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Kommentar Die Trendwende an den globalen Börsen ist überfällig

Die Aktien in Europa und den USA waren zuletzt enorm überbewertet. Die Corona-Epidemie ist nur der Auslöser für einen notwendigen Kursrückgang.
04.03.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Die US-Notenbank Fed versucht mit einer überraschenden Zinssenkung die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus einzudämmen. Quelle: AP
New Yorker Börse

Die US-Notenbank Fed versucht mit einer überraschenden Zinssenkung die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus einzudämmen.

(Foto: AP)

Auf die Wall Street und die US-Notenbank ist wieder mal Verlass. Weil die Börsen am Vorabend kräftig zulegten, stiegen am Dienstag auch in Europa die Kurse. Die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, angesichts der Sorgen um die Weltwirtschaft infolge der Corona-Epidemie den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte zu senken, ist ein Signal an die Anleger, Aktien nicht panikartig zu verkaufen, sondern treu zu bleiben. Ist das die Trendwende zum Guten? Zweifel sind angebracht.

Lange Zeit schien das Coronavirus den Börsen nichts anhaben zu können. Ungeachtet steigender Infektions- und Todesfälle in China, wo sich das Virus schon seit Dezember ausbreitet, stiegen die Aktienmärkte auf Rekordhochs. Erst als Corona den Westen erreichte und mit Apple das wohl prominenteste Unternehmen vor Umsatzeinbußen infolge des gebremsten Konsums und geschlossener Produktionsstätten in China warnte, schwenkten die Börsen um.

In nur einer Woche pulverisierten sich acht Billionen Dollar Anlagekapital, weil die Kurse weltweit im Schnitt um zehn Prozent einbrachen. Mit dem Geld ließen sich alle 30 Dax-Konzerne sechsmal kaufen.

Corona taugt zum perfekten Börsensturm, weil die Rahmenbedingungen schon lange miserabel sind. Aktien waren vor dem Crash so hoch bewertet wie seit 2007 nicht mehr, dem Boom vor der Finanzkrise. Je nach Berechnung waren Aktien in Europa um 20 und in den USA um über 30 Prozent überbewertet – verglichen mit den letzten fünf Jahrzehnten.

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    Dazu trugen zwei ausgeprägte Trends bei. Erstens gelang es in den vergangenen Jahren immer weniger Unternehmen, ihre Gewinne nennenswert zu steigern. Zu gesättigt waren viele Volkswirtschaften angesichts des zeitlich in die Jahre gekommenen Aufschwungs.

    Obendrein verringerte sich die Nachfrage aus den Boomländern. China wuchs schon 2019 so langsam wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der Welthandel zeigte sich so schwach wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Zeiten, in denen Konzerne wie BASF und Volkswagen mit zweistelligen Wachstumsraten in China die Schwächen in ihrem zu kleinen Heimatmarkt ausgleichen konnten, waren vorbei.

    Zweitens waren die Aktienkurse stärker gestiegen als die Gewinne der Unternehmen. Ursache ist vor allem die Nullzinspolitik der Notenbanken. Weil es für Geld auf dem Sparbuch und für Anleihen solider Staaten und Unternehmen keine Zinsen gibt und Immobilien teuer sind, lockte das viele billige Geld immer mehr Anleger an die Börse. Doch der eigentlich notwendige Börsentreiber, nämlich steigende Firmengewinne – Aktien sind schließlich verbriefte Firmenanteile –, funktionierte schon lange nicht mehr.

    Phasen mit überbewerteten Aktien gab es schon oft. Sie zu erkennen ist gar nicht so schwer, dabei helfen die Unternehmensbilanzen und Relationen aus Umsätzen, Cashflow, Gewinnen und Aktienkursen. Doch ein zeitliches Ende für solche Missverhältnisse zu prognostizieren ist so gut wie unmöglich. Übertreibungen können sehr lange andauern. Sicher ist nur, dass sie irgendwann enden. Dafür wiederum bedarf es eines Auslösers.

    Das waren früher oftmals höhere Zinsen, mit denen die Notenbanken Inflation bekämpfen und überbordendes Wirtschaftswachstum einhegen wollen – und wodurch sich für Unternehmen die Finanzierungsbedingungen erschweren und obendrein Anleihen attraktiver werden. All das geht zulasten der Aktie. Doch diesen klassischen Spielverderber gibt es nicht mehr. Viel zu lange schon finanzieren die Notenbanken mit ihrem billigen Geld den Staaten immer höhere Schulden, als dass sie aus dieser Spirale noch aussteigen könnten.

    Weil der Börse von den Notenbanken keine Gefahr mehr droht, sondern diese den Märkten bei Gefahr immer zu Hilfe kommt, bedurfte es eines anderen Auslösers für sinkende Kurse. Dieser ließ lange auf sich warten, weshalb Aktien immer teurer wurden. Jetzt ist er mit Corona und den negativen Folgen für Konjunktur und Unternehmensgewinne gekommen. Einmal in Gang gesetzt können Trends sehr langlebig sein. Das gilt für den Bullenmarkt, wenn die Kurse wie im vergangenen Jahrzehnt fast unentwegt steigen, wie für den Bärenmarkt, wenn sie fallen.

    Immerhin: Nach dem Kurseinbruch haben sich die Bewertungen etwas reduziert. Allerdings nicht ausreichend, zumal die Unternehmen derzeit im Tagesrhythmus ihre Gewinnschätzungen angesichts der durch die Epidemie bedingten Ausfälle reduzieren. Vor allem an den US-Börsen sind viele Aktien noch sehr teuer, besonders die der prominenten Technologiekonzerne Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet. Diese Missverhältnisse abzubauen braucht Zeit. Entweder indem die Kurse weiter fallen oder indem die Unternehmen ihre Gewinne steigern, um so die hohen Bewertungen zu rechtfertigen.

    Was den Kursverfall indes bremsen dürfte und die Finanzmärkte auch in Zukunft verzerren wird, sind mangelnde Alternativen angesichts rekordtiefer Zinsen. Das gilt auch nach Corona. Auf die Zentralbanken bleibt Verlass. Das hat Amerika am Dienstag mit der abrupten Zinssenkung eindrucksvoll bewiesen.

    Mehr: Wie Anleger auf den Corona-Schock reagieren sollten.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Die Trendwende an den globalen Börsen ist überfällig"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ach, Herr Sommer, plötzlich waren Aktien überbewertet. Vor 2 Wochen war im HB noch zu lesen, es sei noch "Luft nach oben" ! Ich vermisse wirklich die alte HB von Gabor Steingart. Heute schreibt man bei der HB den Ereignissen hinterher. Einordnung? Fehlanzeige! Jeder Wirtschaftsbrief schreibt inzwischen relevanter. Empfehlung, mal ein paar Sozis aus der Redaktion schmeißen. Die haben in einer Wirtschaftszeitung nichts zu suchen und davon gibt es beim HB inzwischen zu viele.

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