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Kommentar Die schwache Lira bedroht auch die europäische Wirtschaft

Der Verfall der türkischen Währung ist nicht nur ein Zeichen von Missmanagement. Exportprodukte werden billiger – und könnten europäische Konkurrenten verdrängen.
21.05.2020 - 16:55 Uhr 1 Kommentar
Die schwache Lira bedroht auch die europäische Wirtschaft Quelle: AP
Wechsel in Lira

Durch die Leitzinssenkung wertet die türkische Lira ab.

(Foto: AP)

Die Türkische Zentralbank hat erneut die Zinsen gesenkt: von 8,75 auf 8,25 Prozent. So hatten es die meisten Analysten bereits erwartet. Und so wollte es der türkische Präsident. Er diktiert die Geldpolitik des Landes.

Die Lira wird weiter an Wert verlieren. Und viele Türkinnen und Türken werden die Regierung verantwortlich machen, wenn sie bald wieder mehr für Importprodukte bezahlen müssen. Schadenfreude gegenüber der Regierung in Ankara wäre jedoch die falsche Reaktion. Denn den Schaden hat mitunter auch Europa.

Die Leitzinssenkung ist einerseits ein Zeichen dafür, dass die türkische Führung zuletzt tiefgreifende Strukturreformen verpasst hat. Das lag zum Einen an den äußeren Umständen, durch Terror, Krisen in den Nachbarländern und zuletzt am Ausbruch der Corona-Pandemie. Aber auch am Anspruch der Führung in Ankara, den Staat umzubauen, die eigene Macht zu konsolidieren und Vertrauen bei Investoren zu verspielen.

Niedrigere Leitzinsen retten allerdings kaum die Wirtschaft, wenn die Innovationskraft der heimischen Industrie schwach ist. Außerdem werben staatliche Banken ohnehin bereits mit Krediten, die günstiger sind als der Leitzins selbst. Internationale Investoren werden durch den Kurs der Zentralbank eher abgeschreckt.

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    Türkische Produkte werden billiger

    In Zeiten der Pandemie ist die Zinssenkung aber nicht bloß ein Zeichen von Hoffnungslosigkeit. Denn wenn sich die Wirtschaft wegen Corona weltweit in einem tiefgreifenden Umschwung befindet, ist die Zeit gekommen, Marktanteile zu erobern. Das geht am besten über den Preis. Und da setzt die türkische Zinspolitik an.

    Ob Urlaub an der Türkischen Riviera, Textilien mit türkischer Baumwolle oder Obst und Gemüse aus Anatolien; ob im Wettbewerb gegen Lufthansa, gegen Thyssen oder deutsche Landwirte: Türkische Produkte werden in Zukunft im Ausland günstiger. Für Europa muss die lasche Geldpolitik daher eine Warnung sein. Türkische Konkurrenten könnten europäische Hersteller schon bald verdrängen.

    Mitte Mai hatte die EU-Kommission bereits eine Untersuchung gegen türkische Stahlhersteller eingeleitet, die ihre Produkte in der EU verkaufen. Der Anlass für die Untersuchung: Die europäischen Hersteller Thyssen und Arcelormittal hatten sich über die niedrigen Preise für türkischen Stahl beschwert.

    Schutzmaßnahmen wie diese wären eine Möglichkeit, gegen günstige türkische Produkte vorzugehen. Die Konkurrenz schlägt aber auch dort zu, wo EU oder Nationalstaat keine Zugriffsrechte mehr besitzen. Nämlich dort, wo europäische und türkische Exportprodukte in Drittländern konkurrieren. Zum Beispiel in Russland, China, oder in den USA.

    Eine weitere Möglichkeit wäre daher, aktiv an der wirtschaftlichen Stabilität der Türkei mitzuwirken. Dazu wäre hilfreich, endlich die gemeinsame Zollunion mit Leben zu füllen, damit die Türkei im geordneten Verfahren Produkte exportieren kann und nicht auf Dumping angewiesen ist.

    Außerdem würde es helfen, den Flüchtlingspakt wieder aufleben zu lassen. Die Versorgung von bis zu vier Millionen Flüchtlingen in der Türkei belastet auch die Wirtschaft des Landes . Derzeit leben in der Türkei mehr Flüchtlinge als in der gesamten EU. Und das, obwohl sowohl die Einwohnerzahl als auch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der EU rund vier Mal höher als in der Türkei sind.

    Wer bei der schwachen Lira nur Gefahren für die Türkei selbst sieht, liegt falsch. Eine stabile Lira ist auch im Interesse Europas.

    Mehr: Turkish Airlines hat ein Milliardenproblem mit geleasten Flugzeugen

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die schwache Lira bedroht auch die europäische Wirtschaft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Präsident Erdogan benötigt Devisen, er hat die Banken zu viel Geld schöpfen lassen. Staatsbank-Geldschöpfung muss stets den Devisenmarkt im Auge haben, sonst geht es schief. Die Türkei braucht dringend Devisen. Deshalb könnte man Präsident Erdogan einen neuen Deal anbieten und in Euro bezahlen. Ein Deal könnte sein, alle Flüchtlinge, die sich in Griechenland befinden, in die Türkei zurückzunehmen und in einer abgelegenen Provinz so lange vorbildlich pfleglich aufzubewahren, bis in den Fluchtländern sich die Lage beruhigt hat. Der Aufbewahrungsort kann jederzeit verlassen werden, so entkommt man dem Gutmenschen-Geschrei von menschenunwürdigen Lägern. Vor allem sollten die vielen Flüchtlings-Kinder endlich unterrichtet werden können. Auch manchem Erwachsenen könnte weitere Schulbildung guttun bis zur Rückkehr in sein Heimatland. Man sollte auch Berufsausbildung anbieten, für einen Neu-Start im Heimatland. Ein solches Programm ist in der Türkei relativ preiswert. Als erste Partei würde wohl die AfD aufschreien, dass das viel zu teuer ist. In der EU ist es um ein Vielfaches teurer, Flüchtlinge bis zur Rückkehr ins Heimatland aufzubewahren, denn Arbeiten ist Flüchtlingen in vielen Fällen jahrelang verboten, in Deutschland. Die Unterbringung im EU-Land- Griechenland ist im Großen und Ganzen menschenverachtend, siehe das Zelt-Lager namens Moria auf der Insel Lesbos. Weiterer Aspekt: Die meisten Flüchtlinge sind Muslime, die sich in der rückislamisierten Türkei vermutlich viel wohler fühlen würden als im gottlosen Westen, denn sie wären in der Türkei innerhalb der besten aller Gemeinschaften, in der muslimischen Umma(h). Steht so im Koran und ist bei unveränderbar und ewiglich gültig. Alle Seiten hätten so etwas davon.

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