Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die Schlammschlacht im US-Wahlkampf ist eröffnet

Joe Biden und Kamala Harris ziehen mit einem linken Wirtschaftsprogramm in den Wahlkampf. Eine Chance für die Demokraten – aber auch eine große Angriffsfläche. 
12.08.2020 - 06:56 Uhr Kommentieren

Biden macht Kamala Harris zu seiner Vize-Kandidatin

Washington Um es direkt aus dem Weg zu räumen: Jeder demokratische Präsidentschaftskandidat und jeder Vizekandidat, ob Mann oder Frau, ob schwarz oder weiß, wäre von Donald Trump attackiert worden. So funktioniert die amerikanische Politik, die polarisierter und schonungsloser ist als in den meisten europäischen Ländern. Trump beschimpft seinen Herausforderer Joe Biden als dement und die Vizekandidatin Kamala Harris als „nasty“, als böse. Das weckt Erinnerungen an den Wahlkampf gegen Hillary Clinton

Jetzt, da Harris offiziell zu Bidens Wahlkampf-Partnerin ernannt wurde, kann der heiße Wahlkampf beginnen. Ab sofort werden die Republikaner eine Botschaft setzen, die durchaus in Teilen der Wählerschaft verfangen könnte. Sie lautet: Die Gefahr kommt von links, die Demokraten werden die USA totregulieren und besteuern. „Die radikale Linke hat Joe Biden offiziell gefangen genommen!“, schrieb Trumps Sohn Don junior auf Twitter.

Dass Biden und Harris die USA in ein sozialistisches Ödland verwandeln wollen, ist zwar mehr als übertrieben. Aber die Attacken haben einen wahren Kern. Die Demokraten sind tatsächlich nach links gerückt. Sie gehen deutlich progressiver in eine US-Wahl als in den Jahren davor.

Das liegt auch an der Coronakrise, die Trumps Plan einer brummenden Wirtschaft hat kollabieren lassen. In Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und einer Pandemie, die den fehlenden Kündigungsschutz und ein schlechtes Gesundheitssystem entblößt, gewinnt ein starker Staat an Popularität. Das US-amerikanische Ideal von Freiheit, es ist durch das Virus ins Wanken geraten.  

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zum anderen sind die Front-Figuren Biden und Harris eher vermittelbar als die Promis des linken Flügels. Bernie Sanders bewarb sich zweimal um die Kandidatur und mobilisierte beachtlich, am Ende reichte es nicht. Elizabeth Warren landete weit vorn im Vorwahlrennen und scheiterte ebenfalls. Die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez ist laut Verfassung zu jung für das Weiße Haus.

    Jetzt treten mit Biden und Harris zwei Politiker gegen Trump an, die gemeinhin als moderat gelten. Sie stehen für den politischen Mainstream, doch im Wahlkampf vertreten sie auffallend viele linke Ideen. Der verkorkste Wahlkampf von Hillary Clinton, die Massen-Euphorie für Sanders, der Aufstieg von Ocasio-Cortez: All das hat Spuren in der Demokratischen Partei hinterlassen. Ihre Basis wird jünger, diverser und in einer Wirtschaftskrise auch prekärer. Das Programm des neuen Spitzentandems spiegelt diese Entwicklungen wider. 

    Die schwierige Begeisterung der wichtigen Wählergruppe weißer Arbeiter

    Das Wirtschaftskonzept etwa trägt eine klare linke Handschrift. Biden will zwei Billionen Dollar in die Bekämpfung des Klimawandels investieren und die Infrastruktur erneuern, er verspricht Millionen neuer Jobs durch eine grüne Energiewende. Die Finanzierung ist nicht abschließend geklärt, vor allem nicht angesichts der Rekordschulden.

    Biden will zunächst eine Vermögensteuer einführen und die Unternehmensteuer, die Trump 2017 gesenkt hatte, wieder anheben. Harris unterstützt einen Mindestlohn, starke Gewerkschaften, einen teilweisen Erlass von Studienschulden und eine Finanztransaktionssteuer.

    Es wird interessant sein zu beobachten, wie beide Kandidaten damit die wichtige Wählergruppe der weißen Arbeiter begeistern wollen. Noch immer haben sich Bundesstaaten des Mittleren Westens wie Wisconsin, Michigan und Ohio nicht vom jahrzehntelangen Strukturwandel erholt. Vor vier Jahren wechselten dort viele Wähler ins Lager der Republikaner. Clinton hatte es 2016 nicht vermocht, Existenzbedrohungen zu adressieren.

    Biden und Harris wollen diesen Fehler nicht wiederholen. Deshalb achten sie penibel darauf, nicht als zu radikal wahrgenommen zu werden. So fordert keiner von beiden eine komplett staatliche Krankenversorgung. Tech- und Pharmariesen sollen nicht zerschlagen werden, die umstrittene Einwanderungsbehörde und Gasfracking erlaubt bleiben.

    In den verbleibenden Wochen bis zur Wahl werden sie ihre Versprechen mit Selbstbewusstsein vertreten müssen. Sonst haben sie gegen einen Präsidenten auf Dauersendung kaum eine Chance. 

    Mehr: Kamala Harris hat vieles, was Joe Biden fehlt.


    „Biden und Harris achten sie penibel darauf, nicht als zu radikal wahrgenommen zu werden.“ Quelle: AP
    Kamala Harris

    „Biden und Harris achten sie penibel darauf, nicht als zu radikal wahrgenommen zu werden.“

    (Foto: AP)


    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Die Schlammschlacht im US-Wahlkampf ist eröffnet
    0 Kommentare zu "Kommentar: Die Schlammschlacht im US-Wahlkampf ist eröffnet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%