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Kommentar Die Stunde der Eigentümer: BMW steht vor einer Richtungsentscheidung

Bei BMW geht es jetzt um mehr als nur um die Entscheidung, wer das Unternehmen führen soll. Der Autobauer braucht eine nachhaltige Strategie.
28.06.2019 - 09:20 Uhr Kommentieren
BMW steht vor einer Richtungsentscheidung – Kommentar Quelle: dpa
BMW-Gebäude

Reicht ein Weiter-so mit Konzernchef Krüger, der den Wandel eher moderierend vorantreibt? Oder muss BMW dramatisch umsteuern?

(Foto: dpa)

Am 18. Juli beginnt in South Carolina die wohl wichtigste BMW-Aufsichtsratssitzung der jüngeren Firmengeschichte. Die 20 Kontrolleure des Autobauers müssen eine schwere Entscheidung treffen. Knapp ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit steht die Verlängerung des Vertrags des amtierenden Konzernchefs Harald Krüger auf der Agenda.

Doch anders als zu Beginn seiner Amtszeit ist der 53-Jährige nicht mehr unumstritten. Die Zeit der Rekorde ist vorbei, in der Elektromobilität haben die Konkurrenten aufgeholt, in der Digitalisierung bestimmen andere die Regeln. Und so prüfen die Aufsichtsräte auch weitere Optionen.

Mit Produktionsvorstand Oliver Zipse und Entwicklungschef Klaus Fröhlich halten sich zwei weitere Kandidaten für den Chefsessel bereit. Beide stehen für eine Kurskorrektur in München. Zipse wird ein diplomatischeres Vorgehen nachgesagt, mit Fröhlich dürfte ein eher energisch auftretender Charakter die Regie übernehmen.

Es geht um die Frage, mit welchem Stil BMW in das kommende Jahrzehnt geführt werden soll. Vor allem aber geht es um die Frage, wie die Aufsichtsräte die Lage des bislang erfolgsverwöhnten Konzerns heute bewerten. Reicht ein Weiter-so mit Krüger, der den Wandel eher moderierend vorantreibt? Oder muss BMW angesichts der dramatischen Herausforderungen in Sachen Klimaschutz, Digitalisierung und Welthandel drastisch umsteuern?

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    Seit der Finanzkrise kennt BMW nur Wachstum, seit 2009 haben sich Absatz, Umsatz und Gewinn glatt verdoppelt. Der Autoboom in China füllte die Kassen, die Sorgen relativierten sich. Als Krüger 2015 den Chefsessel übernahm, trübten nur wenige Wolken den Himmel über München.

    Doch dann liefen viele Dinge anders als gedacht. Die Dieselkrise erwischte die Branche, auch wenn BMW anders als VW und Daimler mit einem blauen Auge davongekommen ist. Donald Trump zettelt einen Handelskrieg an und trifft damit das hochglobalisierte Geschäftsmodell der Münchener. Und schließlich ist da noch Elon Musk, der mit seinen Tesla-Elektroautos einen ökonomisch wahnwitzigen, aber erfolgreichen Feldzug gestartet hat, um die BMW-Klientel zu erobern.

    Der gewohnte Trott

    Krüger hat 2015 den Auftrag angenommen, das Unternehmen ohne große Brüche in den Übergang zu Elektromobilität und Digitalisierung zu führen. Anders als bei Volkswagen meidet die „BMW-Kultur“ die öffentlich geführte Auseinandersetzung, Management, Arbeitnehmer und Eigentümer suchen den Schulterschluss. Krüger zielt darauf ab, mit Strategieworkshops möglichst viele Menschen einzubinden.

    Doch nichts ist schwieriger, als ein bislang erfolgreiches Unternehmen aus seinem gewohnten Trott zu ziehen. Das Neue kommt ja nicht über Nacht, und das Alte funktioniert ja noch. Als sich die ersten Stromautos nur schleppend verkauften, kappte Krüger die Investitionen. Stattdessen ließ er die Produktion von Geländewagen wie dem extragroßen X7 hochfahren.

    Das ist kurzfristig profitabel, da es tatsächlich einen wachsenden Markt für diese Art von Autos gibt. Eine nachhaltige Strategie in Zeiten einer verschärften Klimadiskussion ist das aber nicht. Die Widersprüche ziehen sich durch das Unternehmen.

    Auf einem neuen Campus entwickeln agile Teams jenseits alter Hierarchien das autonome Fahren, die Konzernzentrale pflegt aber weiter ihre Silos. Wie so viele Konzerne steckt BMW mitten in der Transformation zwischen alten Arbeits- und Denkweisen, zwischen reifen Produkten und neuen Ideen, die aber noch kein neues Geschäftsmodell tragen.

    Muss bei BMW härter durchregiert werden? Der Dissens über diese Frage schwelt seit Monaten. Mit Produktionsvorstand Oliver Zipse und Klaus Fröhlich stehen Managertypen für diese Variante bereit. Entwicklungsvorstand Fröhlich ist ein Weggefährte des heutigen VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess.

    Eine unabhängige Zukunft?

    Der VW-Chef trimmt die Wolfsburger nun viel radikaler auf Elektromobilität, als Krüger das bei BMW vorhat. Diess‘ Methode ist weniger das Abwägen und Moderieren als die klare Ansage von oben. Das wäre eine neue Kultur in München.

    Entscheiden können das nur die Eigentümer. Formal ist BMW eine Publikumsgesellschaft, tatsächlich regiert die Familie Quandt mit 48 Prozent der Stimmrechte das Unternehmen. Ihre Feuertaufe haben die Geschwister Mitte der Neunzigerjahre bestanden, als sie im Aufsichtsrat das milliardenschwere Rover-Debakel abwickelten, um ihr Erbe BMW als Ganzes zu retten.

    So etwas bleibt haften. Erst kürzlich haben beide betont, dass sie sich als unternehmerische Aktionäre sehen, die den Vorstand an der „langen Leine“ führen. Nur in kritischen Strategie- und Personalfragen wollen sie sich entschlossen einschalten.

    Der Moment ist mit der bevorstehenden Aufsichtsratssitzung gekommen. Anders als im Fall Rover steht nicht unmittelbar die Zukunft des Unternehmens auf dem Spiel. Doch mit dem Sprung in die Elektromobilität und die Digitalisierung wird sich entscheiden, ob BMW als kleinster deutscher Autokonzern eine unabhängige Zukunft haben wird.

    Mehr: Der Verbrennungsmotor ist angezählt, die Elektrowelle rollt an: Deutschland hadert mit der Antriebswende. Einzelnen Regionen droht der große Kehraus.

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