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Kommentar Die Risiken bei Aktien steigen – aber Alternativen fehlen

Aktien sind teuer, das Umfeld ist schlecht. Trotzdem setzen immer mehr Anleger wegen des Anlagenotstands auf Aktien und Börse. Das ist langfristig gefährlich.
27.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Allein die Tatsache, dass die Kurse steigen, macht Aktien noch nicht teuer und unattraktiv. Quelle: dpa
Börse in Frankfurt

Allein die Tatsache, dass die Kurse steigen, macht Aktien noch nicht teuer und unattraktiv.

(Foto: dpa)

An einer prägnanten und schlüssigen Erklärung fehlt es nicht, wenn es darum geht, warum der Dax in der vergangenen Woche auf ein Allzeithoch gestiegen ist: Anlagenotstand. Aktien sind „in“, weil es sonst nirgendwo etwas fürs Geld gibt. Weder auf der Bank noch mit Anleihen von soliden Unternehmen und Staaten. Immobilien sind teuer und nicht für jeden erschwinglich. Deshalb setzen immer mehr Anleger, auch risikoscheue, auf Aktien und die Börse. Doch wer sich hier das Umfeld genauer anschaut, blickt auf immer mehr Belastungen, die eigentlich gegen den Kauf von Aktien sprechen.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Allein die Tatsache, dass die Kurse steigen, macht Aktien noch nicht teuer und unattraktiv. Das Problem ist aber, dass die Aktienkurse in Amerika und Europa, einschließlich Deutschland, seit dem Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise vor einem Jahrzehnt viel stärker gestiegen sind, als es den hinter den Aktien stehenden Unternehmen gelungen ist, ihre Gewinne zu erhöhen. 2019 stiegen die Kurse weltweit um mehr als 25 Prozent, doch die Konzerngewinne stagnierten.

Wer heute auf die Unternehmen im Dax oder amerikanischen Dow Jones setzt, bezahlt heruntergerechnet für ihre Aktien so viel wie zuletzt am Vorabend der Finanzkrise 2007. Hochdramatisch ist die Situation im Technologiesektor. Aktien großer Konzerne wie Microsoft und Alphabet (Google) in den USA oder SAP und Wirecard in Deutschland bezahlen Anleger mit mehr als dem 30-fachen Jahresgewinn. Bei Amazon und Netflix liegt der Faktor sogar bei über 80. Microsoft etwa gab es vor fünf Jahren für weniger als die Hälfte.

Was für Internet- und Medienaktien in der Dotcom-Blase vor 20 Jahren galt, gilt heute für Wasserstoffaktien: Die Kurse der britischen ITM Power und schwedischen Powercell haben sich in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht. Die wohl bekannteste Wasserstoffaktie, Kanadas Ballard Power, verdreifachte ihren Kurs.

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    Dabei hat sich realwirtschaftlich nichts geändert: Wie zur Jahrtausendwende, als der Kurs um mehrere Tausend Prozent gestiegen war, ehe er um 95 Prozent abstürzte, regt Ballard Power auch diesmal in erster Linie die Fantasie an und erhöht die Umsätze. Doch mit ihnen steigen die Verluste. Ein Geschäftsmodell, das steigende Aktienkurse rechtfertigt, sieht anders aus.

    Rahmenbedingungen erscheinen schlechter als zur Jahrtausendwende

    Nur in Ausnahmesituationen wie Ende der Neunzigerjahre – und jetzt wieder – schauen Anleger über solche Bewertungen hinweg. Doch zumindest in der Vergangenheit galt: Sobald die Akteure an der Börse zur Normalität zurückkehrten und sich wieder auf Kennzahlen wie Nettogewinn, Cashflow, Verschuldung und Eigenkapital konzentrierten, platzte der Traum vom grenzenlosen Reichtum mit Aktien. Die Kurse stürzten ab.

    Einige Rahmenbedingungen erscheinen diesmal sogar schlechter als im Hype zur Jahrtausendwende. Damals versetzte die Aufbruchstimmung im gerade begonnenen Internetzeitalter der Globalisierung einen kräftigen Schub, die ihre Initialzündung mit dem Ende des Ost-West-Konflikts und der wirtschaftlichen Öffnung Chinas bekommen hatte. Weil die vielen deutschen Industrieunternehmen erfolgreich auf die Boommärkte von morgen setzten, erschienen damals höhere Aktienkurse durchaus gerechtfertigt.

    Mit US-Präsident Bill Clinton flankierte ein Sympathieträger und Freund der Globalisierung die stürmische Entwicklung. Heute dagegen bremst mit Donald Trump ein Gegner der Globalisierung den freien Welthandel. Dieser war im Börsenboom vor zwei Jahrzehnten um jährlich mehr als zehn Prozent gewachsen, heute sind es weniger als drei Prozent. Chinas Wachstumsraten lagen damals bei zehn und mehr Prozent, heute sind es knapp sechs Prozent und so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Das ist ein Grund, warum Daimler, BMW, VW und viele andere Industriekonzerne langsamer wachsen – wenn überhaupt noch – als vor zwei Jahrzehnten.

    Trotzdem steigt der Dax auf ein Allzeithoch, was die großen Börsenindizes in den USA schon lange vormachen. Hier stürmen der Dow Jones, der marktbreite S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq seit Langem und mit viel höherer Geschwindigkeit von Rekord zu Rekord. Ohne nennenswerte Rückschläge steigen die Börsen ebenso rasant wie in der Boomzeit Ende der Neunzigerjahre. Auch damals entwickelten sich Aktienkurse und Firmengewinne auseinander, ehe die Realität die Aktionäre einholte: Die Kurse sanken auf das normale Bewertungsniveau ab.

    Solange immer neue Anleger die Börse für sich entdecken und mit frischem Geld versorgen, droht kein Absturz. Denn Kurse steigen dann, wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt – egal, wie schlecht die Rahmenbedingungen auch sein mögen. Doch dass Aktien nur noch deshalb attraktiv sind, weil die Anlagealternativen fehlen, macht die Börse anfällig. Aktien sind schließlich Anteilsscheine von Unternehmen und spiegeln ihre Ertragskraft wider. Zu glauben, dass dieses Börsengesetz künftig nicht mehr gilt, hat sich schon oft als teurer Irrtum erwiesen.

    Mehr: Profis, die das Geld ihrer Kunden auf Fondsbasis verwalten, haben im Jahr 2019 überwiegend schlecht abgeschnitten. Die Renditen waren schwach und oft instabil.

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