Kommentar Die Senkung der Bau-Nebenkosten wäre die erste gute Idee der Bundesregierung seit Jahren

In keinem anderen Bereich hat die deutsche Politik bislang so versagt wie in der Wohnungspolitik. Doch nun gibt es Hoffnung.
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Eine der großen Hürden beim Immobilienkauf sind in Deutschland die exorbitant hohen Nebenkosten. Quelle: dpa
Immobilienkauf

Eine der großen Hürden beim Immobilienkauf sind in Deutschland die exorbitant hohen Nebenkosten.

(Foto: dpa)

In Zeiten politischer Verrohung sollte man mit Fundamentalkritik noch bedächtiger umgehen als sonst. Aber wer die Wohnungspolitik der vergangenen Jahre resümiert, kann zu keinem anderen Schluss kommen: In keinem Bereich hat die deutsche Politik so auf ganzer Linie versagt wie hier.

Statt in Zeiten rasant steigender Immobilienpreise potenziellen Häuslebauern das Leben einfacher zu machen, hat die Politik der Mittelschicht die Tür zum Eigenheim sogar noch fester verriegelt. Einige Bundesländer haben nicht nur mal eben die Grunderwerbsteuer fast verdoppelt. Sie besaßen auch noch die Frechheit, Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau für andere Dinge auszugeben.

Darüber hinaus machen immer neue Vorschriften Bauen immer teurer. Wer nicht erbt oder zu den Top-Verdienern gehört, kann sich in Städten längst keine eigenen vier Wände mehr leisten.

Die Große Koalition hat das Problem erkannt und schaffte ein Kunststück. Sie machte alles noch schlimmer, in dem sie den dümmsten aller Vorschläge umsetzte: Sie legte ein Baukindergeld auf, von dem einzig und allein Baufirmen profitieren, weil die Subvention die Preise weiter in die Höhe treibt.

Aber plötzlich gibt es Hoffnung: Künftig soll nicht mehr der Käufer, sondern der Verkäufer die Maklerkosten beim Hauskauf tragen, fordert nun Justizministerin Katarina Barley (SPD).

Das ist die erste sinnvolle Idee zur Entlastung von Immobilienkäufern seit Jahren. Denn eine der ganz großen Hürden beim Hauskauf sind die in Deutschland exorbitant hohen Nebenkosten.

Das Gute an der Idee: Selbst wenn der Verkäufer die Maklerkosten auf den Kaufpreis umlegt, bringt der Käufer mehr Eigenkapital mit zur Bank, weil vorher keine Maklerkosten angefallen sind.

Es darf aber nicht bei diesem einen Schritt bleiben. Die Niederlande machen vor, wie gute Wohnungspolitik aussieht: Neubauten sind dort von der Grunderwerbsteuer befreit, die Bauvorschriften wurden entrümpelt und die Maklerkosten betragen maximal zwei Prozent.

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3 Kommentare zu "Kommentar: Die Senkung der Bau-Nebenkosten wäre die erste gute Idee der Bundesregierung seit Jahren"

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  • Würden die Maklerkosten auf den Kaufpreis aufgeschlagen, bzw. umgelegt, dürfte das keinen positiven Effekt auf die Finanzierungskonditionen haben, auch wenn absolut mehr Eigenkapital eingebracht wird.
    Schließlich ist für die Bank der Beleihungsauslauf, neben der finanziellen Tragfähigkeit, der entscheidende Faktor dafür, welchen Zins sie für die Kreditaufnahme verlangt. Wäre es üblich, dass die Maklercourtage in dem Kaufpreis erhalten ist, müsste Sie den Betrag bei der Berechnung des werthaltigen Beleihungswertes zusätzlich abziehen.
    Somit ist der Käufer nicht besser gestellt, als würde er die Courtage vorneweg aus seinen Eigenmitteln bezahlen.

    Eine Deckelung von Maklerprovisionen wäre aus neoliberaler Perspektive reiner Paternalismus. Die Courtage ist in der Praxis häufig Verhandlungssache, hier könnten Marktmechanismen allerdings noch stärker greifen.

  • Da muss ich leider widersprechen! Mir fallen ohne Weiteres noch mehrere Bereiche ein, wo die Regierung mindestens genauso eklatant versagt hat: Rente, Klima, Energie, Einwanderung, Pflege, Bildung, Infrastruktur, Verteidigung, Breitbandausbau, usw. Also eigentlich in allen relevanten Bereichen, in denen eine Regierung überhaupt tätig werden kann. Allein bei der Ehe für Alle gab es positive Fortschritte. Das betrifft allerdings 98% der Gesamtbevölkerung erst gar nicht. Auch bei Diätenerhöhungen ist man sich perteiübergreifend immer relativ schnell einig und kann entsprechende Ergebnisse vorzeigen. Immerhin ein Anfang. Wir dürfen nicht immer zuviel erwarten. Würde diese Leute wirklich etwas können, wären sie nicht in die Politik gegangen sondern hätten einen anständigen Beruf erlernt. Wir müssen Geduld haben.

  • Das ist in der Tat so. Die Grunderwerbssteuer für private Ersterwerber zu streichen oder auf einen Minimalbetrag zu senken, wäre eine gute Idee. Aber insbesondere die Maklerkosten gehören signifikant gedeckelt. Auch abseits der Berliner Verhältnisse sind die Summen, die da heute aufgerufen werden unerträglich.

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