krise wird so schnell nicht verschwinden.

(Foto: Reuters)

Sie müssen jetzt wieder zittern. Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Lehman-Pleite wächst die Sorge um Südeuropas Banken. Genauer gesagt geht es um die Institute in Griechenland und Italien. Die Gründe für diese Sorgen um die Geldhäuser in beiden Ländern sind allerdings sehr unterschiedlich, sie zeigen, woher derzeit die größte Gefahr für die Einheit der Währungsunion kommt: vom Aufstieg der Populisten und von dem politischen Chaos, das die neuen Volkstribunen mit sich bringen.

Die griechischen Banken leiden unter den gut bekannten Problemen. Es ist vor allem die Last der faulen Kredite, die Investoren und Politikern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Für diese Probleme hat Europa inzwischen einen Instrumentenkasten entwickelt, mit dem sich der Berg der notleidenden Darlehen abtragen lässt.

Der Staat hilft den Banken etwa mit Garantien dabei, faule Kredite an spezialisierte Investoren zu verkaufen. Dadurch bekommen die Geldhäuser wieder genug Luft zum Atmen, um neue Kredite an die Wirtschaft vergeben zu können und sie damit anzukurbeln. Eine ähnliche Strategie hat sich im vergangenen Jahr bereits in Italien bewährt, wo die Geldhäuser beim Abbau der lähmenden Altlasten inzwischen beachtliche Fortschritte gemacht haben.

Dafür kämpfen die Banken dort inzwischen mit ganz anderen Problemen. Die abenteuerlichen Budgetpläne der neuen Regierung haben die Staatsanleihen des Landes ins Rutschen gebracht. Das bringt wiederum die Geldhäuser in Schwierigkeiten, weil sie zu den größten Käufern dieser Bonds zählen und die Kursverluste an ihren Kapitalpostern zehren.

Im Gegensatz zu den faulen Darlehen in Griechenland gibt es für dieses Problem keine offensichtliche Lösung. Solange die populistische Koalition aus Movimento 5 Stelle und Lega die Machtprobe mit Brüssel sucht, wird der Druck an den Anleihemärkten und damit die Bedrohung für die Banken wachsen.

Die Angst vor einem Wiederaufflackern der Euro-Krise wird so schnell nicht verschwinden. Im Gegenteil, die Großinvestoren werden doppelt so vorsichtig agieren, weil Italien, anders als Griechenland, zu den wirtschaftlichen Schwergewichten in der Währungsunion zählt.

Das Traurigste an der ganzen Geschichte ist die Tatsache, dass Italiens Populisten mit ihren großzügigen Haushaltsplänen eigentlich die Wirtschaft ankurbeln wollen, aber am Ende das Gegenteil davon erreichen könnten. Der italienische Bankensektor steckt nach den Turbulenzen der Vergangenheit noch mitten in der Erholung. Wenn diese ins Stocken gerät und die Institute ihre Kreditvergabe wieder einschränken, dann wäre das Gift für die Konjunktur.

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