Kommentar Die SPD wird Sigmar Gabriel noch sehr vermissen

Sigmar Gabriel war ein beliebter Außenminister – und doch muss er den Posten räumen. Die Entscheidung der SPD birgt Sprengstoff.
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SPD wird Sigmar Gabriel noch sehr vermissen Quelle: dpa
Sigmar Gabriel

Sein Verhältnis zur designierten Parteichefin Andrea Nahles gilt als belastet – im neuen Kabinett ist daher kein Platz für Sigmar Gabriel.

(Foto: dpa)

BerlinAm Tag seines politischen Endes machte Sigmar Gabriel seinem Ruf als Quertreiber noch einmal alle Ehre. Kaum hatten ihm Andrea Nahles und Olaf Scholz mitgeteilt, dass er dem künftigen Bundeskabinett nicht mehr angehören werde, verbreitete der noch amtierende Außenminister die Meldung auch schon in einer persönlichen Erklärung – obwohl die SPD ihre Kabinettsliste erst später bekanntgeben wollte.

Wegen genau solcher Alleingänge ist Gabriel sein Amt als Außenminister los. Zu oft war Gabriel auf eigene Faust losgezogen, zu oft hatte er damit seiner Partei das Leben zur Hölle gemacht, zu oft Parteifreunde teils sogar persönlich gedemütigt.

Dass das neue SPD-Führungsduo Nahles und Scholz Gabriel abserviert hat, ist deshalb nicht nur menschlich verständlich, sondern auch politisch nachvollziehbar. Jeden Tag aufs Neue hätten sie fürchten müssten, dass Gabriel wieder auf eigene Rechnung handelt.

Die ohnehin stark angeschlagene SPD kann aber nur solide regieren, wenn zwischen den wichtigsten Kabinettsmitgliedern ein gewisses Maß an Vertrauen herrscht. Zwischen Gabriel auf der einen und Scholz und Nahles auf der anderen Seite war dieses Vertrauenskapital aber schon aufgebraucht, bevor die neue Regierung überhaupt ihre Arbeit aufgenommen hat.

Gabriels Abgang ist für die SPD dennoch aber ein Problem. Als Außenminister hat es der so lange unbeliebte Gabriel zu einer nie für möglich gehaltenen Beliebtheit gebracht – auch, weil er dem Außenministerium politisch wieder mehr Strahlkraft verschaffte.

Während Frank-Walter Steinmeier den Ober-Diplomaten gab, redete Gabriel auch mal Tacheles, verstand sich aber auch in Diplomatie, befreite etwa den Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Untersuchungshaft.

Und die Herausforderungen werden ja nicht kleiner. Der Umgang mit Russland, die neue protektionistische Politik der US-Regierung oder die immer größer werdenden Machtansprüche Chinas – der neue Außenminister wird viel zu tun haben.

Während Gabriel, als er vor einem Jahr Außenminister wurde, drei Jahre Erfahrung als Wirtschaftsminister mitbrachte, in denen er durch die ganze Welt gereist war, wird sich der gehandelte Nachfolger Heiko Maas im Amt erst einarbeiten müssen. Viele einfache Wähler werden deshalb nicht nachvollziehen können, warum Gabriel in die Wüste geschickt wird. Er hat doch seinen Job gut gemacht. Er kannte sich aus. Und nur weil er unbequem war, wird er jetzt geschasst? So werden viele denken. Die Umfragewerte der SPD wird Gabriels Abgang sicher erst einmal nicht steigen lassen, im Gegenteil.

Und auch die SPD wird Gabriel noch vermissen. Nicht seine Querschüsse, aber ganz sicher dessen politische Urkraft. Gabriel war der vielleicht begabteste Politiker seiner Generation. Er konnte Stimmungen im Volk erahnen, war gleichzeitig schnell im Kopf, der beste Redner im Bundestag, sprühte vor Ideen. Ob ihn jemand in der SPD adäquat ersetzen kann, bleibt abzuwarten. Erst einmal wird Sigmar Gabriel eine große Lücke hinterlassen.

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9 Kommentare zu "Kommentar: Die SPD wird Sigmar Gabriel noch sehr vermissen"

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  • Unter dieser Adressen noch nicht gelöscht: Hassprediger G.
    https://www.youtube.com/watch?v=3jjIvthKtHE

  • Ein Hassprediger wie dieser Gabriel hat in der Öffentlichkeit nichts verloren.
    https://www.youtube.com/watch?v=xbQnEKvLi_k

  • "Die" Wähler hat Gabriel nicht als Pack bezeichnet. Sondern ganz konkret ein paar Schreihälse, die in einer beinahe ausländerfreien Region sich hinstellen, und sich lautstrak gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen haben - und die gleichzeitig jede Menge rechtsradikales, verfassungsfeindliches, und demokratiefeindliches Zeugs gebrüllt haben.

    Wenn man sich die sonderbaren Ansichten von Kommentatoren in diesem Forum ansieht, kann man durchaus Angst vor diesem brauen Mob bekommen.

  • Wie wahr, Herr Gabriel hat nie eine Wahl gewonnen und hat den Wähler als Pack bezeichnet, ein guter Soz eben, der zu seiner Partei passt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Die SPD schafft sich ab. Wir werden sehen ob Gabriel, der ja noch relativ jung ist, irgendwann ein Come-Back. Ich wuerde an seiner Stelle nicht darauf hin arbeiten.
    Helmut Schmidt und Schroeder ging (geht) es sehr gut nachdem sie aus dieser
    Schlangengrube heraus waren.

  • Naja, wobei vor etwa einem Jahr alle glücklich waren, dass es eben nicht Gabriel machen wollte... Andererseits hätte es auch ein geschmäckle, wenn Gabriel erst Steinmeier, dann Steinbrück, dann Schulz vorschickt und sie am ende alle überdauert, weil er am immer andere den Spitzenkandidaten hat machen lassen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • wird ihn genauso vermissen wie den Würselen-Schulz.

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