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Kommentar Die Sieger in Syrien stehen längst fest

Der Westen zieht sich immer weiter aus Syrien zurück. Nutznießer sind Putin, Erdogan, Rohani – und Baschar al-Assad. Stabilität verspricht dies aber nicht.
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Er darf an der Macht bleiben. Quelle: AP
Bild des syrischen Präsidenten Assad

Er darf an der Macht bleiben.

(Foto: AP)

Es kommt selten vor, dass ein ranghoher Vertreter der USA bei einem Partnerland eine derartige Abfuhr erteilt bekommt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat damit kein Problem. Er ließ den Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, am Dienstag eiskalt abblitzen.

Die geforderte Kooperation bei der Unterstützung einer syrischen Kurdenmiliz blockte der Nato-Partner ab. Ebenso will Erdogan seinen geplanten Einmarsch im Norden des Kriegslandes nicht weiter aufschieben.

Wer an einen neuen Konflikt zwischen Ankara und Washington glaubt, irrt jedoch. Der Schritt ist wohlüberlegt und das Produkt eines Plans aus Ankara. Die Türkei ist der große Nutznießer von Trumps neuer Syrienpolitik. Vor allem aber zeigt der Vorgang, wer in Syrien inzwischen die Handlungshoheit besitzt.

Es deutet sich ein nahtloser Übergang der Macht an. Die Amerikaner werden sich früher oder später aus Syrien zurückziehen. Die Türkei und der syrische Staat wollen diese Lücke füllen. Der Westen hat sich entschieden, dabei eine immer kleinere Rolle einzunehmen.

Die USA und Europa haben zunächst mit der Unterstützung kleiner Oppositionsgruppen zu zaghaft reagiert; dann kamen die Flüchtlinge und dann der Terror. Der Westen wurde lahmgelegt. Die neuen Mächte haben derweil ihre Lücke gefunden und sie geschickt genutzt.

Die Sieger heißen Putin, Erdogan, Rohani – und Baschar al-Assad. Der Präsident aus Damaskus wird bleiben dürfen. Er hat die eigene Bevölkerung mit Fassbomben umbringen lassen und die Geflüchteten mit mehreren Gesetzesänderungen praktisch ihrer Grundrechte beraubt.

Ein besonders stabiles Gleichgewicht wird sich im Nahen Osten jedoch nicht einstellen. Russland und die Türkei liegen bei vielen Themen immer noch über Kreuz. Dass der Iran eine schiitische Achse vom Mittelmeer bis nach Teheran schaffen will, dürfte ebenfalls in den nächsten Jahren für Konflikte sorgen. Die Unabhängigkeitsbestrebungen einer syrischen Kurdenmiliz werden bald in einen Einmarsch türkischer Truppen münden.

Im ausgehenden Syrienkrieg fliegen keine Bomben mehr. Das ist die gute Nachricht. Doch die Nachkriegslösung, das Verhandeln über eine neue Verfassung für das Land, ist in Wahrheit nichts anderes als eine fragile Pattsituation zwischen einer Menge Regionalmächten.

Die schlechte Nachricht lautet: Auch in Zukunft wird es Krisen und Kriege geben, auch und vor allem im Nahen Osten. Doch es wird kein West gegen Ost mehr geben, keine klaren Fronten, kein Gut gegen Böse, sondern eine Vielzahl Interessen, die mit aller Macht und notfalls Gewalt durchgesetzt werden. Beispiel Türkei. Europa muss in dieser neuen Welt seine Rolle erst noch finden.

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