Kommentar Die Republikaner haben im Fall Kavanaugh feige entschieden

Die Republikaner haben jeden Widerstand gegen Trump aufgegeben. Die Wahl Kavanaughs ans Oberste US-Gericht zeigt: Der Partei geht Macht über alles.
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Die Stimme der Kavanaugh-Kritiker blieb bei den Republikanern ungehört. Quelle: AP
Proteste gegen die Wahl Kavanaughs an den Obersten US-Gerichtshof

Die Stimme der Kavanaugh-Kritiker blieb bei den Republikanern ungehört.

(Foto: AP)

Zwei Jahre nach seinem Überraschungssieg bei den US-Präsidentschaftswahlen hat Donald Trump endlich die Partei seiner Träume hinter sich versammelt. Erst brachte er die internen Defizitwächter zum Verstummen. Auch Freihändler üben im Vorfeld der Kongresswahlen keine offene Kritik an Trumps Strafzöllen. Niemand will sich einen wütenden Tweet einfangen, der die eigene Wiederwahl gefährdet. Jetzt haben sich die Republikaner auch noch vom gesunden Menschenverstand verabschiedet.

Ihr Festhalten an Brett Kavanaugh, der ab Dienstag auf der Richterbank im Supreme Court sitzen wird, war bis zuletzt feige. Macht geht ihnen über alles. Für Trump ist Kavanaughs Bestätigung ein riesiger Erfolg: Er kann nicht nur ein Wahlkampfversprechen einlösen, den Obersten Gerichtshof mehrheitlich konservativ zu besetzen, sondern auch beweisen, dass er, der einstige Quereinsteiger, der Hitzkopf und Provokateur, die Republikaner im Griff hat.

Doch der zu zahlende Preis ist hoch. Drei Wochen nervenzehrender Kampf um Kavanaugh hat eine ohnehin polarisierte Nation weiter auseinanderdriften lassen. Fachlich ist Kavanaugh qualifiziert, aber Zweifel an seiner Integrität bleiben, die er mit unverhohlener Parteilichkeit und Aggression selbst schürte.

Schulfreunde beteuern, er habe unter Eid über seinen Alkoholkonsum gelogen. Vor allem aber bleibt die beklemmende Aussage der Hauptzeugin Christine Blasey Ford.

Wer im November für die Republikaner stimmt, weiß jetzt immerhin, wo sie stehen – hinter Trump. Niemand in der Partei widersprach, als der Präsident in einer Rede Ford nachäffte und sich über sie lustig machte. Sie protestierten nicht, als er behauptete, die Kavanaugh-Proteste seien gekauft.

Sie schwiegen, als Trump über Senatorin Lisa Murkowski – die als einzige Republikanerin gegen den Richter stimmte – sagte, sie werde sich „nie davon erholen”. Das ist der bittere, Trump-hörige Zustand der Republikaner. Sie haben ihn sich selbst ausgesucht.

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