Kommentar Die SPD wird zur Freibier-Partei

Die SPD will Gerhard Schröders Errungenschaften aus ihrem Parteigeschichtsbuch tilgen. Das ist ein verheerender Fehler, hat er in Wahlen doch 30 bis 40 Prozent geholt.
1 Kommentar
Es hat sich herausgestellt, dass alle Umverteilungsmilliarden inklusive des aktuellen Rentenpakets, der SPD keinen einzigen Wähler zusätzlich gebracht hat. Quelle: dpa
SPD

Es hat sich herausgestellt, dass alle Umverteilungsmilliarden inklusive des aktuellen Rentenpakets, der SPD keinen einzigen Wähler zusätzlich gebracht hat.

(Foto: dpa)

Was die Angst vor dem politischen Untergang nicht alles auslösen kann. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte am Mittwoch ein staatlich subventioniertes Sabbatjahr für alle Arbeitenden. Er nannte das in schönster SPD-Funktionärssprache: Grundeinkommensjahr. Einen Tag später erklärt er die virtuelle Abschaffung von Hartz IV. Die Arbeitsmarktreform von Gerhard Schröder sei passé – als Name und als System.

Was ist los mit der stolzen Arbeiterpartei, die sich immer auch wirtschaftliche Vernunft auf die Fahnen geschrieben hat? Jetzt will die SPD-Spitze Freibier ausschenken – bis zum Abwinken. Das Problem dabei ist: Seit der Einführung der Agenda 2010 regieren die Sozialdemokraten die meiste Zeit mit. Und heute fällt ihnen plötzlich ein, dass das alles Nonsens sein soll.

Anstatt Gerhard Schröder mit der Sänfte durch Deutschland zu tragen, weil er die Grundlagen für die Vollbeschäftigung mit kluger Reformpolitik gelegt hat, will die SPD seine Errungenschaft aus dem Parteigeschichtsbuch tilgen. Was für ein verheerender Fehler. Schröder hat für die Partei in den Wahlen 30 bis 40 Prozent geholt.

SPD-Chefin Andrea Nahles und Klingbeil stehen in Umfragen dagegen bei 13 Prozent. Es hat sich doch herausgestellt, dass alle Umverteilungsmilliarden inklusive des aktuellen Rentenpakets, der SPD keinen einzigen Wähler zusätzlich gebracht haben. Die SPD kündigt nun einen Sozialstaat 2025 an. Das geht offensichtlich an den meisten Wählern vorbei, die mit dem jetzigen Sozialstaat ganz zufrieden zu sein scheinen.

Die SPD könnte wahrscheinlich Schampus für alle anbieten und es würde ihr nichts nützen. Die Leute wollen etwas anderes von der SPD. Wenn Klingbeil darauf spekuliert, eine linke SPD gegen einen möglichen CDU-Chef Friedrich Merz in den Wahlkampf zu führen, liegt er auch falsch.

Schröder hat es ihm doch gerade vergangene Woche nochmals gesagt, als die Altvorderen Otto Schily und Jürgen Trittin mit ihm 20 Jahre Rot-Grün feierten: Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Zieht die SPD nach links, steht da die Linkspartei. Will die SPD grüner werden, laufen ihr die Grünen den Rang ab. Das sagt Gerhard Schröder. Lars Klingbeil sollte also innerhalten und diesen Irrweg beenden.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Die SPD wird zur Freibier-Partei

1 Kommentar zu "Kommentar: Die SPD wird zur Freibier-Partei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Leider leider leider weiß die SPD nicht, was sie an Herrn Schröder hatte. Der gesamte wirtschaftliche Aufschwung unter Frau Merkel hat nicht Frau Merkel, sondern Herr Schröder möglich gemacht!!!

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%