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Kommentar Die strengen Lkw-Grenzwerte stellen die EU selbst vor Probleme

Die EU-Institutionen Kommission, Rat und Parlament haben sich auf strenge Grenzwerte für den CO2-Ausstoß für Lkw geeinigt. Die Hersteller jammern – nicht ganz zu Unrecht.
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De EU will dafür sorgen, dass der Schadstoffausstoß durch Lkw drastisch sinkt und so Mensch und Umwelt entlasten. Quelle: dpa
Lastwagen auf der Autobahn

De EU will dafür sorgen, dass der Schadstoffausstoß durch Lkw drastisch sinkt und so Mensch und Umwelt entlasten.

(Foto: dpa)

Bis zum Jahr 2025 sollen Hersteller den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) ihrer Lkw-Flotte um 15 Prozent, bis 2030 um 30 Prozent senken. Außerdem müssen mindestens zwei Prozent ihrer Lkw Null- oder Niedrigemissionsfahrzeuge sein. Während es bei Pkw bereits Reduktionsziele für Neuwagen bezüglich der CO2-Emissionen gibt, haben sich EU-Unterhändler nun auch bei Nutzfahrzeugen erstmals auf solche Vorgaben geeinigt.

Die Hersteller versetzt das in große Aufregung: Denn die Ziele sind schwer zu erreichen. Die Lkw-Bauer stehen vor vier Problemen – und die EU damit auch:

1. Einsparpotenzial bei herkömmlichen Antrieben fast ausgeschöpft

Anders als bei Autos wird an der Verbesserung der Energieeffizienz für Lkw, mit der eine geringere Umweltverschmutzung einhergeht, mit Hochdruck gearbeitet, um niedrigere Kosten für die Logistikbranche zu erzielen. Der Verbrauch der Fahrzeuge ist schon seit lange ein wichtiger Verkaufspunkt. Dementsprechend ist das noch technisch mögliche Einsparpotenzial bei herkömmlichen Antrieben überschaubar. Somit ist es für die Unternehmen nicht möglich, das Emissionsziel allein mit herkömmlichen Dieselantrieben zu erreichen.

Die Hersteller müssten also verstärkt auf Elektrofahrzeuge setzen, um die Vorgaben zu erfüllen.

2. Alternative Antriebe werden schnell unwirtschaftlich

Da liegt das nächste Problem: Denn das ist nicht so leicht. Ein Beispiel: Fahrzeuge, die lange Strecken zurücklegen müssen, brauchen einen dementsprechend großen Akku, wodurch mehr Energie für die Fortbewegung des Lkws benötigt wird. So werden alternative Antreibe schnell unwirtschaftlich.

3. Die Datenlage ist mau

Die Regulierung soll sich laut EU-Rat auf das Jahr 2019 beziehen. Also müssen die Hersteller unter Hochdruck mit Daten arbeiten, die es noch gar nicht gibt.

4. Die nötige Infrastruktur fehlt noch

Es gibt schlicht nicht die nötige Infrastruktur, die zum Laden und Betanken der alternativ angetriebenen Lkw erforderlich ist, die dann massenweise verkauft werden müssten. Auch bei Lkw-spezifischen Tankstellen für Erdgas ist die Verfügbarkeit in Europa sehr gering und uneinheitlich.

Genau da liegt der springende Punkt: Die EU-Länder müssen schnell etwas tun. Sie müssen für eine EU-weite Infrastruktur sorgen – und zwar sofort. Denn solange die nötige Infrastruktur nicht da ist, wird sich auf Nachfrage-Seite nicht genügend ändern, um wirklich eine Verkehrswende herbeizuführen.

Dass es mit dem Lkw-Verkehr so nicht weitergehen kann, ist klar: Die Lkw-Emissionen sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen: Zunehmender Warenverkehr, aber auch die kostenbedingte Verlagerung von der Schiene auf die Straße sind die Gründe. Für Mensch und Umwelt ist das ein Desaster. Deswegen spielt der Lkw-Verkehr eine Schlüsselrolle bei der anvisierten Reduktion der Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990.

Die jetzt beschlossenen Grenzwerte sind nicht nur eine sofortige Handlungsaufforderung an die Lkw-Industrie, sie sind auch eine an die EU selbst.

Die Idee der strengen Vorgaben ist richtig. Manchmal lassen sich nur durch ambitionierte Zielsetzung und hohen Zeitdruck die nötigen Ergebnisse erzielen – damit zu Ende gebracht wird, was schon längst erledigt sein sollte.

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