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Kommentar Die Rekordbewertungen für Mobilitäts-Start-ups dürften für Investoren irgendwann böse enden

Quantumscape, Embark und Lucid zeigen: Spac-Börsengänge sind gut für Innovation, aber katastrophal für Privatanleger. Hier ist allergrößtes Misstrauen angebracht.
28.06.2021 - 04:02 Uhr Kommentieren
Die Bewertungen für Mobilitätsunternehmen, die über Spac-Konstruktionen an die Börse streben, sind überzogen hoch. Quelle: Bloomberg
Prototyp aus dem Haus Lucid

Die Bewertungen für Mobilitätsunternehmen, die über Spac-Konstruktionen an die Börse streben, sind überzogen hoch.

(Foto: Bloomberg)

André Kostolany war vielleicht deshalb so erfolgreich an der Börse, weil er verschiedene Welten zusammenbrachte: Literatur und Aktienanalyse, gesunden Menschenverstand und Börsenkurse. Geistreich mahnte er: „Ich empfehle meinen Lesern nicht nur, nicht an dem Treiben am Neuen Markt teilzunehmen. Nein, ich verbiete es ihnen. Alles wird mit einem fürchterlichen Krach enden.“

Diese Warnung machte Kostolany Ende der Neunzigerjahre. Die vermeintlichen New-Economy-Werte vom Neuen Markt fielen 2001 wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Kostolany war damals Anfang 90 und hatte es zu oft in seinem Leben gesehen: Euphorie, gefolgt vom Crash.

Heute würde Kostolany eine ähnliche Warnung aussprechen: vor den hochgedrehten Kursen bei Tech-Werten, ganz besonders vor den sogenannten Spac-Aktien im Mobilitätssektor, also Papieren, die über einen Börsenmantel ihren Weg aufs Parkett finden.

Das Batterieunternehmen Quantumscape oder der E-Autobauer Lucid Motors sind besonders verrückte Beispiele. Beide zusammen kommen auf einen Börsenwert von 40 Milliarden Dollar. Ganz neu in der Spac-Welt ist das Start-up Embark, das an einem Konzept für Roboter-Lastwagen arbeitet, oder Solid Power, das Feststoffbatterien für Elektroautos in Massenproduktion herstellen will.

Was alle eint: dass sie per Spac an die Börse gehen. Eine „Special Acquisition Company“ ist ein Börsenmantel, dessen einziges Ziel ist, ein operativ tätiges Unternehmen zu übernehmen. Spacs sammelten allein in diesem Jahr bislang mindestens 100 Milliarden Dollar bei Investoren ein.

Warum auch nicht, könnte man meinen. Ein Börsengang im Schnelldurchgang, weniger bürokratisch und umständlich. Aber da die kritische Instanz der institutionellen Investoren fehlt, die sich mit den Daten, Technologien und Prognosen einer Firma auseinandersetzen, werden die Spac-Börsengänge vor allem auf Kosten der Kleinaktionäre gehen.

Viel Fantasie und wenig Informationen in der Präsentation

Ohne das Korrektiv einer Roadshow kommt es zu Fantasiegebilden. Wer sich die Investorenpräsentationen der jüngsten Mobilitäts-Spacs anschaut, kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Embark, das mit seiner Software Lastwagen autonom fahren lassen will und mit einer Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar an die Börse strebt, erwähnt in der Präsentation seinen aktuellen Umsatz erst gar nicht. Dafür sollen 2024 dann 867 Millionen Dollar erlöst werden, 2025 gar 2,77 Milliarden Dollar. Der Börsenlaie mag da denken: 4,5 Milliarden Dollar sind da als Bewertung doch gar nicht so hoch.

Allerdings ist die Prognose mehr als spekulativ. Embark vermietet seine Software an Kunden für rund 28 Cent den Kilometer. Jetzt legen jährlich Lastwagen weltweit knapp 500 Milliarden Kilometer zurück. Bis 2025, davon ist die Firma überzeugt, wird sie ein paar Prozentpunkte am Markt gewinnen. Das ergibt eine bestimmte Anzahl von Kilometern, für jeden werden 28 Cent kassiert – und schon kommen fast drei Milliarden Dollar Umsatz zustande.

So oder so ähnlich lauten die Hochrechnungen vieler Mobilitäts-Spac-Börsenkandidaten. Investoren sollten sie mit größtem Misstrauen betrachten.

Die Konkurrenz ist in dem Sektor stark, die Technologie zudem oft nicht ausgereift und schon gar nicht längerfristig im Markt getestet. Im Grunde kommen Start-ups auf den Markt, die dort wenig zu suchen haben. Für die Bewertung junger Firmen sind Expertise und Erfahrung nötig. Leider trifft das nicht immer auf die privaten Spac-Anleger zu.

Spac-Börsengänge schieben Innovationen an, aber werden für Anleger böse enden

Es wird enden wie beim Neuen Markt – im Jammertal. Einen Vorgeschmack gibt Lordstown, das einen elektrischen Pick-up verkaufen will. Dort gingen vor wenigen Tagen gleich der Vorstandschef und Finanzchef von Bord, der Börsenkurs brach in sich zusammen, dem Unternehmen könnte schon zum Ende des Jahres das Geld ausgehen.

Ein schwacher Trost: Für Innovation und Fortschritt im Mobilitätssektor wirken die Spacs wohltuend. Junge Ingenieure, Entwickler und Gründer haben viel Geld in der Hand, können sich austoben und entwickeln Dinge, die sonst vielleicht in einer Abteilung bei einem Autokonzern liegen geblieben wären. Gelingen Start-ups wie Quantumscape oder Solid Power probieren beispielsweise Fortschritte in der Batterietechnologie, könnten Elektroautos schneller aufgeladen werden und eine größere Reichweite erzielen.

Wenn der Crash kommt, ist das für Anleger aber ein schwacher Trost. Sie sollten sich vor dem Aktienkauf ein Bonmot von Kostolany zu Herzen nehmen: „An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil.“

Mehr: Spac-Boom erreicht Deutschland: Gründer werden mit Angeboten überhäuft

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