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Kommentar Die ungebremste Geldvermehrung der Notenbanken hat immense Risiken

Die Aktienkurse entkoppeln sich immer mehr von der Realität. Doch die Börse legt zu, weil die Alternativen noch schlechter geworden sind.
12.05.2020 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Schon viele Börsenkrisen hatten ihren Ausgangspunkt in überbewerteten Aktien. Quelle: dpa
Handelssaal in Frankfurt

Schon viele Börsenkrisen hatten ihren Ausgangspunkt in überbewerteten Aktien.

(Foto: dpa)

Die Coronakrise schien der perfekte Auslöser für die Bereinigung der Übertreibungen an den Börsen zu sein. Als die Virusepidemie im Februar Europa erreichte und sich zur Pandemie ausweitete, stürzten die Kurse weltweit in einem Monat um 35 Prozent ein.

Zuvor waren Aktien zehn Jahre lang fast unentwegt gestiegen. Börse und Realwirtschaft hatten sich auseinanderentwickelt, weil die Kurse doppelt so schnell gestiegen waren, wie die Unternehmen ihre Gewinne erhöht hatten. Dadurch waren Aktien Anfang 2020 doppelt so teuer wie 2010.

Schon viele Börsenkrisen hatten ihren Ausgangspunkt in überbewerteten Aktien: am prägnantesten die Crashs 1929 und 2000. Doch anders als damals kommt es diesmal bislang zu keiner Bereinigung des Marktes. Vielmehr erholten sich die Börsen fast ebenso schnell, wie sie abgestürzt waren.

Seit März stiegen die Kurse weltweit um 30 Prozent, ohne dass die Krise vorbei ist. Fast alle Unternehmen streichen ihre Ertragsziele zusammen, und die Analysten senken ihre Gewinnschätzungen so radikal wie zuletzt in der Finanzkrise 2008/09.

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    Das sollte Börsianer eigentlich alarmieren. Denn je stärker die Gewinne sinken, desto teurer werden die Unternehmen und heruntergerechnet ihre Anteilscheine. Das macht sie immer risikoreicher und eigentlich unattraktiver. Inzwischen sind Aktien in Deutschland, Europa und den USA sogar teurer als vor der Krise, obwohl die Kurse noch ein gutes Stück von den alten Hochs im Februar entfernt sind.

    Offenbar spekulieren viele Anleger auf eine V-förmige Konjunkturerholung – dass sich also die Unternehmensgewinne genauso rasch erholen, wie sie zuvor abgestürzt sind. Doch das geht an der Realität vorbei. Tourismus mit Hotelübernachtungen, Geschäfts- und Flugreisen, Gastronomie, Veranstaltungen, ja das gesamte konsumorientierte Leben, wie wir es bis Anfang 2020 gewohnt waren und woran die Unternehmen gut verdienten, wird es für längere Zeit nicht mehr so geben wie früher.

    Die wöchentlichen Lockerungen entfernen uns zwar ein wenig vom Ausnahmezustand, bringen aber keine Normalität zurück, geschweige denn die gewohnten Vorzüge der Globalisierung.

    Konkret heißt das beispielsweise: In den USA, der weltgrößten Volkswirtschaft, lahmt der Binnenkonsum angesichts der höchsten Arbeitslosenquote im April seit dem Zweiten Weltkrieg – und einer im Mai vermutlich höheren Arbeitslosenquote als in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre.

    Man sollte es sich nicht zu einfach machen

    Doch wer an dieser Stelle glaubt, dass die Mehrheit der Börsianer dumm ist, die düsteren Coronafakten ignoriert und in der Hoffnung auf ein Wunder munter in Aktien investiert, macht es sich zu einfach. So simpel funktioniert Börse (leider) nicht. Realwirtschaft und Aktienmärkte entwickeln sich vermutlich deshalb immer weiter und gefährlich auseinander, weil die Alternativen fehlen – und wohl noch lange Zeit fehlen werden.

    Die Coronakrise machte die zarte Hoffnung zunichte, in absehbarer Zeit wieder Zinsen für Erspartes oder Anleihen zu bekommen. Und das nicht nur, weil die Konjunktur abgestürzt ist, sondern weil sich die Staaten erneut, wie schon in der Finanzkrise 2009, in eine prekäre Finanzsituation manövrieren.

    Seit der Krise überbieten sich die USA und viele europäische Länder mit staatlichen Hilfsprogrammen, um die größten Folgen des wirtschaftlichen Stillstands und die Not vieler Selbstständiger und Unternehmen abzufedern. Das kostet Milliarden und Billionen, und es wird wohl für die nächsten Jahrzehnte die schon vor der Krise überschuldeten Staatshaushalte belasten.

    Deshalb werden die Notenbanken für lange Zeit die Zinsen nicht mehr nennenswert erhöhen können. Andernfalls würden viele Staaten, allen voran vermutlich Italien, unter der Zinslast zusammenbrechen.

    Aus der Überlegung, dass uns erneut ein zinsloses Jahrzehnt bevorstehen dürfte, ziehen Anleger die Konsequenz, dass es für lange Zeit keine echte Rendite-Alternative zur Aktie gibt. Hinzu kommt, dass steigende Immobilienpreise, wie im vergangenen Jahrzehnt, kein Selbstläufer mehr sind.

    Vor allem Unternehmen werden sich nicht mehr wie in Vor-Corona-Zeiten preislich überbieten, wenn es um lukrative Bürohäuser geht. Das dürfte vor allem Geldanlagen in Gewerbeimmobilien belasten.

    Mit Blick auf die Konkurrenz haben sich die Perspektiven an den Aktienmärkten also verbessert. Wie lange sich hier indes Realwirtschaft und steigende Aktienkurse immer weiter auseinanderentwickeln und damit gefährliche Schieflagen verursachen, vermag niemand zu sagen.

    In der Finanzgeschichte gab es noch nie das Experiment einer ungebremsten Geldvermehrung, wie sie die großen Notenbanken und Regierungen der Industriestaaten gemeinsam betreiben. Anlegern bleibt deshalb nichts anderes übrig, als wachsam zu bleiben und nur das Geld an der Börse zu investieren, das morgen und nächstes Jahr nicht gebraucht wird. Aber diese Weisheit galt auch schon vor Corona.

    Mehr: Dax-Aktien sind aktuell teurer als vor der Börsenkrise.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Die ungebremste Geldvermehrung der Notenbanken hat immense Risiken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • - Fortsetzung -

      Die Zentralbanken wirken hierbei nicht als Feuerlöscher, sondern vielmehr als Brandbeschleuniger.
      Wie dieses Spiel endet, ist daher auch definitiv sicher; sicher ist nur nicht der Zeitpunkt - vermutlich jedoch sehr bald:
      "Alle reinen Papierwährungen enden im vollständigen Verlust ihrer Kaufkraft. Das ist keine Frage des ob, sondern nur des wann. Es gibt in der Geschichte kein einziges Gegenbeispiel. Die Existenz von Zentralbanken verhindert diesen Prozeß nicht, sondern ist sogar eng mit ihm verbunden. So ist beispielsweise die Kaufkraft des Dollars vor der Gründung der FED (im Jahr 1913) mehr als hundert Jahre lang konstant geblieben, hat aber seither 92% eingebüßt. Der sog. Stabilitätsweltmeister unter den Währungen, die frühere D-Mark, hat dazu sogar nur die Hälfte der Zeit benötigt."

    • "Deshalb werden die Notenbanken für lange Zeit die Zinsen nicht mehr nennenswert erhöhen können. Andernfalls würden viele Staaten, allen voran vermutlich Italien, unter der Zinslast zusammenbrechen."

      Dann brechen sie halt zusammen. Warum haben sie denn überhaupt in einem solchen Maße aufgeschuldet, dass sie die vom Markt geforderte Risikoprämie nicht mehr zahlen können??
      "Antwort 1: Die permanente Aufschuldung des Staates steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Mechanismen der Macht. Die Herrschaft von Menschen über Menschen kann nur auf zwei Wegen erfolgen: Entweder mit dem Schwert (mit Waffen) oder mit der Methode Brot und Spiele. Letztere war nicht nur die Methode von Herrschern im alten Rom, sondern ist auch das Lebenselixier der Demokratie und trägt dort die Namen Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat und Umverteilung. Spätestens dann (meistens schon vorher), wenn die fiskalkleptokratische Abzocke des Volkes zum Zweck des Stimmenkaufs (Machtgewinn oder Machterhalt) so weit getrieben wurde, daß der Steuerertrag nicht mehr steigt, sondern sinkt (Laffer-Kurve), greift die politische Kaste zum Mittel der Verschuldung.
      Antwort 2: Die permanente Aufschuldung ist auch eine Folge der "Keynesianischen Perversion". Hierbei handelt es sich um die ökonomischen Irrlehren, die der englische Ökonom Lord Keynes ab 1935 verbreitet hat und die von den politischen Eliten begierig aufgenommen wurden. Sie konnten damit nämlich ihren - allen Gesetzen der Ökonomie zuwiderlaufenden - Aktivitäten eine (schein-) wissenschaftliche Legitimation verleihen. Kern dieser VoodooÖkonomie ist die weitverbreitete Illusion, der Staat könne (und solle) mittels Geld-, Zins- und Fiskalpolitik die Konjunktur steuern, das Wirtschaftswachstum anregen und der Arbeitslosigkeit entgegenwirken."
      https://forum.finanzen.net/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965?page=0


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