Kommentar Die Schwellenländer stecken in der Dollar-Falle

Die Schwellenländer kämpfen mit der Stärke des Greenbacks. Wenig spricht dafür, dass der Druck bald geringer wird.
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Aktien der Unternehmen aus Schwellenländern haben es weiterhin schwer. Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Börse in Sao Paulo

Aktien der Unternehmen aus Schwellenländern haben es weiterhin schwer.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Es gibt sie noch, die großen Optimisten. Aktien aus den Schwellenländern böten die weltweit besten Anlagechancen, nachdem ihre Bewertung durch die jüngsten Börsenrücksetzer günstiger geworden sei, urteilte im Frühjahr die US-Investmentbank Goldman Sachs. Es wäre schwierig, eine Zeit zu finden, in der man zuversichtlicher über den Stand der Dinge sein könnte, pries ein Experte der Bank.

Es kam indes bisher anders. Während im vergangenen Jahr das Emerging-Markets-Barometer noch kräftig zulegte, gab der meistbeachtete Schwellenländer-Index MSCI EM dieses Jahr deutlich nach – was manche Profis nun erst recht wieder von Einstiegskursen schwärmen lässt.

Geht die Party an den Börsen der Schwellenländer also bald schon weiter? Tatsächlich sind einige Papiere inzwischen deutlich billiger geworden. Doch das hat seinen Grund. Ein Blick auf die fundamentale Lage zeigt, dass das Risiko angesichts des starken Dollars weiter groß ist – und wenig dafür spricht, dass dieser Druck bald nachlässt.

Denn die schrittweisen Zinsanhebungen und das gleichzeitige Schrumpfen der Zentralbankbilanz, wie es die US-Notenbank Fed nun schon seit geraumer Zeit vollzieht, bringt viele Schwellenländer zunehmend in die Bredouille. Viele Unternehmen dort sind auf Finanzierungen aus dem Ausland angewiesen, im Jahr 2017 wurden fast zwei Drittel aller grenzübergreifenden Bankkredite in US-Dollar vergeben.

Das droht angesichts der steigenden Greenback-Kurse zur Falle zu werden. Ausstehende Schuldverschreibungen aus Entwicklungsländern sind von fünf Billionen Dollar binnen zehn Jahren auf 19 Billionen Dollar angeschwollen – was für die aufstrebenden Länder nun zum finanziellen Ballast wird.

Der neue Fed-Präsident Jerome Powell schaut bei seiner Geldpolitik jedoch aus naheliegenden Gründen auf die USA, wo die Wirtschaft brummt. Sollte es so bleiben, müssen sich jene Schwellenländer, in denen es jetzt schon wackelt, auf schwierigere Zeiten gefasst machen.

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