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Kommentar Die Türkei zahlt für die Allmachtsphantasien ihres Präsidenten einen hohen Preis

Mit seiner Finanzpolitik hat der türkischen Präsident eine herbe Niederlage kassiert. Nun sollte er auch in der Außenpolitik einlenken – und auf Alleingänge und Kriegsrhetorik verzichten.
11.11.2020 - 19:02 Uhr Kommentieren
Der türkische Präsident Erdogan will das Zukunftsthema Klimaschutz jetzt selbst besetzen. Quelle: AP
Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident Erdogan will das Zukunftsthema Klimaschutz jetzt selbst besetzen.

(Foto: AP)

Der auf den Spuren des Osmanischen Reichs wandelnde Recep Tayyip Erdogan befindet sich im Dauerkrieg: Erst schenkt er den mit der Türkei eng verbündeten Aserbaidschanern in einem Blitzkrieg Teile der vom Nachbarn Armenien besetzten Gebiete.

Zusätzlich demonstriert er mit seinem Verbalkrieg gegen Frankreichs Präsident Emanuel Macron seinen Willen zu kultureller Oberhoheit. Der EU bietet er im Gasstreit im Mittelmeer sowie auch mit seinem Militäreinsatz in Libyen die Stirn. Mit Russland rivalisiert er in Bergkarabach, Syrien und Libyen – und kauft dennoch immer mehr russische Waffen und russisches Gas.

Gerne möchte sich der selbst ernannte Sultan von Ankara seinem Volk als Tausendsassa präsentieren. Doch Kriegsrhetorik und Säbelrasseln haben einen hohen Preis. Und je schwächer die Landeswährung Lira wird, desto größer werden die Zweifel am sich allmächtig gerierenden Staatschef und die Ängste vor dem politischen Untergang.

Und so muss der Bosporus-Trump den heftigsten Kampf führen: den gegen sich selbst und gegen die eigene Familie. Sein Schwiegersohn und Finanzminister Berat Albayrak musste schon hinwerfen, er konnte seine Wirtschafts- und Finanzpolitik unter Erdogan nicht mehr durchsetzen. Denn Staatsfinanzen und Lira-Kurs waren zu heftig gen Abgrund getaumelt.

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    Nachdem der türkische Präsident zuletzt noch von einem „Wirtschaftskrieg“ faselte, lässt er nun die geldpolitischen Kanonen schweigen und legt eine Kurswende hin. Die laxe Geldpolitik wird beendet, der Leitzins ist plötzlich nicht mehr unantastbar. An der Heimatfront herrscht nun erst einmal Waffenstillstand. Bleibt zu hoffen, dass auch Erdogans aggressive Außenpolitik sich nun abmildert. Denn angesichts geschmälerter Staatsfinanzen hatte er die Türkei EU-Sanktionen kurzerhand ausgesetzt.

    Dabei muss aber auch der EU ins Stammbuch geschrieben werden, dass die Konzentration auf Erdogans stürmische Außenpolitik noch kein eigenes Handeln ersetzt. In Syrien und Libyen ist es schließlich die Türkei, die, anstatt mit warmen Worten aus Brüssel, bisher mit Waffengewalt verhindert hat, dass alle Regimegegner in der Levante in die Hände des Diktators Baschar al-Assad geraten.

    Oder dass etwa die legitime Regierung in Tripolis durch von Russland, den Emiraten und Ägypten unterstützte Söldnerheere überrannt wird.

    Vielleicht lernt Präsident Erdogan am Abgrund stehend ja doch noch Diplomatie? Denn allein kann die Türkei sich nicht zum Weltpolizisten aufspielen. Nicht einmal zum Mittelmeer-Polizisten. Erdogan sollte auf außenpolitische Alleingänge und seine Kriegsrhetorik verzichten. In der heimischen Finanzkrise hat er ja schon eingelenkt. Auch der zwischenstaatlichen Politik täte dieser Kurs gut.

    Mehr: Was hinter dem Rücktritt des türkischen Finanzministers steckt

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