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Kommentar Die Unternehmen müssen sich jetzt auf Angriffe von Aktivisten einstellen

Aktivistische Hedgefonds drängen die Firmen in Europa bald wieder auf Gewinnmaximierung. Für Vorstände sollte aber mehr Nachhaltigkeit wichtiger sein.
27.05.2020 - 18:19 Uhr Kommentieren
Noch halten sich die Aktivisten in Deutschland und Europa zurück. Quelle: dpa
Sonnenuntergang in Frankfurt

Noch halten sich die Aktivisten in Deutschland und Europa zurück.

(Foto: dpa)

Vorstände in europäischen Unternehmen lieben aktivistische Hedgefonds sicher nicht. Das hilft ihnen wenig. Adressen wie Elliott Management des legendären Investors Paul Singer sind nach Europa gekommen, um zu bleiben. Andere werden folgen.

Die durch die Corona-Pandemie bedingte Ruhe sollte niemanden in den Chefetagen und Aufsichtsräten veranlassen, sich in Sicherheit zu wiegen. Nach einer Verschnaufpause werden die großen, vor allem in den Vereinigten Staaten ansässigen Aktivisten ihr Engagement in Europa massiv ausbauen.

Denn hier gibt es weitaus mehr Gelegenheiten, über massive Einflussnahme hohe Renditen zu erzielen als im Mutterland des Kapitalismus, den USA. Dort schrumpfen die Investmentmöglichkeiten nach langen Jahren der Einflussnahme. Attraktiv erscheint insbesondere Deutschland, das in Sachen Kapitalmarkt noch immer hinterherhinkt. Darauf sollten sich die Unternehmensspitzen schon heute einstellen und ihre Strategie entsprechend ausrichten.

An Geld mangelt es den Aktivisten nicht. In Zeiten von Nullzinsen stehen Großanleger unter einem enormen Ertragsdruck. Sie müssen nach Alternativen suchen, um ihre Performance zu verbessern. Das geht gut mit dieser Anlageform, die oft zweistellige Renditen abliefert. Die derzeit trügerische Ruhe in Deutschland, Frankreich und Co. hat einen guten Grund: Natürlich versuchen die auf den kurzfristigen Erfolg abonnierten Aktivisten, bei ihren Vorstößen möglichst geringe Risiken einzugehen.

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    Und dieses Umfeld finden sie in Krisenzeiten eindeutig in den USA. Dort haben sie ihr Netzwerk an Anwälten, Beratern, Detektiven und anderen bereits seit Jahrzehnten aufgebaut. Dort verstehen sie den rein marktwirtschaftlich ausgeprägten Kapitalmarkt bis in seine kleinsten Verästelungen. Schließlich handelt es sich meist um ihren Heimatmarkt.

    Anders sieht es etwa (noch) in Deutschland aus. Das zweistufige Führungs- und Kontrollmodell mit Vorstand und Aufsicht ist für so manchen angelsächsischen Hedgefonds Neuland, was einen gewissen Schutz bietet. Anders als in den USA muss der Aktivist nicht nur den Vorstand zwingen, Pläne wie die Abspaltung von Unternehmensteilen wie im Fall des Online-Marktplatzbetreibers Scout 24 anzugehen oder gar zurückzutreten.

    Es gilt vor allem, den eigenen Einfluss im Aufsichtsrat zu stärken, um Änderungen durchdrücken zu können – etwa mithilfe eigener Kontrollmandate. Dann steigen die Chancen für den Aktivisten, beispielsweise bei fundamental unterbewerteten Unternehmen mit geringer Rendite etwas ändern zu können, was den Aktienkurs stimuliert. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zweiteilung kein Problem für die Spezial-Hedgefonds mehr ist.

    Derzeit schreckt sie in erster Linie die Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur in Europa ab, die Gefahr einer neuen Schuldenkrise und ein Auseinanderfallen des Euro-Raums. In einer solchen Gemengelage sind von Aktivisten geliebte Maßnahmen wie zusätzliche Ausschüttungen an die Aktionäre über Sonderdividenden oder Aktienrückkäufe gewiss nicht das drängendste Thema für die Firmen. Es geht vor allem erst einmal um das Überleben.

    Gleichzeitig erschwert der kräftig schwankende Dollar-Kurs momentan die Absicherung der Investments, wenn die Aktivisten aus den USA kommen. Dieser Hinderungsgrund sollte nicht unterschätzt werden. Denn die Hedgefonds gehen auf Nummer sicher, was die Währung angeht. Ihnen reicht das Unternehmensrisiko völlig aus.

    Gute Unternehmensführung interessiert Hedgefonds nicht

    Doch die Zeiten werden sich wieder ändern. Deshalb müssen sich die Konzerne so aufstellen, dass sie nicht angreifbar sind. In normalen Zeiten machen etwa volle Kassen die Hedgefonds begierig.
    Unklar ist hingegen, wie Unternehmen künftig mit dem Wettstreit zwischen den Zielen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) einerseits und den Forderungen nach Gewinnmaximierung durch die Aktivisten andererseits umgehen.

    ESG interessiert die Hedgefonds nicht, sofern es sich nicht um einen Mangel an guter Unternehmensführung handelt, weil etwa Geld gebunkert und nicht investiert oder ausgeschüttet wird. Andererseits hat sich gerade in Zeiten der Coronakrise gezeigt, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Wert an sich ist, den Konzerne berücksichtigen müssen. Auch wenn das Aktivisten wenig interessiert, Großanleger wie Pensionskassen und Versicherungen werden hier künftig mehr Engagement fordern.

    Die von Aktivisten vielfach geforderte Aufnahme von Fremdkapital, um damit höhere Ausschüttungen zu ermöglichen, ist auch nicht im Sinne von ESG, sondern nur in dem der Hedgefonds. Im Zweifel helfen Vorständen und Aufsichtsräten deshalb alle vorab durchexerzierten Reaktionen nach dem Einstieg von Aktivisten nichts.

    Sie müssen sich entscheiden. Im Zweifel sollte die Wahl im Sinne der Nachhaltigkeit ausfallen. Lieber eine geringere Rendite, dafür aber den Rückhalt und die Unterstützung der Mehrheit der Aktionäre, der Mitarbeiter und Lieferanten, die am Ende meist langfristig denken. Dann haben Aktivisten schlechte Karten, Druck aufzubauen.

    Mehr: Fondsmanager Speich: „Wir arbeiten nicht mit Aktivisten zusammen“

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