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Kommentar Die Schwäche der CDU-Bewerber ist Söders Stärke bei der Kanzlerfrage

Angesichts der Unzufriedenheit mit dem eigenen Bewerberfeld erscheint eine Kanzlerkandidatur des CSU-Chefs vielen in der Union verlockend. Auch sie birgt Risiken.
12.10.2020 - 18:56 Uhr 1 Kommentar
Quelle: Mohr Karikatur
Karikatur
(Foto: Mohr Karikatur)

Die quälend lange Suche nach einem neuen CDU-Parteivorsitzenden geht in die Schlussphase. Im November werden Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Außenpolitiker Norbert Röttgen in zwei Kandidatenrunden öffentlich diskutieren sowie jeweils in einem einstündigen Livetalk Fragen der CDU-Mitglieder beantworten.

Es ist ein Finale auf Sparflamme eines innerparteilichen Wahlkampfs, der eigentlich nie richtig begonnen hat. Selbst die CDU ist von dem monatelangen Prozess mittlerweile ermüdet und wünscht sich sehnlichst, dass die Suche mit der Wahl des neuen Parteichefs am 4. Dezember endlich endet. Das ist auch der Corona-Pandemie geschuldet. Die hat nicht nur sämtliche Ablaufpläne durchkreuzt, sondern auch dafür gesorgt, dass die Bürger das Gefühl haben, es gebe Wichtigeres als die Suche nach einem CDU-Chef.

Wahr ist aber auch: Die Lethargie liegt nicht nur am Prozess, sondern auch an den Kandidaten. So wirklich überzeugen kann keiner von ihnen. Merz wirkt für viele aus der Zeit gefallen. Röttgen schlägt sich wacker, ist aber ohnehin nur Außenseiter. Und Laschet hofft, dass die Schwächen der beiden Mitbewerber ausreichen.

In dieser Lage wächst die Sehnsucht nach einer Alternative. Einige hofften, Gesundheitsminister Jens Spahn würde doch antreten – was dieser aber als Laschets Teamplayer schlecht tun kann. So richten sich die Blicke gen Süden, auf den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Für ihn und die drei CDU-Kandidaten gilt der alte Werbespruch von Fisherman’s Friend: Sind sie zu schwach, ist er zu stark.

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    Erstaunlicher Aufstieg bei den Beliebtheitswerten

    Söder hat in den vergangenen Monaten immer wieder versichert, er wolle in Bayern bleiben. Bei der Landtagswahl im Jahr 2023 wieder die absolute Mehrheit zu erreichen ist für einen CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten ein durchaus erfüllendes Vorhaben. Insofern mögen seine ständigen Absagen an Kanzlerambitionen („Mein Platz ist in Bayern“) ihren wahren Kern haben.

    Auffällig ist jedoch, dass Söder sein Desinteresse an einer Kanzlerkandidatur mittlerweile mit weniger Vehemenz vorträgt. Er verweist auf den Prozess, dass zunächst die CDU ihren Vorsitzenden wählen müsse und man dann gemeinsam entscheiden werde. Das klingt eher nach „Schau’n mer mal“ denn nach klarer Absage. Das Hintertürchen öffnet sich.

    Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef hat sich als Corona-Krisenmanager profiliert. Quelle: AFP
    Markus Söder

    Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef hat sich als Corona-Krisenmanager profiliert.

    (Foto: AFP)

    In der CDU haben ohnehin viele den Verdacht, dass Söder sofort zugreifen würde, wenn man ihm denn die Kanzlerkandidatur andienen würde. Ob die CDU das tut? Letztlich werden die Funktionäre den Kandidaten nehmen, der das beste Ergebnis und somit die meisten Mandate und Posten verspricht. Laut Umfragen wäre das derzeit Söder.

    Bei den Beliebtheitswerten hat er einen erstaunlichen Aufstieg hingelegt. Der begann bereits, als er im März 2018 zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wurde. Seitdem kann er deutlich präsidialer auftreten.

    Als Landesvater hat er eine Rolle gefunden, die bei den Bürgern ankommt. Söder hat die Grünen als Hauptkonkurrenten ausgemacht, nun umarmt er nicht nur Bäume, sondern thematisch auch die Grünen-Wähler. Da ist er strategisch ähnlich erfolgreich wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Oder wie Kanzlerin Angela Merkel.

    Maximalpolitiker aus Bayern

    In der Coronakrise paart Söder den paternalistischen Regierungschef nun mit der ihm schon immer eigenen Rolle des Maximalpolitikers. Wenn es um Beschränkungen zur Pandemiebekämpfung geht, ist er immer vorn dabei. Strenger als unter ihm in Bayern geht nicht. Und diese Regeln empfiehlt er dann gerne dem Rest der Republik als Vorbild, wie jüngst das 250-Euro-Bußgeld für Maskenmuffel.

    Zugleich bietet Söder finanziell so ziemlich alles auf, um die unter den Einschränkungen leidende Wirtschaft zu stützen. Das Motto des von ihm lange kritisierten früheren EZB-Chefs Mario Draghi – „Whatever it takes“ – hat er sich längst zu eigen gemacht. Da ist er flexibel.

    Bayern ist von Beginn an Epizentrum der Pandemie gewesen, so wie Nordrhein-Westfalen. Doch während Laschet vielen Bürgern als zu zögerlich und sprunghaft daherkam, wird Söders klarer und strenger Kurs bisher honoriert – ganz unabhängig von den Infektionszahlen.

    Ob das so bleibt, hängt auch vom weiteren Pandemieverlauf und den wirtschaftlichen Kollateralschäden ab. Sollte die Bereitschaft abnehmen, die Beschränkungen zu erdulden, könnte das auch für ihren obersten Verfechter ein Problem werden.

    Sein größtes Risiko ist er selbst. Auch wenn er als Ministerpräsident um Selbstmäßigung bemüht ist, hin und wieder überzieht er noch immer. Wer allzu offensiv den obersten Krisenmanager gibt, der hat ein umso größeres Problem, wenn Tausende Testergebnisse verbaselt werden. Und der erhobene Zeigefinger in Richtung anderer Bundesländer wie Berlin mag in Bayern ankommen, im Rest des Landes nicht unbedingt.

    Söder mag der Union im Vergleich zu den drei CDU-Bewerbern als Verlockung daherkommen. Doch wenn er Kandidat ist, reicht die Schwäche anderer nicht mehr. Dann hilft nur eigene Stärke.

    Mehr: Söder fordert „Transformationsgutscheine“: Neue Kaufprämie soll Verbrenner mit E-Autos verknüpfen.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Schwäche der CDU-Bewerber ist Söders Stärke bei der Kanzlerfrage"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Söder ist nur die politische Miniatur-Kopie von Trump aus Bayern.

      Bayern ist in der Corona Krise der Hot Spot in Deutschland und trotzdem tut Bayern mit Söder so, als hätten sie alles richtig gemacht, so agiert nur Trump.
      Ich möchte nur an die Testpanne/Versagen erinnern wo 1000 positiv getestete ihre Ergebnisse teils erst nach Wochen erhielten.

      Wer also laufend versagt muß nur laut genug schreien und abstruse Forderungen erheben um sein Unvermögen zu übertünchen, auch wieder Methode Trump.
      Nur diese dümmliche Corona-Lügenshow hat kurze Beine und trägt Gott sei Dank nicht bis zur Bundestagswahl. Die Umfragen der CDU/CSU brechen schon wieder ein. Gut so.

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