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Kommentar Die Trennung von Huawei könnte für die Telekom ein Befreiungsschlag sein

Die Telekom hat sich in Abhängigkeit von Huawei begeben. Diesen strategischen Fehler muss sie dringend korrigieren. Doch auch die Politik trägt Verantwortung dafür.
17.06.2020 - 19:09 Uhr Kommentieren
Der Bonner Konzern ist eng mit Huawei verbandelt – zu eng. Quelle: Reuters
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Der Bonner Konzern ist eng mit Huawei verbandelt – zu eng.

(Foto: Reuters)

Am Freitag hat die Deutsche Telekom zur Hauptversammlung geladen, der neuen Normalität entsprechend wird sie als Videokonferenz stattfinden. Für das Management hat die Verlagerung ins Virtuelle den angenehmen Nebeneffekt, dass die Fragen der Aktionäre vorher eingereicht werden müssen. Spontane Konfrontationen mit aufgebrachten Anteilseignern können so vermieden werden.

Frust gibt es durchaus, das weiß das Management natürlich. Als sonderlich gewinnbringende Anlage hat sich die Telekom seit dem Bersten der Dotcom-Blase nicht mehr erwiesen. 20 Jahre ist das inzwischen her.

Ungefähr zur gleichen Zeit begann ein damals kaum bekanntes Unternehmen aus der südchinesischen Stadt Shenzhen, in eine Partnerschaft mit der Telekom zu investieren. Nicht indem es Aktien kaufte, sondern indem es sich als günstiger und zuverlässiger Lieferant andiente. Die Rede ist vom Tech-Konzern Huawei, der seine bescheidenen Anfänge längst hinter sich gelassen hat und zum Hauptausstatter der Telekom-Netze aufgestiegen ist.

Anders als viele Aktionäre haben die Chinesen eine satte Rendite eingestrichen. Sie ist vor allem politischer Natur: Telekom-Chef Tim Höttges agiert in Berlin als einer der wichtigsten Fürsprecher von Huawei. Erst am Montag berichtete Innenminister Horst Seehofer SPD-Abgeordneten von einem Treffen mit Höttges, in dem dieser dargelegt habe, welche gravierenden Folgen ein Huawei-Ausschluss für die deutschen Digitalisierungspläne hätte. 

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    Ausgerechnet ein Unternehmen, das sich noch immer zu 32 Prozent im Bundesbesitz befindet, betreibt Lobbyarbeit für Chinas Industrie-Champion Nummer eins. So weit ist es gekommen.

    Inzwischen dürfte klar sein: Huawei ist nicht irgendein Konzern und die Volksrepublik China kein gewöhnlicher Handelspartner. China strebt danach, eine Hegemonialstellung in Asien zurückzugewinnen und ein autoritäres Gesellschaftsmodell zu exportieren. Dafür setzt es unter anderem auf die Förderung von Schlüsseltechnologien und vielversprechender, eng mit dem Regime verflochtener Firmen. 

    Huawei stellt die Krone dieses industriepolitischen Schöpfungsakts dar, weshalb die chinesische Führung gereizt bis aggressiv reagiert, wenn Huawei von anderen Staaten zum Sicherheitsrisiko erklärt wird.

    Auch die Politik trägt Verantwortung für die Verflechtung

    Das Telekom-Management um Höttges muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Telekom in eine prekäre Abhängigkeit von einem Systemrivalen der Bundesrepublik manövriert zu haben. Etwa 70 Prozent des Mobilnetzes des Bonner Konzerns ist made in China, auch beim Aufbau des 5G-Netzes will die Telekom ihre Kooperation mit Huawei fortsetzen. 

    Die Möglichkeit, dass die Politik dieser Partnerschaft ein Ende setzt, scheint bei der Telekom Angst und Schrecken zu bereiten. Der Huawei-Ausschluss wird in einem internen Dokument als „Armageddon“-Szenario durchgespielt.

    Die Wortwahl lässt tief blicken. Das Spitzenmanagement scheint die Risikobeziehung zu Huawei als Schicksalsgemeinschaft zu betrachten.

    Dabei wäre ein Ausschluss von Huawei keine Katastrophe, im Gegenteil. Für die Bundesrepublik wäre er eine Chance, hat die Regierung doch „digitale Souveränität“ als Ziel vorgegeben.

    Und für die Telekom könnte er ein Befreiungsschlag sein. Der Konzern sieht sich seit Monaten scharfer Kritik von Abgeordneten ausgesetzt, weil er in Sachen Huawei jede Distanz vermissen lässt.

    Allerdings: Auch die Politik trägt Verantwortung für die Verflechtung zwischen der Telekom und Huawei. Die Bundesregierung hat Mobilfunkanbieter lange vor allem als Einnahmequelle betrachtet – und die Telekom besonders geschröpft.

    Es beginnt damit, dass die Konzerne sich freies Funkspektrum teuer ersteigern müssen und Bieterschlachten wie zuletzt vor einem Jahr bei der Vergabe der 5G-Frequenzen dem Staat nur recht sind. Im Falle der Telekom kommt hinzu, dass der Bund als Miteigentümer satte Dividendenzahlungen einstreicht. 

    Dieses Jahr, inmitten der Coronakrise, will die Telekom 2,8 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausschütten – in etwa die Summe, die internen Kalkulationen zufolge nötig wäre, um Huawei aus dem deutschen Mobilnetz zu entfernen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Bund gegen diese kurzsichtige Dividendenpolitik wehren würde. Cash ist King, digitale Souveränität offenkundig nur Gerede.

    Das Resultat ist die Misere, in der Deutschland und die Telekom heute stecken. Die finanziell ausgequetschten Provider begaben sich in die Arme der billig produzierenden Chinesen, Europas technologisches Know-how nahm ab.

    Die gute Nachricht ist, dass der Trend noch gedreht werden kann. Die Telekom will Huawei aus dem besonders sensiblen Kernnetz entfernen. Ein erster Schritt. Mit Ericsson und Nokia stehen vertrauenswürdige europäische Alternativanbieter bereit. 

    Zugleich erarbeitet die EU-Kommission ein handelspolitisches Instrumentarium, um faire Wettbewerbsbedingungen für heimische Firmen zu schaffen, die es mit hochgezüchteten Konzernen aus gelenkten Volkswirtschaften aufnehmen müssen. Die Naivität im Umgang mit China könnte langsam ein Ende finden.

    Mehr: „Armageddon“-Szenario – Telekom spielt Huawei-Bann durch

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