Kommentar Die P&R-Methode bei Direktinvestments gehört verboten

Zehn Jahre lang vertrieb P&R Container, die es nicht gab. Solche Direktinvestments sollten verboten werden.
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Bereits seit 2007 hat das Unternehmen den Sparern in großem Stil Seefrachtcontainer verkauft, die es gar nicht gab. Quelle: dpa
P&R

Bereits seit 2007 hat das Unternehmen den Sparern in großem Stil Seefrachtcontainer verkauft, die es gar nicht gab.

(Foto: dpa)

Wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen ist, fühle er sich, sagte uns ein Anleger, der seine komplette Altersvorsorge in vermeintlich sichere Containerinvestments bei dem größten Anbieter P&R gesteckt hat. Besser lässt sich das verzweifelte Ohnmachtsgefühl, das 54.000 überwiegend ältere Anleger derzeit haben, kaum beschreiben.

Nach der Pleite stellt sich heraus: Bereits seit 2007 hat P&R den Sparern in großem Stil Seefrachtcontainer verkauft, die es gar nicht gab. So steht es im Insolvenzgutachten von Verwalter Michael Jaffé. Zehn Jahre fiel das niemandem auf. 3,5 Milliarden Euro hat P&R derweil von Anlegern eingesammelt.

Sie hatten alle keine Ahnung vom Containergeschäft. Sie wussten nicht, dass 2007 ihre vermeintlich gut vermieteten Boxen nur herumstanden und Geld kosteten, dass P&R viele davon schließlich zum Schrottpreis an Händler losschlug. Die versprochenen Mieteinnahmen bezahlte P&R ja zuverlässig weiter – zunehmend aus frisch eingeworbenem Anlegergeld.

Auch kaufte P&R den Investoren ihre Container später zu Mondpreisen wieder ab. Ebenfalls mit frischem Anlegergeld. In Deutschland war das möglich.

Noch immer sind unzählige Investments dieser Art im Angebot der professionellen Vertriebe: Tropenholz in Costa Rica. Kautschukinvestments. Goldsparpläne. Die Nebenkosten sind horrend, die Gewinnchancen vage.

Gut möglich, dass es bald die nächste Pleite gibt. Dann wird sich wieder ein Insolvenzverwalter mit einem Team von Wirtschaftsprüfern und Logistikexperten über den Fall hermachen. Und viele Jahre später den Gläubigern eine mehr oder weniger magere Quote aus ihrem Einsatz ausbezahlen.
Zugegeben: Die Vorschriften für den Vertrieb von Direktinvestments wurden jüngst verschärft. Teilweise gibt es Prospektpflicht, die Aufsicht bekam mehr Aufgaben. Doch hilft das? Die einfachste Lösung wäre, den Vertrieb solcher Produkte einfach zu verbieten. Ob Großbritannien, die USA oder Frankreich: Im Ausland kommt man auch ohne sie aus.

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