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Lieferung durch Drohne

Im Frachtbereich könnten Drohnen in Zukunft dünn besiedelte Regionen mit eiligen Waren wie etwa Medikamenten versorgen.

(Foto: Photodisc/Getty Images)

Kommentar Die „Smart City“ ist keine Spinnerei

Auf der ganzen Welt wird nach neuen Mobilitätskonzepten gesucht. Doch die können nur funktionieren, wenn neue Systeme in bestehende eingepasst werden.
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Vor wenigen Tagen war es wieder einmal so weit. Zwei weltbekannte Mobilitätskonzerne – Audi und Airbus – stellten auf einer Messe in Amsterdam ihre gemeinsame Idee von der Mobilität der Zukunft vor. Ein modulares System, bei dem eine Kapsel zum Transport von Passagieren entweder von einer Drohne in der Luft oder auf einem Fahrgestell auf der Straße befördert werden kann.

Man mag solche Ideen als Spinnerei belächeln. Doch eines haben die Ingenieure verstanden: Sie verknüpfen mehrere Verkehrsträger. Das allein ist wegweisend.

Rund um den Globus wird emsig an neuen Konzepten für Mobilität gewerkelt. Das ist gut so. Wir drohen an unserem „Bewegungsdrang“ zu ersticken. Er ist nicht nur zu groß, er ist auch zu schmutzig. Fast schon verzweifelt ringen Bund und Kommunen darum, die Folgen der richterlich verordneten Fahrverbote in den Griff zu bekommen.

Allein das zeigt das Kernproblem: Wirklich „smart“ werden unsere Städte nur, wenn die Mobilität nicht nur intelligent, sondern auch integriert ist. Alle Verkehrsträger – die bestehenden und die der Zukunft – müssen koordiniert werden. Bislang dominiert zu sehr der Tunnelblick.

Einerseits versuchen wir bei den bestehenden Systemen, zu retten, was zu retten ist. Andererseits hoffen wir, dass in Zukunft bahnbrechende Ideen all unsere Probleme auf einen Schlag lösen werden: Drohnen, autonom fahrende Sammeltaxis oder Sharingdienste.

Doch machen wir uns nichts vor: Flugtaxis werden auf absehbare Zeit nicht den Individualverkehr auf der Straße ersetzen. Den wird es noch viele Jahrzehnte geben, so wie es noch lange Menschen geben wird, die sich beim Reisen nicht von anderen Reisenden abhängig machen wollen oder können. Frachtdrohnen wiederum können nicht die gesamte Versorgung und Entsorgung einer Metropole sicherstellen.

Bürger auf dem Land nicht übergehen

Das heißt jetzt nicht, dass Ideen wie ein fliegendes Taxi keine Chancen haben. Wer solche Innovationen von vornherein abmoderiert, begeht einen Fehler. Die Erfahrung lehrt aber, dass neue Verkehrssysteme niemals bestehende ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Ziel muss es deshalb sein, die entstehende neue Vielfalt möglichst intelligent einzusetzen.

Wie wichtig das ist, zeigen folgende Zahlen: Nach Berechnungen von Statista leben zwar knapp 32 Prozent der Deutschen in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Das bedeutet: Etwa 68 Prozent der Bundesbürger haben ihren Lebensmittelpunkt in kleineren Städten und auf dem Land. Die kann man nicht einfach übergehen – nur weil sie nicht in den Metropolen wohnen.

Wollen wir verhindern, dass immer mehr Menschen – etwa wegen der Arbeit – in die Großstädte drängen und gleichzeitig ländliche Regionen abgehängt werden, ist eine mobile Anbindung an die Zentren zwingend notwendig.
Das ist nicht einfach. Ein Bus vom Land in die Stadt rechnet sich oft nicht, viele Verbindungen wurden deshalb eingestellt. Hier könnten autonom fahrende Sammeltaxis ins Spiel kommen.

Anderer Ort, andere Lösung: Viele Pendler, die vom Festland zu ihrem Arbeitsplatz auf der Insel Sylt müssen, leiden unter den Dauerbetriebsproblemen der Eisenbahn, die mit einer eingleisigen Strecke über den Hindenburgdamm überfordert ist. Ein Ausbau würde Jahrzehnte dauern. Schneller und leichter könnte sich vielleicht ein Regelbetrieb mit Flugtaxis realisieren lassen.

Im Frachtbereich wiederum könnten Drohnen dünn besiedelte Regionen mit eiligen Waren wie etwa Medikamenten versorgen.

Es muss genau geschaut werden, wo neue Verkehrsmittel die bestehenden wie den Individualverkehr auf der Straße und den Öffentlichen Personennahverkehr sinnvoll ergänzen. Bisher wurde das nicht gemacht. Stattdessen stellen neue Sharingdienste gerade die Metropolen flächendeckend mit Leihfahrrädern voll, die häufig nur eines machen – die bisher noch freien Wege versperren. In den USA bahnt sich gerade Ähnliches mit E-Scootern an.

Integrierte Mobilität muss simpel sein

Integration lautet also das Gebot der Stunde. Das umzusetzen ist für sich genommen schon eine gewaltige Herausforderung. Oft sind nicht einmal Busse und Bahnen vernünftig miteinander vernetzt.

Noch größer könnte eine andere Herausforderung sein: Um den Nutzern eine integrierte Mobilität schmackhaft zu machen, muss sie simpel sein. Am besten gibt der Kunde Start und Ziel ein, und eine App sagt ihm, welche Verkehrsmittel er kombinieren soll und bucht entsprechend. Das Problem: Eine solche Plattform ist mächtig und dürfte den staatlichen Wettbewerbshütern übel aufstoßen. Hier muss eine neutrale Lösung gefunden werden.

Ohne Vorgaben, ohne Moderation durch die Politik bleibt moderne Mobilität eine Illusion. Die gute Nachricht: Die Gelegenheit, diese Unterstützung zu bekommen, dürfte so günstig sein wie niemals zuvor. Fahrverbote, Bahnchaos, Flugverspätungen, kaum bezahlbarer Wohnraum, Verarmung ländlicher Räume – die Politik realisiert gerade, was die wirklichen Probleme der Bürger und damit ihrer Wähler sind.

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