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Kommentar Die Regierung sollte es mit der Befristungsregulierung nicht übertreiben

Die Regierung sollte mit ihrer Regulierung befristeter Jobs nicht zu streng sein. Unternehmen sollte die Flexibilität weiterhin erhalten bleiben.
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Die Mehrzahl der Arbeitsverträge ist unbefristet. Quelle: dpa
Arbeitsvertrag

Die Mehrzahl der Arbeitsverträge ist unbefristet.

(Foto: dpa)

Es musste schon das ganz große Geschütz sein: Mit gleich drei Rechtsgutachten machte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall am Dienstag Front gegen die geplante Regulierung sachgrundloser Befristungen.

Am Ende wird es heißen: Gut gebrüllt, Löwe! Denn die um den Ausweis ihrer Regierungsfähig- und -willigkeit bemühte Große Koalition wird das im Koalitionsvertrag verabredete Vorhaben kaum klammheimlich beerdigen.

Und dennoch ist Schwarz-Rot gut beraten, die befristeten Jobs nur mit Fingerspitzen anzufassen. Natürlich ist es ärgerlich, wenn gerade junge Beschäftigte die Familienplanung oder den Immobilienkauf auf Eis legen müssen, weil sie nur einen Zeitvertrag mit unsicherer Perspektive auf Verlängerung haben.

Aber in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt Beschäftigte aufsaugt wie ein nasser Schwamm, sind Firmen selbst schuld, wenn sie Fachkräfte nur mit einem Zeitvertrag abspeisen.

Auch deshalb ist die Befristung kein Massenphänomen – sieht man mal vom öffentlichen Dienst ab, der sich mit der Haushaltsbefristung einen eigenen Sachverhalt geschaffen hat, um Arbeitnehmer nicht ohne zeitliches Limit einstellen zu müssen.

Diese Möglichkeit haben Privatunternehmen nicht, obwohl auch ihr Personalbudget nicht grenzenlos ist, sondern je nach konjunktureller Entwicklung und Auftragslage schwankt.

Weil die Regierung erst die Zeitarbeit reguliert hat und dann den Beschäftigten durch die neue Brückenteilzeit zusätzliche Freizeitoptionen geschaffen hat, fällt es den Unternehmen aber immer schwerer, solche Schwankungen auszugleichen.

Die notwendige Flexibilität darf hier nicht ohne Not weiter eingeschränkt werden. Das gilt erst recht angesichts der sich mehrenden Anzeichen für eine konjunkturelle Abschwächung. Denn diese wird sich verschärfen, wenn Unternehmen nun den Personalaufbau aus Sorge stoppen, die Neueingestellten auch in der Krise oder nach dem Abarbeiten der Auftragsspitze dauerhaft behalten zu müssen.

Deutschland hat unter den Industrieländern eines der strengsten Kündigungsschutzgesetze. Beschäftigte können sich hier in größerer Sicherheit wiegen als andernorts – von einer Hire-and-fire-Mentalität wie in den Vereinigten Staaten sind wir hierzulande zum Glück weit entfernt. Diese Sicherheit wird sich aber nur erhalten lassen, wenn den Unternehmen auch die notwendige Luft zum Atmen bleibt.

Übertreibt es die Regierung jetzt mit der Regulierung befristeter Jobs, werden sicher die Rufe wieder lauter, die Axt an den strengen Kündigungsschutz zu legen. Das wäre vielleicht im Sinne der Unternehmen – ganz sicher aber nicht im Sinne der Beschäftigten.

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