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Kommentar Die Tage des Bargelds sind gezählt – nicht nur wegen Google Pay

Mit Google Pay kommt eine der ersten Bezahl-Apps fürs Smartphone auf den Markt. Der Siegeszug elektronischer Bezahlverfahren lässt sich nicht mehr aufhalten.
5 Kommentare

Kreditkarte ade? Google Pay startet in Deutschland

Stehen Sie gerne an einer Ladenkasse an? Ich nicht. Und vermutlich der Großteil aller Deutschen auch nicht. Doch obwohl das Bargeld bei einem Einkauf einen so umständlichen, ungesunden und unmodernen Vorgang nötig macht – wir Deutschen halten bislang eisern an unserem geliebten Cash fest.

Auch wenn jetzt mit Google Pay eine der ersten schicken Bezahl-Apps fürs Smartphone an den Markt kommt: Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, ist beim Thema Bezahlen ein Entwicklungsland.

Wobei das nicht ganz fair ist – den Schwellen- und Entwicklungsländern gegenüber. In China bezahlt längst die Mehrheit der Bevölkerung überwiegend mobil, die beiden Marktführer Alipay und WeChat haben jeweils mehrere Hundert Millionen Kunden. Und in Afrika nutzen Millionen Menschen ohne eigenes Konto den mobilen Geldtransferdienst M-Pesa.

Nun kann man Deutschland nicht mit Ländern vergleichen, in denen viele Menschen bisher nicht einmal ein Bankkonto hatten und die daher mehrere technologische Stufen übersprungen haben. Doch wir sollten uns keiner Illusion hingeben: Cash ist ein sterbender König. Eine Vielzahl an neuen Technologien wird in den kommenden zehn bis 15 Jahren auch in Deutschland dafür sorgen, dass Bargeld nahezu vollständig an den Rand gedrängt wird.

Aller Bargeldliebe zum Trotz: Der bevorstehende Umschwung ist hierzulande deutlich sichtbar. Schon in den vergangenen Jahren ist die Nutzung von Bargeld in Deutschland gesunken: „Nur“ noch 74 Prozent der Transaktionen wurden 2017 laut Zahlen der Bundesbank mit Münzen und Scheinen beglichen, immerhin fünf Prozentpunkte weniger als 2014.

Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Einzelhändler mit Terminals für das kontaktlose Bezahlen ausgerüstet sind. Was in anderen Ländern wie Schweden und Großbritannien seit vielen Jahren üblich ist – kleine Beträge mithilfe der NFC-Technologie zu bezahlen –, setzt sich allmählich auch in Deutschland durch.

Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren beschleunigen wird – vor allem, wenn das kontaktlose Bezahlen in allen der in Deutschland so beliebten Girokarten integriert sein wird.

Bargeld ist nicht mehr zeitgemäß

Bargeld wird so zunehmend zurückgedrängt – und das ist gut so. Denn diese jahrtausendealte Bezahlform ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Sie hat gleich vier entscheidende Nachteile. Erstens ist Bargeld teuer: Laut einer Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin kosten die Münzen und Scheine den deutschen Privatsektor wegen der aufwendigen Logistik 12,5 Milliarden Euro im Jahr – rund 150 Euro pro Kopf.

Die aufwendige, ebenfalls Milliarden verschlingende Geldversorgung durch die Zentralbanken kommt da noch hinzu. Zweitens ist Cash dreckig und ein Gesundheitsrisiko: 26.000 potenziell gesundheitsschädliche Bakterien tummeln sich laut Mastercard – zugegebenermaßen keine neutrale Quelle – auf einer europäischen Banknote.

Bargeld ist drittens das beliebteste Bezahlverfahren für Groß- wie Kleinkriminelle: Geldwäscher, Drogenhändler und Terroristen gehören dazu. Und wo wir Deutschen gerne über „Bargeld als geprägte Freiheit“ fabulieren, wollen wir doch oft nur den Handwerker am Fiskus vorbei schwarz bezahlen.

Fjodor Dostojewskis Originalzitat „Geld ist geprägte Freiheit“ stammt im Übrigen aus dem 19. Jahrhundert, in dem Geld und Bargeld synonym waren. Was er über elektronisches Geld denken würde, wissen wir nicht. Und schließlich ist Bargeld unpraktisch – ständig rennt man zum Geldautomaten, und an der Kasse kramt man umständlich die Cents heraus.

Natürlich gibt es immer noch diverse Probleme und Bedenken, die den Siegeszug des elektronischen Bezahlens bislang verhindert haben: Dazu gehört unter anderem die noch zu geringe Marktdurchdringung der NFC-Technologie – sowohl an den Kassen als auch in den Girokarten. Doch das wird sich in den kommenden Jahren schnell ändern.

Hinzu kommen Sorgen um den Datenschutz, die nach dem Facebook-Skandal nochmals an Brisanz gewonnen haben. Andererseits: Viele Smartphone-Besitzer verhindern nicht einmal, dass ihr Aufenthaltsort permanent überwacht wird. Ist das nicht weitaus bedenklicher, als wenn Google weiß, wo und wann ich einen Kaugummi gekauft habe?

Es wird Zeit, das Bargeld als das zu sehen, was es ist: eine veraltete Technologie. Wir diskutieren in Deutschland ständig über Digitalisierung, aber wenn es um die Finanzen geht, wollen wir sie partout nicht akzeptieren. Fortschrittlich sein geht anders.
Doch das wird sich ändern.

Deutschland war schon häufig ein „late adopter“, aber dafür ging es dann umso schneller. Zumal die nachwachsende Generation, in der schon Zweijährige das Wort „iPhone“ zu ihrem aktiven Wortschatz zählen, kein sonderlich ausgeprägtes Faible fürs Bargeld haben wird.

Ob sich das Smartphone als Geldbörse durchsetzen wird, daran gibt es berechtigte Zweifel. Doch eines ist sicher: In welcher Form auch immer, elektronisches Bezahlen wird irgendwann das Bargeld größtenteils verdrängen. Und warum auch nicht?

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5 Kommentare zu "Kommentar: Die Tage des Bargelds sind gezählt – nicht nur wegen Google Pay"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wow, selten einen so schlechten Artikel gelesen, in Bezug auf Objektivität bzw. Befangenheit.

    >„Nur“ noch 74 Prozent der Transaktionen wurden 2017 laut Zahlen der Bundesbank mit Münzen und Scheinen beglichen
    Bei 3/4 aller Transaktionen von "nur noch" zu sprechen grenzt schon an Realitätsverlust.

    > NFC setzt sich langsam durch.
    NFC setzt sich seit Jahren immer wieder durch, lese ich.
    Man kan da auch von langsam sprechen. Ich würde eher sagen "setzt sich nach wie vor nicht durch".

    >diese jahrtausendealte Bezahlform ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß
    Alt = Unzeitgemäß?
    Was ist das denn für eine Argumentation?
    Unabhängig davon ist Bargeld zeitgemäßer denn je.
    Ich möchte gerne beim Einkauf im Supermarkt/Baumarkt/Wochenmarkt/... bezahlen können ohne dass meine Bank/Google/Dienstleister/VISA/... wissen, was ich wann wo gekauft habe. Bargeld bietet mir Anonymität, die in Zeiten von NSA/BND wichtiger ist denn je.

    >Und schließlich ist Bargeld unpraktisch
    Ansichtssache. Ich finde Bargeld sehr praktisch, Ich weiß nicht, wo der Autor einkaufen geht, an den Kassen im Supermarkt dauert Bezahlen mit Karte länger als mit Bargeld.

    Weil Leute ihr GPS anlassen ist es ok, den Geldtransfer auch offen zu legen?
    Wow, wenn wir schon von altertümlichen Vorstellungen reden, da ist eine.
    "Weil A so ist, kann B nicht schlecht sein." Ein altes und nach wie vor falsches Argument.

    Sehr geehrter Herr Schäfer, jeder hat das Recht auf seine unbedeutende Meinung, ich auch ;)
    Ihre wird aber über das Handelsblatt weit verbreitet und das finde ich in der Form wie Sie hier Meinungsmache betreiben, fast schon dem Boulevard-Journalismus zuträglich. Schande.

  • Die Bezahlindustrie scheint ja richtig verzweifelt zu sein! Aber die sehr berechtigten Datenschutzbedenken lassen sich auch mit noch so wilden „Ja, aber was ist damit? Das ist viel schlimmer“-Ablenkungsversuchen nicht beiseitewischen. Wer statt bar elektronisch zahlt, erzeugt ZUSÄTZLICHE Daten, die sich bestens mit den anderen, nur MÖGLICHERWEISE bereits vorhandenen Daten verknüpfen lassen, um ein noch vollständigeres Bild des Verbrauchers zu erstellen, der dadurch immer unmündiger wird, und das sich noch besser nutzen, kommerzialisieren oder missbrauchen lässt. Egal, wie viele andere Dinge Sie noch (er)finden, die zugegebenermaßen auch schlimm sind: Was ich wann, wo, wie und zu welchem Preis kaufe, ist ein entscheidender Baustein der Überwachungs- und Steuerungsmatrix, den ich lieber nicht freiwillig hergeben, sondern lieber für mich behalten möchte. Auch wenn bestimmte Teile der Finanzlobby mir noch so laut einreden wollen, ich wäre uncool und würde hinterm Mond leben.

  • Stehen Sie gerne an einer Ladenkasse an? Ich nicht so lt. Kommentator Schäfer.
    Mal funktioniert das Kartenlesegerät nicht, oder die Karte ist aus andern Gründen nicht lesbar, dann weis der Karteninhaber nicht mehr seine PIN und es wird gesucht wo die notiert ist usw. Ja das nervt mich auch. Im Gegensatz dazu Bargeld, Schein auf den Tisch, Wechselgeld zurück und fertig. Das ist schnell und funktioniert immer auch ohne Strom. Geld auf der Bank ist nur Kredit, ist die Bank pleite ist das Geld erst einmal weg. Der Bürger kann lt. deutschem Gericht nicht gegen den Einlagensicherungsfond klagen. Ob er sein Geld zurück erhält steht in den Sternen. Bargeld ist Eigentum, Bankeinlagen sind nur Kredit. Ein großer Unterschied.

    Kommentator Schäfer hat die vorgaben der E-Chash Industrie eins zu eins übernommen und gaukelt uns vor:
    Seine von der E-Chash Industrie übernommenen Behauptungen:
    Erstens ist Bargeld teuer: Frage für wen?
    Bei -Chash bleiben die Kosten ( Kredit-, EC-Karte Kontokosten) beim Bürger hängen, falsche Abbuchungen, Datenklau erfordern dann einen tagelangen Kampf darum, dass man sein Geld zurück erhält. Also Kampf David gegen Goliath.
    -Zweitens ist Cash dreckig und ein Gesundheitsrisiko: Was für ein Märchen ist das denn.
    Dann darf der Kommentator schon gar nicht den Laden betreten alleine auf dem Weg dort hin und im Laden kommt er mit mehr Bakterien in kontakt wie auf seinem Geldschein sind. Wann war die letzte Epidemie die aufgrund von Geldscheinen ausgebrochen ist? ES GIBT KEINE!
    -Bargeld ist drittens das beliebteste Bezahlverfahren für Groß- wie Kleinkriminelle: Geldwäscher, Drogenhändler u Terroristen gehören dazu. Das ist wohl die verrückteste Aussage die man je gehört hat. Es geht nicht um kriminelle beim Bargeldverbot sondern darum dass die EZB Negativzinsen erheben kann auch auf Sparguthaben von Bürgern und die nicht mehr entrinnen können indem sie ihr Geld von der Bank holen. Die MAFIA das organisierte Verbrechen wickelt seine Geschäfte bargeldlos ab.

  • Wie verblödet muss man sein, um vollständig auf Bargeld verzichten zu wollen? Ohne die Möglichkeiten des Bargeldes ist man vollständig dem System ausgeliefert. Negativzinsen überall durchsetzen, kein Problem, das Geld ist ja nicht mehr abhebbar. Das Kaufverhalten eines Jeden ist permanent abrufbar und wird lebenslang gespeichert. Bargeld ist gedruckte Freiheit und diese lasse ich mir nicht nehmen.

  • Noch so ein technikgläubiger Schlaumeier. Wenn die Bezahlinfrastruktur mal streikt - oder ihnen aus versehen mal die PIN für die SIM abhanden kommt - oder einer der Dienstleister ihren account sperrt - dann viel Spaß beim elektronischen Bezahlen.
    Mein Gott, wie kann man nur so blauäugig alle Risiken ausblenden. Dieser Technikwahn und die völlige Ausblendung der damit verbundenen Risiken ist symptomatisch zumeist für die jüngere Generation. Es wird Zeit, dass es mal so richtig kracht und vielen Menschen bewusst wird, wie abhängig wir heute schon von den ganzen elektronischen Vorgängen sind. Nicht falsch vestehen - auch ich zahle elektronisch, auch ich verwende Facebook und co. Aber sich vollständig von einer fallback Lösung zu verabschieden ist dumm und riskant.